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19:52 24.03.2015
Aus dem Bilderbuch: Maurice Ernst.
Aus dem Bilderbuch: Maurice Ernst. Quelle: Marta Krajinovi
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Auch beim Feuilleton war der ironische Schutzwall unten, als es darum ging, die Österreicher von Bilderbuch in den Himmel zu heben. Stellvertretend die „Süddeutsche Zeitung“: „Diese Musik ist geil, weil sie geil ist.“

Und damit steigst du dann auf die Bühne. Katsching!

Kleine, volle Hallen, Begeisterung überall, wenn die Band im schwarzen Tourbus vorfährt. In der 60er-Jahre-Halle der Faust beginnt der Abend mit „Willkommen im Jungle“ vom Album „Schick Schock“. Gitarren, die daran erinnern, dass die Band vor zehn Jahren einmal gestartet ist, den Strokes nachzueifern. „Die Luft ist so elektrisch / Mädels werden hektisch / Sind das Dschungelbells?“ Der Zitatewahn beginnt.

Sänger Maurice Ernst ist der Zeremonienmeister mit grünem Hemd und Goldkettchen. Der Mittzwanziger tanzt, zappelt, schwingt die Hüfte. Die Fans feiern die Band durch dieses Konzert, auch bei schwächeren Stücken. Und sich. Diese Stimmung, an einem Montagabend. Wer hätte das gedacht? „I net!“, sagt Ernst.

„Joghurt auf der Bluse“, ein älteres Stück, klingt nach den Arctic Monkeys. Hier zeigt sich, wo Schluss gewesen wäre für Bilderbuch. 2013 steigt mit Philipp Scheibl ein neuer Schlagzeuger ein. Die Band ist zu dieser Zeit im Wandel, Sänger Ernst färbt das Haar wasserstoffblond. Kanye West hat da seinen Kosmos längst erweitert. Zu den Indie-Gitarren kommt ein ganzes Sounduniversum, mit Autotune, Pop, Pomp und Soul. Sie arbeiten, wie Meister West, mit Versatzstücken, die sie selbst einspielen.

„Maschin“ ist der Hit. Krachende Riffs, den Rest besorgen die Fans: „Als wir uns das erste Mal begegnet sind / und Schuppen von den Augen geregnet / Willst du meine Frau werden? / Yeah! / Kauf ich uns ein Haus aus Gold und Perlen“. Mit Falco werden sie oft verglichen. Warum auch nicht? Ist das, was die Band da macht, nicht die Musik, die man 2015 von Falco erwarten würde?

Wo soll das alles hinführen? Am zweiten Weihnachtstag geht es in die Bezirkssporthalle Kremsmünster in der Heimat. So etwas macht Kanye West nicht. Und dann gibt es ja auch noch Waltraud, die Oma von Maurice Ernst. Die war kürzlich beim Konzert, ließ sich vom Enkel umarmen und von den Fans feiern. Wer Oma Waltraud vor der Bühne weiß, bei dem ist das Erdungskabel fachgerecht montiert.

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