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Kultur Bücher, Filme, Serien: Diese Pandemie-Titel boomen
Mehr Welt Kultur Bücher, Filme, Serien: Diese Pandemie-Titel boomen
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15:33 16.03.2020
Passend zum neuartigen Coronavirus: Diese Bücher, Filme und Serien handeln von Pandemien. Quelle: imago images/Westend61/Future Image/Christian Ohde/Montage RND
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Gwyneth Paltrows Filmcharakter hat in der ersten Szene von “Contagion” Schnupfen, der Schweiß steht ihr auf der Stirn. Bereits zehn Minuten später ist sie tot. Und wenn eine berühmte Schauspielerin wie Gwyneth Paltrow so früh und unerwartet stirbt, kann es jeden der prominenten Darsteller dieses Films treffen: Matt Damon, Kate Winslet, Marion Cotillard, Laurence Fishburne. Das weiß man seit Sean Beans frühem Tod in der ersten Staffel von “Game of Thrones”. Vor neun Jahren hat Steven Soderbergh (“The Knick”, “Ocean’s Eleven”) den verheerenden Zug eines Virus um den Planeten verfilmt. Seinerzeit ein passabler Erfolg, erlebt der äußerst realistische Science-Fiction-Film “Contagion” jetzt ein Comeback. Mit der Entwicklung der Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV2 zur Pandemie und den immer einschneidenderen Gegenmaßnahmen stieg er jüngst in die Top-10 der iTunes-Charts – so beliebt wie “Harry Potter”.

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Vielleicht, weil er ziemlich genau nach- und vorzeichnet, was derzeit in unserer Wirklichkeit passiert: wie politische Entscheidungen getroffen werden, wie das Centre for Disease Control (CDC) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) agieren, wie eine Infektionskette verläuft (Soderbergh lässt die Kamera immer einen Sekundenbruchteil länger an Haltestangen in Bussen und begrapschten Whiskygläsern verweilen als nötig), wie die Maßnahmen der Eindämmung immer drastischer werden, wie die Medien helfen und schaden, aber auch wie das Rennen um den Impfstoff schließlich gewonnen wird. Ähnlich zur Realität: Das Virus hat seinen Ursprung offenbar ebenfalls in China (hier ist es Hongkong). Komplett anders: Während das “neuartige” Coronavirus eine wahrscheinlich noch niedrigere Letalität besitzt als derzeit vorgegeben (viele Infizierte, vor allem Kinder, dürften gar nicht als krank erfasst werden/worden sein, weil sie keine Symptome zeigen), ist das Virus von “Contagion” ein potenzieller Menschheitsvernichter mit den Mordraten der Pest. Der Thrill bei Soderbergh liegt in der erschreckenden Normalität, der Verbindung von Apokalypse und Alltag, die hier zu brodelnder Elektromusik gezeigt wird. Diese Sothe Authentizitätsthrill geht dem Zuschauer echt nahe.

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Dass die Genres des Fantastischen in Krisenzeiten Zulauf erfahren, ist längst bekannt. Dass ein realistischer Thriller, der bis ins Detail Parallelen zur aktuellen Krise aufweist, Erfolge feiert, überrascht dann aber doch. Will man sich beruhigen, dass es immer noch schlimmer kommen könnte? Oder sich nur das kopfeigene Paranoiazentrum mal ordentlich durchkitzeln lassen? Auch Wolfgang Petersens “Outbreak – Lautlose Killer”, 25 Jahre alt, ist derzeit beliebter denn je. Der Film des “Boot”-Regisseurs kam in die Kinos, nachdem die Schrecken eines Ebolaausbruchs drastisch ins Weltbewusstsein getreten waren. Dustin Hoffman, René Russo, Morgan Freeman und der inzwischen durch #MeToo geächtete Kevin Spacey spielten die Hauptrollen in einem beklemmenden Drama über ein aus Afrika nach Kalifornien verschlepptes Virus, das jeden Infizierten binnen zwei Tagen tötet. Verschwörungstheoretiker werden den Film besonders schätzen, denn der mikroskopisch kleine Killer kehrt im Grunde bloß nach Hause zurück, ist eine Laborschöpfung aus den Sechzigerjahren, deren Herkunft vom US-Militär, koste es, was es wolle, vertuscht werden muss. Dieses Sci-Fi-Klischee bediente jüngst ja auch die chinesische Propaganda, als sie das Coronavirus vom Wuhaner Wildmarkt als mögliches US-Erzeugnis bezeichnete (wohl um die inzwischen unabsehbaren weltweiten Personen- und Wirtschaftsschäden nicht auf sich laden zu müssen). Und auch im von Corona stark getroffenen Iran war von einer Biobombe die Rede, die die Trump-Regierung im Iran habe fallen lassen.

Auch deutsche Schauspieler im Kampf gegen Viren

Wer den Virenthrill nicht ganz so kompakt und schockierend braucht wie in den vorgenannten Filmen, der ist mit der deutlich gemächlicheren Erzählung der brandneuen lappländisch-deutschen Koproduktion “Arctic Circle – Der unsichtbare Tod” gut bedient. Hier wird in Lappland eine russische Prostituierte gefunden, die ein verheerendes Virus in sich trägt. Eine hübsche, einheimische Polizistin (Iina Kuustonen) und ein deutscher Virologe (Maximilian Brückner) versuchen, das Schlimmste zu verhindern und die irren Biomanipulatoren zu fassen. Der Mann vom ECDC (European Centre for Disease Control) wird zunächst gefragt, ob er tatsächlich in der Rockband spiele (niemand sieht weniger nach einem AC/DC-Mitglied aus als Brückner), und in der Folge verdünnen viel Beziehungsstress und Liebeshändel den Virengrusel in der herrlichen Winterlandschaft.

Auch die hochspannende, aktuelle “Planet der Affen”-Trilogie basiert – anders als die 1968 gestartete Originalfilmserie – auf einem pandemischen Handlungskonstrukt. Die Primaten übernehmen die Erde, weil ein Virus die Menschheit auf ein Häuflein zusammengeschrumpft hat. Don Siegels Science-Fiction-Klassiker “Die Dämonischen” (1956) und seine mehrfachen Neuverfilmungen erzählen von Kleinstlebewesen aus dem Weltraum, die die Menschheit durch fühllose Doppelgänger ersetzen. In “Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All” (1970) von Robert Wise verhält sich das Virus aus dem All wie ein irdisches, nur dass ihm die Wissenschaft aufgrund seiner extraterrestrischen Biologie nichts entgegenzusetzen weiß. Das Rätsel, dass es – für das Überleben der Menschheit – zu knacken gilt: Warum haben in dem Landstrich, in dem die kontaminierte Nasa-Kapsel einschlug, nur ein alter Säufer und ein Baby überlebt? Die Vorlage dieses auch 50 Jahre später immer noch sehenswerten Films ist übrigens auch ein guter Tipp für Abende in der Schmökerecke (Kerzenhamstern nicht vergessen!): Denn der Roman “Andromeda” stammt aus der Feder des “Jurassic Park”-Erfinders Michael Crichton, eines Spezialisten in der wissenschaftlich orientierten Sparte der Science-Fiction.

Stephen King äußert sich zu Fantasybuch

Wer generell lieber die eigene Fantasie bemüht, als sich fertige Bilder vorsetzen zu lassen, dem sei auch Stephen Kings “Das letzte Gefecht” empfohlen. Kaum ein Autor von Spannungsliteratur hat je Infektionsketten so plastisch und mitreißend beschrieben wie der “König des Horrors” 1978 in seinem ersten Science-Fiction-Roman, den es auch schon als (eher faden) TV-Zweiteiler gab und der zurzeit als Serie unter dem englischen Originaltitel “The Stand” neu verfilmt wird. King, dessen bis dato dickleibigstes Buch in einen Endzeitkampf zwischen Gut und Böse mündet, hat jüngst extra betont, dass sein laborgezüchtetes letales Virus nichts mit Corona zu tun hat – vermutlich, um auch seinem Buch ein kleines Comeback zu bescheren. Dean Koontz, einer von Kings populärsten Kollegen aus dem Gänsehautgenre, gilt derzeit als eine Art Prophet, weil das Virus in seinem Thriller “Die Augen der Dunkelheit” von 1981 Wuhan-400 heißt. In der Originalausgabe wurde es freilich noch Gorki-400 genannt, der Namenswechsel ging mit einer Neuauflage Ende der Achtzigerjahre einher, als der Kalte Krieg zwischen der Sowjetunion und dem Westen gerade abgeklungen war. Der Bezug des ungleich aggressiveren Virus zum vermuteten Ausbruchsort des Coronavirus ist allerdings auch schon so ziemlich der einzige.

Und dann wäre da noch “Ich bin Legende”, das mehrfach – mit Charlton Heston oder Will Smith – verfilmte Buch des Sci-Fi-Meisters Richard Matheson. Keine der Leinwandumsetzungen erreicht die Intensität der Erzählung, in der der Autor Vampire überzeugend als Resultate des Wirkens von Mikroorganismen darlegt. Fesselnd ist diese Geschichte – bis zum spektakulären Ende, das filmisch umzusetzen bislang kein einziger Regisseur wagte.

Das Kleinstlebewesen, dein Freund und Helfer? Auch das gibt es. In seinem Roman “Krieg der Welten” (2019 gleich zu zwei TV-Serien verarbeitet) ließ der englische Science-Fiction-Pionier H. G. Wells 1898 eine marsianische Flotte die viktorianisch geprägte Erde angreifen. Die war der außerirdischen Macht technisch weit unterlegen und den Aliens hilflos ausgeliefert. Die Apokalypse schien unausweichlich, als die Angreifer schließlich von irdischen Krankheitserregern, auf die ihr Immunsystem nicht eingestellt war, zu Fall gebracht wurden. Der Trost dieser Rettung weicht allerdings umgehend einer Gänsehaut. Die Marsianer gingen ja bloß zugrunde, weil es ihnen nicht rechtzeitig gelang, einen Impfstoff zu entwickeln.

Von Matthias Halbig/RND

Der Artikel "Bücher, Filme, Serien: Diese Pandemie-Titel boomen" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.