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Kultur Australian Pink Floyd Show in Hannover
Mehr Welt Kultur Australian Pink Floyd Show in Hannover
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18:59 23.04.2012
Von Uwe Janssen
Bunt: die Edelfälschung aus Australien. Heusel
Bunt: die Edelfälschung aus Australien. Quelle: Heusel
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Hannover

Ganz fokussiert sitzt das Publikum da und lauscht den sphärischen Songs von Pink Floyd. Und dann, in einem Moment, da die Musik von Bombastrock auf ein paar vereinzelte Töne und Geräusche herunterfährt und geradezu konzentrierte Stille im Saal herrscht, grölen hinten rechts auf der Tribüne ein paar Männer „Haaa-Es-Vahau!“. Gemeint ist der Hannoversche Sportverein von 1896, der kurz zuvor im Stadion nebenan eher lausig Fußball gespielt hat. Die Männer sind offensichtlich sternhagelvoll. Sie werden von Umsitzenden erst zurechtgewiesen, dann zusammengebrüllt, und bevor es zu Handgreiflichkeiten kommt, schmeißen Ordner drei von ihnen aus der Halle, zwei weitere bleiben unter Beobachtung auf ihren Plätzen.

Wäre es ein normales Rockkonzert gewesen, hätten die Herrschaften vermutlich gar keine Chance gehabt, sich so öffentlichkeitswirksam zu blamieren, sie wären vermutlich gar nicht aufgefallen. Doch die Show in der zum Bersten gefüllten AWD-Hall ist in mehrfacher Hinsicht kein normales Rockkonzert. Das liegt vor allem an den Artrock-Monumenten von Pink Floyd, denen der geneigte Hörer von jeher seine ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen lässt. Zum anderen liegt es daran, dass Pink Floyd hier nicht von Pink Floyd gespielt wird, sondern von einer Coverband. Wobei „The Australian Pink Floyd Show“ die anerkannt beste der vielen konkurrierenden Nachspielgruppen ist und immer mehr nostalgische Fans in immer größere Hallen lockt.

Man kann schon fast von Alleinerbe sprechen, denn eine immer wieder mal in der Gerüchteküche aufgewärmte Wiedervereinigung des Quartetts ist nach dem Tod von Floyd-Keyboarder Rick Wright vom Tisch. Zwar spielen Roger Waters und David Gilmour, nicht gerade Kumpels, auf ihren Shows immer noch ein Gutteil Floyd-Repertoire herunter. Doch wer noch mal ganz tief einsteigen will in das Nostalgie-Universum dieser Band, greift mittlerweile zur perfekten Fälschung. Schließlich geht es nicht um Köpfe, das ging es selbst bei den Originalen nicht, die meist wie Spielzeugfiguren unter ihren monströsen Bühneninszenierungen wirkten. Das machen sich die Australier zunutze. Sie lassen sich von ihrem eigenen Licht in den Schatten stellen, von Lasergittern, Videos auf einer umstrahlten runden Leinwand und Riesenpuppen.

Kann man sich angucken, aber man kann auch einfach die Augen schließen, und Songs wie „Wish you were here“, „Comfortably numb“ oder „Shine on you crazy Diamond“ (alle nach der Pause) mit eigenen Erinnerungen bebildern. Vor der Pause gab es in dieser Mixshow als Höhepunkt das versponnene „Set the Controls for the Heart of the Sun“, diesen musikalischen LSD-Trip von epischer Länge und Breite.

Wie alle Songs wird auch dieser vom Sound her der jeweiligen Entstehungszeit angepasst. Das macht die Illusion noch perfekter. So soll es sein. Nicht anders. Deshalb sollte man die Frage, warum die Australier nicht einfach eigene Songs im Geiste Pink Floyds schreiben, auch gar nicht erst stellen. Es ist das Schicksal aller Coverbands. Auch der guten. Die Fans feiern die Kopisten, so lange sie kopieren.

Wieder am 17. April 2013 in der AWD-Hall. Karten unter (0511) 444066 oder www.hannover-concerts.de.

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