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Kultur „Alles außer gewöhnlich“: Ziemlich beste Betreuer
Mehr Welt Kultur „Alles außer gewöhnlich“: Ziemlich beste Betreuer
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15:48 02.12.2019
Helden des Alltags: Bruno (Vincent Cassel, links) und Malik (Reda Kateb) helfen autistischen Jugendlichen. Quelle: Carole Bethuel/PROKINO Filmverle

Täglich sagt Bruno (Vincent Cassel) diesen Satz: „Ich finde eine Lösung.“ Die Menschen, die ihm gegenüberstehen, sind erschöpft, verzweifelt und am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt. Bruno hört ihnen zu, stellt Fragen und wenn er schließlich seinen Satz sagt, zeichnet sich in den müden Gesichtern der Ärztinnen, Eltern und Pfleger ein Moment der Erleichterung ab.

Mitten in Paris hat Bruno auf eigene Faust „La Silence des Justes“ (Das Schweigen der Gerechten) gegründet – eine Einrichtung, die sich um autistische Jugendliche kümmert. An den Verein werden die besonders schweren Fälle verwiesen, die durch das Raster der staatlichen Institutionen fallen, weil deren Betreuungsbedarf zu groß ist.

Betreuer Bruno findet ganz eigene Lösungen

Da ist etwa Joseph (Benjamin Lesieur), der in der Metro immer wieder die Notbremse zieht und sich bei der Festnahme durch den Sicherheitsdienst gewaltsam zur Wehr setzt. Oder Valentin (Marci Locatelli), der kein Wort redet und vor Wut seinen Kopf gegen die Wand hämmert. Zahlreiche Pflegefamilien und Wohngruppen sind an ihm verzweifelt. Die geschlossene Psychiatrie kann ihn nur temporär aufnehmen.

Brunos Lösungen entsprechen nicht immer den gesetzlichen Vorschriften. Die Wohnung, in der er die Jugendlichen unterbringt, ist beengt, und die Nachbarn beschweren sich jeden Tag.

Bruno arbeitet mit Malik (Reda Kateb) zusammen, dessen Organisation junge Menschen aus den sozialen Brennpunkten zu diplomierten Betreuern ausbildet und ihnen damit eine berufliche Perspektive bietet. Das ist nicht einfach, denn Verantwortungsgefühl, Pünktlichkeit und sensibles Sprachvermögen sind Tugenden, mit denen sie nicht allzu vertraut sind.

Mit „Ziemlich beste Freunde“ erschufen Éric Toledano und Olivier Nakache 2011 einen der erfolgreichsten Filme des französischen Kinos. In „Alles außer gewöhnlich“ zeigen sie nun, dass sie sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Ihr neuer Film ist eine ganz und gar ungefällige Komödie, die sich dem stressigen Alltag seiner Protagonisten stellt.

Sensibles Reagieren auf Krisen

Immer in Bewegung ist die Kamera – so wie auch Bruno, der in Dauerbereitschaft eine Krisensituation nach der anderen lösen muss. Aber der Film zeigt auch, welch tiefe Befriedigung im sozialen Engagement liegt, das mit Elan, Humor und Herz betrieben wird und in Guerillamanier nach unkonventionellen Lösungen für die Betroffenen sucht.

Der Stress, aber auch das Abenteuer dieses Betreuungskonzepts liegt im schnellen und sensiblen Reagieren auf die individuellen Verhaltensweisen der Jugendlichen, die nicht ins soziale Normgefüge hineinpassen. Als Vorlage diente den Regisseuren ein Projekt, mit dem sie schon über Jahre hinweg eng verbunden sind. Den Willen zum empathischen Realismus spürt man in jeder Szene, ohne dass der Humor, die dynamische Erzählweise und der beherzte Humanismus, die Toledanos und Nakaches Werke stets ausgezeichnet haben, zu kurz kommen.

„Alles außer gewöhnlich“, Regie: Éric Toledano, Olivier Nakache, mit Vincent Cassel, Reda Kateb, 113 Minuten, FSK 6

Von Martin Schwickert/RND

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