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Kultur Bleibt Schauspielintendant Lars-Ole Walburg in Hannover?
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11:33 06.12.2012
Bleibt er in Hannover? Schauspielintendant Lars-Ole Walburg.
Hannover

Der Sprecher des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur ist sachlich und freundlich wie immer: Ja, sagt er, die Verhandlungen liefen. Man führe „Gespräche auf allen Ebenen“. Und man sei zuversichtlich, dass man Anfang kommenden Jahres etwas bekannt geben könne. Mehr nicht.

Etwas bekannt geben wird man im Januar bestimmt. Denn bis zum 31. Dezember, so steht es im Vertrag, den Schauspielintendant Lars-Ole Walburg mit dem Land geschlossen hat, sollen die Gespräche über eine Verlängerung seines Intendantenvertrags abgeschlossen sein. Sollte man sich nicht einigen, würde der Vertrag von Walburg planmäßig mit dem Ende der kommenden Spielzeit, im Sommer 2014 also, enden. Das wäre dann auch eine Nachricht, die man verkünden könnte.

Es könnte aber auch eine Vertragsverlängerung bekannt gegeben werden. Womöglich nicht über volle fünf Jahre, wie das bei Verträgen von Theaterintendanten die Regel ist, sondern nur über drei Jahre, aber immerhin. Während Lars-Ole Walburg bereits im Sommer sagte, dass er gern in Hannover weiter Theater machen würde, gab es vom Land bisher keine klaren Zeichen für eine Verlängerung des Intendantenvertrags. Man scheint sich in der Sache noch nicht ganz sicher zu sein.

Das Problem ist der Publikumszuspruch. Dass die Zuschauerzahlen zum Amtseintritt eines Intendanten einbrechen, ist nichts Ungewöhnliches. Dass es so lange dauert, bis sie sich erholen, aber schon. Auch in der dritten Spielzeit von Walburg waren die Einspielergebnisse nicht so gut. Während Walburgs Vorgänger Wilfried Schulz fast jedes Jahr ein neues Rekordergebnis präsentieren konnte, erholen sich die schlechten Besucherzahlen von Walburgs Startsaison 2009/2010 nur langsam.

Die Platzausnutzung in der vergangenen Spielzeit lag bei 66 Prozent, immerhin zwei Prozent mehr als in der Saison davor. Im Ministerium grübelt man wahrscheinlich noch darüber nach, ob der Trend zum Erfolg stabil ist – und zögert mit der Verlängerung. Mit den Gesprächen über eine Vertragsverlängerung hätte man auch deutlich früher beginnen können als erst vor fünf Wochen.

Die zwei Monate vom 31. Oktober bis zum 31. Dezember sind im derzeitigen Intendantenvertrag als Zeitraum für Verhandlungen zwischen dem Land und dem Theaterchef vorgesehen. Während es bei Vertragsverhandlungen mit Intendanten in Deutschland üblich ist, bis Ende Oktober entschieden zu haben (damit der Theaterleiter künftige Künstlerverträge rechtzeitig schließen kann), scheint man in Hannover noch im Dezember von einer Einigung weit entfernt.

Dass die Vertreter des Landes mit dem Beginn der Verhandlungen gezögert hatten, bis die im Vertrag festgesetzte Frist begann, spricht dafür, dass man sich dort alle Optionen offen halten möchte. Andere Bewerber um Walburgs Nachfolge gibt es auch – aber ob sich unter ihnen jemand befindet, der den Erwartungen des Landes entspricht, ist fraglich. Schließlich ist es nicht so einfach, künstlerisch bedeutendes Schauspiel zu liefern, das dabei auch viele Zuschauer anzieht.

„Ich habe Lust, hier weiterzumachen“

Gerüchte aus der Kulturszene der Stadt, dass sich auch Elisabeth Schweeger, die Intendantin der Kunstfestspiele Herrenhausen, für die Leitung des Schauspiels in Hannover beworben habe, dementiert die Festivalintendantin gewohnt temperamentvoll: „Ich bin doch nicht bescheuert. Es ehrt mich ja, dass man immer an mich denkt, wenn irgendwo eine Intendanz zu vergeben ist. Aber ganz ehrlich: Ich habe mich nicht beworben. Außerdem finde ich, dass Lars-Ole einen guten Job macht.“ Walburg hat seine Bereitschaft, in Hannover zu bleiben, auf HAZ-Anfrage noch einmal bekräftigt. „Ich habe Lust, hier weiterzumachen“, sagte er, „aber natürlich nicht zu allen Bedingungen.“

Das nächste Vertragsverlängerungsgespräch mit dem Kulturministerium soll am Freitag stattfinden. Um das Kleingedruckte wird es dabei noch nicht gehen, die Verhandlungspartner scheinen noch am Anfang der Gespräche zu sein und prüfen, wie es überhaupt mit der Vertrauensbasis aussieht. Das Problem des mangelnden Publikumszuspruchs könnte allerdings bald behoben sein.

Walburg sagt, er spüre jetzt einen „Riesenaufwind“. Das Publikum benötige eben Zeit, sich an seine Arbeit zu gewöhnen – und er und sein Team hätten Zeit gebraucht, um die Stadtgesellschaft besser kennenzulernen. Und vielleicht, sagt er, helfe die Zeit ja auch, anfängliche Fehler zu vergessen. „In unserer ersten Spielzeit mag es so ausgesehen haben, als würden wir das Publikum nur erziehen und belehren wollen.“ Das Image einer Volkshochschule mit Pausenbewirtung hatte sich Walburgs Theater sehr schnell erarbeitet. Und es war schwer, sich davon zu befreien.

Aber Walburg und sein Team haben daran gearbeitet. Den Anspruch, forderndes, zeitgenössisches, auch politisch relevantes Theater zu machen, haben sie dabei nicht aufgegeben. Für die laufende Spielzeit ist dem Intendanten ein glänzender Auftakt geglückt. Nis-Momme Stockmanns Fünf-Stunden-Stück „Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir“ (inszeniert vom Intendanten) und Tennessee Williams? „Endstation Sehnsucht“ (inszeniert von Felicitas Brucker) sind zwei große Stücke, die man in Hannover unbedingt gesehen haben muss.

Und die Zuschauer kommen. Viele Aufführungen sind ausverkauft, was wiederum das Interesse an den anderen Stücken weckt. Sogar Wiederaufnahmen – sonst eher schwer an den Zuschauer zu bringen – können sich im Moment gut behaupten. „Wir haben jetzt den Nerv der Stadt getroffen“, sagt Walburg und fügt hinzu: „Ich klopfe jeden Tag auf Holz, dass das auch so bleibt.“ Der Intendant ist der Überzeugung, dass es ihm gelungen sei, sich auf die Stadt einzustellen, ohne sich programmatisch zu verbiegen. Und er beteuert, dass die Trendwende nachhaltig sei: „Es ist ja nicht so, dass wir jetzt eine Spielzeit lang etwas für die Zuschauer machen und dann wieder das tun, was wir wollen.“

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