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Kultur Ben Affleck liefert in „Argo“ viel Nervenkitzel
Mehr Welt Kultur Ben Affleck liefert in „Argo“ viel Nervenkitzel
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10:32 09.11.2012
Der Politthriller „Argo“ ist Ben Afflecks dritte Regiearbeit. Quelle: Warner Bros.
Los Angeles

Das Geiseldrama von Teheran vor 33 Jahren, als Anhänger des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Khomeini die US-Botschaft stürmten, ist die Kulisse für den Politthriller „Argo“. Aber es geht nicht um die bekannte Terrorstory der 52 Amerikaner, die 444 Tage lang gefangen gehalten wurden. Regisseur Ben Affleck schildert die absurde, aber wahre Geschichte von sechs US-Bürgern, die nach drei Monaten Versteckspiel im Haus des kanadischen Botschafters durch einen Coup von CIA-Agenten und Hollywood-Produzenten aus dem Land geschmuggelt wurden.

So ein verrücktes „Mission: Impossible“-Skript über eine scheinbar unmögliche Befreiungsaktion hätte sich die Traumfabrik niemals ausdenken können: Der Geheimagent Tony Mendez unterbreitet seinen CIA-Bossen und dem Krisenstab im Weißen Haus unter Präsident Jimmy Carter „die beste blöde Idee“, um die Gruppe aus Teheran herauszuholen. Die politische Lage ist prekär, einen besseren Plan gibt es nicht.

Mendez, gespielt von Affleck, täuscht die Produktion eines Science-Fiction-Films namens „Argo“ vor, eine Art „Star Wars“, der an exotischen Schauplätzen im Iran gedreht werden soll. In Hollywood macht er den Make-up-Meister John Chambers (John Goodman) und den Trash-Film-Produzenten Lester Siegel (Alan Arkin) zu seinen Komplizen.

Gemeinsam täuschen sie Drehvorbereitungen vor, heuern Schauspieler an, lassen die Fachpresse wissen, dass „Argo“ im Iran gefilmt werden soll. Der schwergewichtige, joviale Goodman und der eitle Arkin ziehen die perfekte Hollywood-Show ab, mit bissigen Seitenhieben auf die Traumfabrik. Einige Szenen ließ Affleck in der Bel-Air-Villa von Frederic Prinz von Anhalt und Zsa Zsa Gabor drehen.

Das absurde Spiel wird aber nie zur Farce. Das Geiseldrama spitzt sich zu. Mendez muss so schnell wie möglich den Plot umsetzen. Mit sechs gefälschten kanadischen Pässen fliegt er nach Teheran, gibt sich als „Argo“-Produzent aus, der mit seiner sechsköpfigen Crew Drehorte erkunden will. Er muss die verängstigten Amerikaner von dem riskanten Fluchtplan überzeugen.

Es knistert vor Spannung, als sich die Gruppe als vermeintliches Filmteam mit vorgespielten Identitäten in den Basar begibt, begleitet von iranischen Beamten. Als US-Bürger erkannt zu werden, hätte den Tod bedeuten können.

„Argo“ ist 120 Minuten atemlose Spannung. Bei der Ausreise am Flughafen von Teheran mit den gefälschten Pässen ist das Nervenspiel fast unerträglich. Nicht nur für die Flüchtenden, auch für die Zuschauer. Die clevere Rettungsaktion wurde 2007 in dem Artikel „How the CIA used a fake sci-fi flick to rescue americans from Tehran“ in der Zeitschrift „Wired“ beschrieben.

George Clooney und Grant Heslov, die zusammen die Kriegsfarce „Männer die auf Ziegen starren“ auf die Leinwand brachten, kamen als Produzenten an Bord. Clooney zeigte Affleck das Skript. Die Geschichte habe ihn „umgehauen“, sagte der 40-jährige Regisseur und Schauspieler der „New York Times“. Mit seiner dritten Regiearbeit nach „Gone Baby Gone“ (2007) und „The Town“ (2010) hat sich Affleck endgültig als souveräner Filmemacher profiliert.

Der mexikanische Kameramann Rodrigo Prieto („Brokeback Mountain“, „Biutiful“) liefert die teils dokumentarisch wirkenden Bilder, der französische Komponist Alexandre Desplat („Die Queen“, „The King’s Speech“) die dramatische Untermalung. Schauplätze in Istanbul hielten für Teheran her.

Neben besten Kritikernoten heimste „Argo“ auch schon eine der ersten Trophäen der diesjährigen Preissaison ein. Bei der Vergabe der Hollywood Film Awards Ende Oktober erhielt die Besetzung um Affleck die Auszeichnung für das beste Ensemble. Es dürften zahlreiche Trophäen in den kommenden Monaten folgen. 

dpa

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