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Kultur Zwei Mark für Heintje
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21:15 05.06.2015
Schauspieler, Sänger, Gitarrist, Unterhalter: Axel Prahl im Theater am Aegi. Quelle: Sielski
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Hannover

Ganz allein sitzt Axel Prahl auf der Bühne im Theater am Aegi, seine Gitarre ist fast so groß wie er. Prahl sagt: Gitarre spielen gelernt habe er hauptsächlich, um Mädchen zu beeindrucken. Bei Frau Merz auf dem Schoß habe er die ersten Kontakte mit Musik gehabt, erzählt der Schauspieler, für jedes Lied gab’s eine Mark - und zwei, wenn er was von Heintje gesungen hat. Heute, sagt er stolz, zahlten die Damen, die er früher erfolglos angegraben hat, eine Menge Eintritt, um ihn zu sehen.

Er spielt „Summertime“ und entpuppt sich dabei als echter Shouter und lockerer Jazzgitarrist. „Hush, Little Baby, Don’t You Cry“, brüllt er - nicht die schlechteste Gershwin-Interpretation. Dann bittet er die neun Musiker des Inselorchesters auf die Bühne, Klassiker wie „With a Little Help From My Friends“ bekommen seinen Stempel aufgedrückt.

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Das Orchester wirkt eher im Hintergrund, es sorgt für sanfte Unterstützung. Hier geht es vor allem um Prahl, häufig macht er den Kasper, hier reißt er eine Anekdote, da liefert er eine Zote, und dann macht er wieder einen Wortwitz: „Der Danny singt jetzt ein Lied, das er einst für Annett Louisan schrob“. Prahl zupft die akustische Gitarre, der Danny spielt Keyboard. Zwei Bässe, ein weiteres Keyboard, Geige, Bratsche, Viola und ein Saxofonklarinettenflötist hüllen das Aegi in Wohlklang.

„Der Danny“ ist Danny Dziuk, der als „Tatort“-Komponist und und Solokünstler schon beachtliche Erfolge eingefahren hat, sein „Zu Alt“ ist ein geniales Stückchen Kleinkunst, Prahl singt zweite Stimme, er stellt die Band vor, fordert Jubel, bekommt Jubel. „Wenn zwei zueinander passen“, ebenfalls aus der Feder von Dziuk, ist eine tiefgründige Ballade, die der Komponist selbst singen darf. „Du bist nicht allein“ ist im Original von Roy Black. Prahl flüstert die Nummer, während eine Grunge-Gitarre im Hintergrund wabert - parodiert er den Song oder nimmt er sich selber zu ernst? Träume, Sehnsucht, Liebe, all das verbindet er mit launigen Blödelmoderationen. Er hat Ausstrahlung, kann Gitarre spielen und wirklich gut singen, keine Frage. Aber wenn er sich die Kapuze seiner Weste über den Kopf zieht und Bushido veräppelt, wirkt er doch wie einer der sieben Zwerge.

Richtig stark wird es nach der Pause: Axel Prahl singt die Lieder seines Albums aus dem Jahr 2011, er spart sich jetzt die Späßchen. Er wird von Lied zu Lied eindringlicher, besser, tiefsinniger. Er singt über die Liebe. „Wieso bist du immer noch da“ - das Orchester trägt ihn durch die melancholische Ballade mit französischen Chansonanklängen und macht sie zum schönsten Lied des Abends. Die Traurigkeit steht ihm weit besser als die Schenkelklopf-Selbstdarstellung im ersten Teil.

Am Ende geht man mit der Melodie von „Wie soll’s weitergehen“, der Prahlschen Antwort auf „Solsbury Hill“, beseelt nach Hause.

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