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Kultur Binoche als alternder Schauspielstar
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10:07 19.12.2014
Ungleiches Duo: Maria Enders (Juliette Binoche, l.), Valentine (Kristen Stewart) in „Die Wolken von Sils Maria“. Quelle: Pallas Film

Sie sieht jünger aus, als sie ist, und leidet doch unter dem Altern. In ihrem Beruf ist die Frau ab 40 ein gefährdetes Auslaufmodell. Schauspielstar Maria Enders (Juliette Binoche) erhält überraschend das Angebot, noch einmal in jenem Theaterstück zu spielen, mit dem ihre Karriere vor zwanzig Jahren begann. Damals verkörperte sie die verführerisch junge Sigrid, jetzt soll sie die alternde Helena sein, die an der Liebe zu Sigrid zerbricht. Mit ihrer Assistentin Valentine (Kristen Stewart) zieht sie sich nach Sils Maria zurück, um die Rolle zu studieren.

Vor der wunderbaren Weite der Schweizer Berge entwickelt sich ein immer engeres, bis zur Schmerzhaftigkeit gespanntes Verhältnis zwischen den beiden Frauen, in denen sich die Bühnenfiguren spiegeln. Verehrung und Verlustangst, verrinnende Zeit und Ewigkeit, Kunst und Leben werden in heftigen Wortgefechten beschworen und gegeneinander ausgespielt.

Dabei treffen mit Binoche und Stewart nicht nur europäisches Autorenkino und amerikanischer Blockbuster aufeinander (Kristen Stewart wurde mit der „Twilight“-Trilogie zum Teeniestar), sondern tatsächlich zwei grundsätzlich verschiedene Generationen. Während die eine sich konzentriert in die Lektüre vertieft, ist die andere ganz in der Welt der Neuen Medien zu Hause. Wie Kristen Stewart mit rechts das Smartphone und mit links ihr Blackberry bedient und dabei unentwegt redet, ist an Coolness kaum zu überbieten.

„Die Wolken von Sils Maria“

Die Wolken von Sils Maria, Regie: Olivier Assayas, 124 Minuten, FSK 6
Kino am Raschplatz

In seinen besten Momenten spitzt der Film die Konfrontationen verbal zu und profitiert dabei von einem fantastischen Ensemble (in den Nebenrollen Lars Eidinger, Angelika Winkler, Hanns Zischler und Chloë Grace Moretz). Doch dann lässt Regisseur Olivier Assayas die Konflikte verpuffen. Wie das Wolkenphänomen über Sils Maria, dem der Film seinen Titel verdankt, verflüchtigen sich Probleme urplötzlich, und Valentine etwa verschwindet von der Bildfläche.

Dem Vergleich mit „Alles über Eva“, dem Meisterwerk des Genres von 1950, in dem Bette Davis die alternde Diva gibt und Anne Baxter ihre Assistentin, hält Assayas Werk schlussendlich nicht stand.

Von Kristina Tieke

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