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Kultur Anna Depenbusch überzeugt mit neuem Album
Mehr Welt Kultur Anna Depenbusch überzeugt mit neuem Album
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10:01 10.10.2012
Von Uwe Janssen
Das neue Album der Hamburger Sängerin Anna Depenbusch heißt "Sommer aus Papier". Quelle: dpa
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Hannover

Die Ukulele ist ein putziges Instrument. Es pflanzt einem mit seinem Sound Bilder in den Kopf. Bilder von Strand und weißem Sand, von Unbeschwertheit und Leichtigkeit. Man verbindet mit der Ukulele sonnige Orte, allen voran natürlich Hawaii. Und seit der hawaiianische Volksheld Israel Kamakawiwo’ole mit seinen gut 300 Kilo und der winzigen Ukulele vor dem Bauch „Somewhere Over the Rainbow“ sang, ist die Ukulele noch putziger geworden.

Hamburg verbindet man eher weniger mit dem kleinen Viersaiter. Anna Depenbusch macht das aber nichts aus. Die Hamburgerin hat die Ukulele zu ihrem neuen Lieblingsinstrument erkoren. Sie plädiert damit auch im norddeutschen Schmuddelwetter für Sonnenschein. Motto: Sommer fängt im Kopf an.

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Dabei geht es nicht nur um eine warme Jahreszeit. Depenbuschs neues, drittes Album „Sommer aus Papier“ ist ein Plädoyer dafür, das Leben zu genießen, so gut es geht. Bunt ist das Cover, Blau, Weiß, Gelb und Rot sind ihre Farben. Etwa so bunt ist auch die musikalische Mixtur. Oder vor allem das, was im Kopf daraus entsteht.

Musikalisch kann man Anna Depenbusch ziemlich eindeutig dem Chanson zuordnen. Annett Louisan hat vorgelegt. Nun schließt Depenbusch auf. Beide Damen veröffentlichen beim Hamburger Label 105music, wo man ein Händchen für das Leichte hat. Doch im Gegensatz zu Louisan („Das Spiel“) ist Depenbusch nicht nur Interpretin, sie schreibt ihre Songs selbst - und spielt viele Instrumente. Für das Vorgängeralbum „Die Mathematik der Anna Depenbusch“ schloss sie sich zwei Monate lang weg, um Klavier zu lernen. Anschließend testete sie Produzenten - und machte es am Ende selbst, weil, wie sie sagt, niemand ihre Songs nach ihren Vorstellungen arrangiert hatte.

Klar sind sie, diese Vorstellungen: „Ich sehe bereits früh ein fertiges Album. Die Lieder müssen dabei noch gar nicht komplett sein. Doch ich weiß, wie sie klingen sollen, wie das Album aussehen soll und wovon es handelt.“ Diesmal eben der Sommer. Obwohl sie nach eigenem Bekunden eher ein Wintermensch ist.

Bei der 34-Jährigen sind Text und Musik eins, manchmal vertauschen sie sogar die Rollen. Dann übernimmt die Musik einen Teil der Erzählung, und der Text wirkt wie ein zusätzliches Instrument. Wie beim Song „Fräulein Ukulele“. Es geht um eine junge Frau, die, umschmeichelt von zirpenden Gitarren und Depenbuschs Glöckchenstimme, Fernweh und Südsee besingt - allerdings nicht unter der warmen Sonne, sondern in einer Bar auf St. Pauli. Das ist bittersüß, aber auch hier geht es um das Gefühl, die Vorstellung von Sommer. Wie in Depenbuschs Songs.

Geheimnisvolle Diskretion ist dagegen in „Zimmer 439“ geboten, wo eine Geschichte in fünf Akten und vielen Andeutungen über Männer ohne Namen und ihre bezahlten weiblichen Trophäen spielt. Fast flüsternd dagegen singt sie die Geschichte von dem Mann, der sich im Bad noch einmal rasiert, bevor er zum Gespenst wird: „Nie wird er gefunden hier am Strand Santa Maria, denn er bleibt ganz verschwunden, in einer Nacht hat er sich mit dem Licht verbunden.“

Sommer aus Papier. Sommer auf CD. Es wird Winter. Diese musikalische Wärmflasche kommt genau richtig.

Anna Depenbusch: „Sommer aus Papier“ (105 music).

Am 6. März 2013 spielt sie mit Band im Capitol Hannover. Karten und Infos: 0511-444066.

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