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Kultur Ausstellung zeigt Modetrends der Römer
Mehr Welt Kultur Ausstellung zeigt Modetrends der Römer
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16:48 18.04.2013
Eine Toga wog etwa 12 Kilo, deswegen trugen die Römer zuhause meist eine Tunika zum Lümmeln, weiß Museumsdirektorin Schulz. Quelle: dpa
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Hildesheim

So bequem die weißen Gewänder wirken - sehr komfortabel waren Togas wohl nicht für die alten Römer. „Der Stoff war rund 12 Kilo schwer und machte es furchtbar schwierig, sich darin zu bewegen“, sagt Archäologe Michael Tellenbach. „Und man brauchte zwei Kleidersklaven, um sie anzuziehen.“

Mit Togas und Tunikas beschäftigt sich von diesem Samstag an (20. April) eine Sonderausstellung im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum in Niedersachsen. Mehr als fünf Jahre haben 35 europäische Forschungseinrichtungen antike Textilien untersucht. Die Ergebnisse des internationalen Projekts werden nun auf 600 Quadratmetern unter dem Titel „Die Macht der Toga – Mode im römischen Weltreich“ zur Schau gestellt. In einem interaktiven Teil mit Spiel-, Kostüm- und Wissensstationen können Besucher selbst in Togas schlüpfen oder Stoffe fühlen. Und über einen Bildschirm lässt sich virtuell betrachten, ob man in römischer Rüstung eine gute Figur macht.

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120 Natur- und Geisteswissenschaftler haben erforscht, wie sich die antiken Römer anzogen und welche gesellschaftliche Bedeutung die Mode damals hatte. Anhand winziger, brauner Stofffragmente haben Textilarchäologen ganze Gewänder rekonstruiert. Die Forscher fanden etwa heraus, wie die Stoffe gewebt und eingefärbt wurden. Zudem untersuchten sie Kleiderreste von Moorleichen und bestimmten die Herkunft der Wolle. „Anhand von Spurenelementen können wir sogar sagen, wo das Schaf zuletzt gefressen hat“, sagt Archäologe Tellenbach von den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen. Er hat das Forschungsprojekt koordiniert.

Die Hildesheimer Ausstellung stellt die Bedeutung der Mode in der römischen Gesellschaft heraus. Trotz des mangelnden Komforts war es damals sehr wichtig, bei offiziellen Anlässen in den rund sechs Meter langen Toga-Stoff zu schlüpfen. „Die Toga symbolisierte die Freiheit, römischer Bürger zu sein“, erklärt Tellenbach. Für die Spanier sei es zum Beispiel völlig normal gewesen, in römischen Togas herumzulaufen. In anderen Provinzen des Reichs trug man römische und einheimische Tracht nebeneinander. Kleidung war aber überall ein Teil der Identität. „Ein Römer ist der, der die Toga trägt, egal ob Spanier, Grieche oder Syrer“, betont Tellenbach.

Ihre Gewänder ließen sich die Römer deshalb auch etwas kosten. „Ein guter Stoff konnte ein Jahreseinkommen wert sein“, sagt Regine Schulz, Direktorin des Hildesheimer Museums. Dafür trug man die Toga auch nur zu besonderen Anlässen. „Zuhause hatten die Römer meist eine Tunika zum Lümmeln.“ Die Ausstellung läuft bis zum 8. September.

dpa