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Kultur Gurlitt: „Freiwillig gebe ich nichts zurück“
Mehr Welt Kultur Gurlitt: „Freiwillig gebe ich nichts zurück“
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13:42 17.11.2013
Erstmals seit Aufkommen der NS-Raubkunst-Affäre meldet sich der Besitzer des Kunstschatzes zu Wort. Quelle: dpa
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München

Der Besitzer des Münchner Kunstschatzes, Cornelius Gurlitt, will alle Bilder behalten. „Freiwillig gebe ich nichts zurück“, sagte der 80-Jährige dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Gurlitt wies die Vorwürfe gegen ihn zurück. Die gut 1400 Kunstwerke, die in seiner Wohnung sichergestellt wurden, habe sein Vater rechtmäßig erworben. Die Justiz und die Öffentlichkeit stellten „alles falsch dar“. Der Staatsanwaltschaft habe er schon genug Belege geliefert, die ihn von jedem Verdacht entlasteten, betonte der Sohn des Nazi-Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt.

Die Justiz ermittelt gegen ihn wegen Steuerhinterziehung und Unterschlagung. Dem „Spiegel“-Bericht zufolge zeigt er sich von der öffentlichen Debatte um ihn schockiert: „Ich bin doch nicht Boris Becker, was wollen diese Menschen nur von mir?“ Er habe nur mit meinen Bildern leben wollen. „Was ist das für ein Staat, der mein Privateigentum zeigt?“ Gurlitt kritisierte den ermittelnden Staatsanwalt in Augsburg: „Ich verstehe nicht, warum der sich noch nicht bei mir gemeldet hat.“

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Die Beschlagnahmung der Bilder kommentierte der 80-Jährige mit den Worten: „Die hätten doch warten können mit den Bildern, bis ich tot bin.“ Jetzt seien die Bilder in irgendeinem Keller aufbewahrt. „Warum haben sie die Bilder nicht dagelassen und nur immer die abgeholt, die sie prüfen wollen?“ Die Familiensammlung, die ihm per Erbe zugefallen war, sei sein Lebensinhalt gewesen: „Mehr als meine Bilder habe ich nichts geliebt“, sagte Gurlitt dem Nachrichtenmagazin. Er habe noch nie eine Straftat begangen, „und selbst wenn, wäre das verjährt“.

Laut einem „Focus“-Bericht wollen Mitarbeiter des Kanzleramts und der bayerischen Justiz Gurlitt dazu bewegen, die Bilder, von denen 590 als mögliche NS-Raubkunst gelten, freiwillig dem Staat zu überlassen. Im Gegenzug könne das Ermittlungsverfahren eingestellt werden. Eine „Vertrauensperson“ solle an Gurlitt herantreten und an seine Verantwortung appellieren.

Allerdings gestalten sich die Steuerermittlungen sehr schwierig und müssen möglicherweise ohnehin eingestellt werden. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ/Samstag) aus bayerischen Behörden erfuhr, soll Gurlitt in Österreich für „bescheidene Einkünfte“ Steuern gezahlt haben. Das österreichische Melderegister führe ihn mit Hauptwohnsitz in Salzburg.

Aus Sicht der Augsburger Staatsanwaltschaft könnte der deutsche Fiskus trotzdem für Gurlitt zuständig sein. „Steuerlich relevant ist nicht der Wohnsitz, sondern der Lebensmittelpunkt und für bestimmte Steuern nicht einmal der“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz am Samstag auf Anfrage. „Die deutsche Ermittlungszuständigkeit im konkreten Fall beruht auf dem (...) Verdacht, dass in Deutschland ein dem Steuergeheimnis unterliegender strafbarer Sachverhalt verwirklicht wurde.“

Die Behörden streiten sich über die Verantwortung dafür, dass die bei Gurlitt beschlagnahmten 1400 Werke 20 Monate unter Verschluss blieben. Bayerns Justizministerium schilderte auf SZ-Anfrage im Detail, wie das Berliner Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen von Anfang an unterrichtet worden sei. Diese Darstellung wies das Berliner Amt zurück und betonte dem Bericht zufolge, man habe erst Anfang November aus den Medien „von dem konkreten Ausmaß und den Hintergründen des Falles erfahren“.

Wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet, wollen sich deutsche Behörden bei der Aufklärung des Kunstfunds nicht von Londoner Experten helfen lassen. Das Londoner Art Loss Register (ALR) habe seine Unterstützung angeboten, um die Herkunft der Bilder zu ermitteln, die im Frühjahr 2012 in Gurlitts Wohnung sichergestellt wurden. Oberstaatsanwalt Nemetz habe nicht auf das Angebot reagiert. ARL ist nach Angaben der Betreiber mit 420 000 registrierten Objekten die weltweit größte privatwirtschaftliche Datenbank für verlorene oder gestohlene Kunstwerke.

dpa

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