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Kultur Berliner Filmmuseum zeigt Scorsese-Schau
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12:09 15.01.2013
Von Stefan Stosch
Eine Frau blickt in der Ausstellung „Martin Scorsese" am 09.01.2013 im Museum für Film und Fernsehen in Berlin auf einen Feuerwehrhelm und einen Gürtel. Die Gegenstände waren in dem Film „Gangs of New York" zu sehen. Quelle: dpa
Berlin

Martin Scorsese war elf Jahre alt, als er sein erstes Storyboard zeichnete. Allerdings wusste er nicht, dass es sich bei den penibel mit Buntstift verfertigten Skizzen um ein solches handelte. Für ihn waren das ganz einfach Comicszenen über das von ihm bewunderte alte Rom. Klar war aber, dass er die Bildergeschichten um die helmbewehrten Gladiatoren eines Tages in Kino verwandeln wollte. „The Eternal City“ nannte er das geplante Werk und schrieb vorsorglich dazu: „Directed and produced by Martin Scorsese“. Marlon Brando konnte er sich damals gut in einer Hauptrolle vorstellen.

Ausstellung ist erste ihrer Art

Dieser frühe Beleg einer Berufung ist zurzeit im Berliner Filmmuseum am Potsdamer Platz zu sehen, das dem Regisseur eine detailreiche und liebevoll gestaltete Ausstellung widmet. Es ist die erste ihrer Art. Manche der rund 600 Exponate - Kostüme, Drehbuchauszüge, Szenenfotos, Filmausschnitte - stammen aus dem Privatbesitz Scorseses, was den Regisseur in einer Videobotschaft aus New York zu der Bemerkung verleitete: „Viele Ausstellungsstücke hingen bis eben noch in meiner Wohnung.“

Einige kennt der Kinogänger sehr genau: Beinahe wie Reliquien wirken etwa die dunkel schillernden Boxershorts und -handschuhe, die Robert De Niro alias Jake La Motta in „Wie ein wilder Stier“ (1980) trug, oder auch die schmale Axt, die Amsterdam Vallon alias Leonardo DiCaprio in „Gangs of New York“ (2002) schwang.

Kleiner Mann mit Hornbrille und Habichtnase

Eine ganze Kiste von durchnummerierten Schallplatten ist zu bewundern - Grundlage für manchen Soundtrack des vielseitigen und musikbegeisterten Scorsese, der auch eine Dokumentation über die Rolling Stones gedreht hat („Shine a Light“, 2008). Auf einem lebensgroßen Foto steht der kleine Mann mit der Hornbrille und der Habichtnase zwischen Mick Jagger, Keith Richards und Co. Es ist offensichtlich, wer hier die tonangebende Figur ist.

Die keinesfalls nur für Filmspezialisten lohnende Ausstellung orientiert sich zumindest in Teilen an der Biografie des Regisseurs. Das bietet sich an bei Scorsese, dem Familienmenschen. Aufgewachsen ist der Sohn italienischer Eltern in einer Großfamilie in Little Italy in New York. Immer wieder freitags kamen Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins zusammen und schauten auf einem winzigen Fernseher Filme aus der alten Heimat, wie beispielsweise Roberto Rossellinis „Rom - Offene Stadt“. Auch die Eltern Catherine und Charles sind auf einem Monitor in Berlin zu sehen. Sie sitzen beim Abendessen und erzählen vor der Kamera des Sohnes die Geschichte ihrer Einwanderung. Seiner Wurzeln ist sich Scorsese sehr bewusst.

Scorsese wollte eigentlich Priester werden

Als Junge wollte er Priester werden, flog aber bald aus der Jesuitenschule. Von Kindesbeinen an erlebte er das raue Leben auf New Yorks Straßen. Katholizismus, Gangs, Gewalt - all das spielt in seinen Filmen eine große Rolle. Immer wieder erzählt Scorsese von der Mafia, wie etwa in „Good Fellas“ (1990).

Nebenbei wurde er zum Chronisten der Geschichte New Yorks - so wie außer ihm vielleicht nur noch Woody Allen. In einem Modell Manhattans lassen sich Lieblingsdrehorte für Filme wie „Mean Streets - Hexenkessel“ (1973) oder „New York, New York“ (1977) lokalisieren.

Der 70-Jährige gehörte einst zu den Jungen Wilden

Nach dem Rundgang durch die drei Räume in zwei Etagen fragt man sich, wieso der 70-Jährige erst jetzt gewürdigt wird. Scorsese, der sich seinerseits wie kein anderer dem Erhalt der Kinovergangenheit verpflichtet fühlt (Korrespondenzen mit Akira Kurosawa oder Leni Riefenstahl zeugen davon), schreibt seit einem knappen halben Jahrhundert selber Filmgeschichte. Einst gehörte er zu den Jungen Wilden, zur Generation des „New Hollywood“. Inzwischen gilt er als Klassiker, der den Studiomächtigen bis heute persönliche Filme abtrotzt.

Zuletzt gelang ihm das mit dem in avanciertem 3-D gedrehten „Hugo Cabret“ (2011). Die Technikbegeisterung, die er in dieser Hommage an Filmpionier Georges Méliès an den Tag legte, kommt in der Ausstellung allerdings zu kurz.

Regisseur arbeitet an neuem Film

Momentan wird der Regisseur, der schon mehrfach Gast der Berlinale war, in New York festgehalten. Er arbeitet unter Hochdruck im Schneideraum an seinem neuen Film „The Wolf of Wall Street“. Das Werk mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle handelt von Korruption unter Bankern und spielt - natürlich - in New York

Bis zum 12. Mai im Museum für Film und Fernsehen am Potsdamer Platz, dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr.

www.deutsche-kinemathek.de
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