Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Ausstellung über Berlins Baumeister
Mehr Welt Kultur Ausstellung über Berlins Baumeister
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:06 05.09.2012
Foto: Stuhlsammlung von Karl Friedrich Schinkel.
Stuhlsammlung des preußischen Architekten, Stadtplaners und Malers Karl Friedrich Schinkel. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Er hat das Herz Berlins geprägt. Von dem preußischen Stararchitekten Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) stammen das Schauspielhaus am Gendarmenmarkt, die Neue Wache, das Alte Museum, die Bauakademie, die Friedrichswerdersche Kirche und die Schlossbrücke. Und doch war der "Geheime Rath" nicht nur königlicher Bauherr, Architekt und Begründer der "Schinkelschule", sondern auch Maler, Bühnenbildner, Grafiker und Designer.

Das Berliner Kupferstichkabinett widmet dem Multitalent jetzt die erste umfassende Ausstellung. Unter dem Titel "Schinkel. Geschichte und Poesie" sind im Kulturforum am Potsdamer Platz auf 1200 Quadratmetern mehr als 300 Werke zu sehen. Die Schirmherrschaft hat Bundespräsident Joachim Gauck übernommen.

"Diese Ausstellung ist der krönende Abschluss eines vierjährigen Forschungsprojekts, bei dem der gesamte Nachlass Schinkels erfasst wurde", sagte Berlins oberster Museumschef Michael Eissenhauer vor der für Donnerstag geplanten feierlichen Eröffnung. Zu den besonderen Highlights gehören die großen Domgemälde Schinkels sowie die leuchtend blaue "Sternenhalle der Königin der Nacht" (1815) – der Entwurf eines Bühnenbilds für die Zauberflöte. Premiere feiert die Rekonstruktion des berühmten Schaubildes "Brand von Moskau" mit beweglichen Kulissen und zahlreichen Licht- und Geräuscheffekten. Und auch das anschauliche Modell des Alten Museums im Maßstab 1:50 wurde eigens für die Schau gefertigt.

Zu verdanken sind die einmaligen Schätze dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV., der schon wenige Woche nach dem Tod des verehrten Baumeisters dessen gesamten künstlerischen Nachlass für den preußischen Staat ankaufen ließ. Die Berliner Museen sind deshalb heute im Besitz von mehr als 5500 Zeichnungen, Druckgrafiken und Bildern - mehr als 95 Prozent des gesamten Schinkel-Erbes. In einem Großprojekt hat das Kupferstichkabinett - mit 650.000 Euro vom Bundesforschungsministerium gefördert - diesen Schatz seit 2008 gesichtet, erschlossen und digitalisiert.
Voraussichtlich im November soll eine Online-Datenbank mit dem gesamten Material freigeschaltet werden. "Das wird zu einem neuen Schinkelbild führen, weil weltweit die ganze Breite seines Schaffens aufgerufen werden kann", sagt Projektleiter Rolf H. Johannsen stolz. Die wichtigsten Erkenntnisse wurden für die Ausstellung umgesetzt. "Museen haben einen großen Vorteil: Sie können Forschung zeigen", sagte Generaldirektor Eissenhauer.
Das Material ist vor intensivfarbigen Wänden in neun Themenblöcke ("Tableaus") gegliedert, für die Besucher gibt es je nach Interesse bestimmte Rundgänge: Der eine erzählt vom Leben des Baumeisters, ein anderer von seinen Meisterwerken in Berlin, seiner Liebe zum Design oder seiner Nähe zur Natur. "Keine Maskerade - das Nothwendige schön zu gestalten ... muss Grundsatz bleiben", sagte der königliche Baumeister einmal. "Bisher war Schinkel wie unter einer Glocke, nur wenigen Experten zugänglich", so der Direktor des Kupferstichkabinetts, Heinrich Schulze Altcappenberg. Eine große Präsentation seines Werks habe es nur vor mehr als 30 Jahren zu seinem 200. Geburtstag einmal gegeben, getrennt in West- und Ostberlin, Gemälde und Gebäude. "Insofern liefert unsere Ausstellung wirklich das erste gesamtdeutsche Schinkelbild."
Die feierliche Eröffnung am Donnerstag wurde eigens auf den 200. Jahrestag des legendären Brands von Moskau gelegt, den Schinkel später in seinem aufwendigen Schaubild darstellte. Bis zum 6. Januar wird die Ausstellung in Berlin zu sehen sein, dann wandert sie nach München in die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, die Partner des Projekts ist. Im Klenze-Land Bayern werde Schinkel einen schwereren Stand haben als in der Bundeshauptstadt, prophezeite Kunsthallen-Direktorin Christiane Lange. "Aber ich habe ja in Berlin gehört: Der Unterschied zwischen Klenze und Schinkel ist der zwischen Talent und Genie."
dpa

04.09.2012
Kultur Aus für Berliner Szenesymbol - Kunsthaus Tacheles geräumt
04.09.2012