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Kultur Bushidos Bambi sorgt für Ärger
Mehr Welt Kultur Bushidos Bambi sorgt für Ärger
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10:53 11.11.2011
Von Stefanie Nickel
Starauflauf bei der Bambi-Verleihung: Bushido hat den Preis in der Kategorie „Integration“ gewonnen. Quelle: dpa
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Wiesbaden

Aus dem Skandal-Rapper von einst ist – folgt man dem Urteil der Bambi-Jury – ein „hervorragendes Beispiel gelungener Integration“ und ein „Gesprächspartner und Ratgeber für Politiker“ geworden. „Der Preis steht für Versöhnung und Neubeginn“, sagte Laudator Peter Maffay. So recht applaudieren wollten dennoch nicht alle der 800 geladenen Gäste. „Es hat mich erstaunt, dass ich mit dem Bambi belohnt werden soll“, sagte der nervös wirkende Bushido. „Ich habe gelernt, dass das, was ich vor zehn Jahren gesagt habe falsch war.“

Schon vor der in der ARD live ausgestrahlten Preisverleihung in der Rhein-Main-Halle in Wiesbaden gab es im Internet Aufrufe zum Applaus-Boykott. Politiker und Verbände reagierten ebenso mit heftiger Kritik auf die Entscheidung des Münchener Burda-Verlags, Bushido ausgerechnet mit dem Bambi für Integration auszuzeichnen. Grünen-Chefin Claudia Roth etwa schrieb in einer Mitteilung auf ihrer Homepage: „Frauenfeindlichkeit und Homophobie sind nicht preiswürdig.“

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In der Tat hat der 33-Jährige sich besonders in seinen frühen Jahren immer wieder mit frauen- und schwulenfeindlichen Texten hervorgetan. „Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel“ heißt es etwa in dem Song „Berlin“ (2003). An anderer Stelle rappt Bushido: „Dein Silikon gehört mir und meiner Crew.“

Vom Image des gewaltverherrlichenden Proll-Rappers aus dem Berliner Ghetto will Bushido sich aber schon länger lösen. Immer wieder ließ er sich in der Vergangenheit auf Charity-Galas sehen und zeigte sich in der Öffentlichkeit mit Prominenten wie Hannelore Elsner und Horst Seehofer. Nun dürfte ihn der Bambi für „Integration“ noch ein ganzes Stückchen salonfähiger gemacht haben.

"Menschenverachtende Texte"

Peter Plate von Rosenstolz, der den Bambi in der Kategorie Comeback bekam, war dann auch entrüstet: „Sicherlich ist es wichtig, dass wir einander Chancen geben“, sagte er in seiner Dankesrede. „Einen Musiker, so wenige Jahre nachdem er menschenverachtende Texte geschrieben hat, hier auszuzeichnen, finde ich nicht korrekt.“

In den meisten Kategorien hat der Burda-Verlag beim Klassentreffen der Showbranche auch in diesem Jahr die kommerziell Erfolgreichen ausgezeichnet. So auch bei Justin Bieber. Mit der Begründung, er sei der „erste digitale Megastar der modernen Zeit“ bekam der Teeniestar den Bambi in der Kategorie Entertainment. Neu ist es wahrlich nicht, dass Bieber seinen Erfolg vor allem den Youtube-Videos und der Netzgemeinde zu verdanken hat. Für einigen Kreischalarm sorgte er bei seinen jungen Fans am roten Teppich dennoch. Und Johannes B. Kerner räumte ein, dass es ihm von seinen Kindern aufgetragen worden sei, ein Autogramm mitzubringen.

Auch Gwyneth Paltrow (Film International) und Sänger Tim Bendzko (Newcomer) zählten zu den Preisträgern. Auch die Schauspielerin Jeanette Hain und der neue Münchener „Polizeiruf 110“-Kommissar Matthias Brandt sind mit einem Bambi ausgezeichnet worden.

Thomas Gottschalk bekam den Bambi in der Kategorie „TV-Ereignis des Jahres“ für „Wetten dass ...“ aus Mallorca. „Ich hab das ganz nett gemacht, aber es war nur im Team möglich“, sagte Gottschalk. Er wolle seinen Preis unter allen an der Produktion Beteiligten verlosen.

Innovative Trends hat der Burda-Verlag bei der Bambi-Verleihung nicht gesetzt. Und der Bambi für Bushido die umstrittenste Auszeichnung des Abends. Am Ende kam es für Bushido wohl so, wie er es selbst mit seinem ersten Albumtitel prognostizierte. Es hieß „Vom Bordstein bis zur Skyline“.

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