Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Bernsteinzimmer beflügelt noch immer Fantasie
Mehr Welt Kultur Bernsteinzimmer beflügelt noch immer Fantasie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:35 29.05.2013
Das legendäre Bernsteinzimmer steht in St.Petersburg in originalgetreuer Nachbildung. Quelle: dpa
Anzeige
Moskau

Vergoldete Wände, prächtige Spiegel – und natürlich überall Bernstein: Das legendäre Bernsteinzimmer, ein Geschenk Preußens an Russland, gilt als Meisterwerk barocker Schnitzkunst. Seit seinem Verschwinden am Ende des Zweiten Weltkriegs ist das als „Achtes Weltwunder“ gerühmte Kunstwerk auch ein Objekt der Begierde für Abenteurer. Aber trotz vieler aufwendiger Suchaktionen ist die auf 100 Millionen Euro geschätzte Kostbarkeit bis heute verschollen.

Seit zehn Jahren steht im Katharinenpalast von Zarskoje Selo bei St. Petersburg eine originalgetreue Nachbildung. Feierlich eröffneten Kremlchef Wladimir Putin und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am 31. Mai 2003 eine Kopie des Zimmers, anlässlich des 300. Gründungsjubiläums von St. Petersburg. Ein Essener Unternehmen hatte die Restaurierung mit 3,5 Millionen US-Dollar mitfinanziert.

Anzeige

Preußens König Friedrich Wilhelm I. hatte 1716 das Bernsteinzimmer dem Zaren Peter dem Großen geschenkt. Rund 200 Jahre lang befand sich der prunkvolle Raum im Katharinenpalast. Die Wehrmacht schaffte die kostbare Verkleidung in Kisten verpackt 1941 nach Königsberg, dem heutigen Kaliningrad. Dort verliert sich um 1944 die Spur.

Für die Kopie schnitten Restauratoren rund eine halbe Million Bernsteinplättchen, und etwa sechs Tonnen des versteinerten Harzes wurden verarbeitet. Mit der Wiederherstellung sei 2003 zwar eine wichtige Lücke geschlossen worden, sagte die Konservatorin von Zarskoje Selo, Larissa Bardowskaja, einmal. Nicht nur Russland hoffe aber auf das Wiederauffinden des Kunstwerks. Es habe „emotionale und geistig-kulturelle Bedeutung“. Für Bardowskaja ist das Zimmer ein Symbol für den Verlust vieler Kulturgüter aus Russland im Weltkrieg.

Eine Hommage an das Kunstwerk befindet sich seit wenigen Wochen im neu eröffneten Opern- und Balletthaus in St. Petersburg. Im Mariinski II, eine halbe Milliarde Euro teuer, funkelt der Zuschauerraum aus gelbem Onyxmarmor von außen wie eine Wand aus kostbarem Bernstein.

dpa

Kultur Neuer Sprengel-Direktor im HAZ-Interview - Reinhard Spieler: „Sie werden sich noch wundern“
Ronald Meyer-Arlt 31.05.2013
28.05.2013