Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Alles Lego in Celle
Mehr Welt Kultur Alles Lego in Celle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:48 29.05.2012
Von Uwe Janssen
Foto: Das Bunt im Manne: Das Bomann Museum in Celle zeigt 1111 Lego-Modelle – nicht nur für Kinder.
Das Bunt im Manne: Das Bomann Museum in Celle zeigt 1111 Lego-Modelle – nicht nur für Kinder. Quelle: Janssen
Anzeige
Celle

Stellen Sie sich mal Folgendes vor: Es ist Weihnachten, und Ihr Schatz schenkt Ihnen als teures Hauptgeschenk eine schöne Tower Bridge von Lego. Zum Selberbauen und Ins-Regal-Stellen. Da werden Sie Augen machen! So war es auch bei den Langes aus Celle. Doch bei Christian und Andrea Lange waren es Heiligabend 2011 strahlende Augen. Denn die Lego-Welt ist ihre Welt, und wenn es einen deckenhohen Weihnachtsbaum aus Lego gäbe, hätte er bei diesem Glücksmoment danebengestanden. So haben sie sich gemütlich hingesetzt und „jeder eine Hälfte“ der Londoner Vorzeigebrücke zusammengebaut.

Das fertige Bauwerk ist nun imBomann Museum in Celle zu sehen, und es steht dort wahrlich nicht alleine, sondern ist in Gesellschaft von 1110 weiteren Lego-Modellen, die Sammler Lange in den Räumen des Museums aufgebaut hat. 143 Stunden hat das gedauert, zwölf Helfer haben mit angepackt und quietschbunte Szenerien geschaffen, alle hinter Glasscheiben, die längste Szene ist elf Meter lang. Bis zum August 2013 hat Lange nun nur etwa 200 Modelle zu Hause. Und viel Platz.

Im Celler Legoland gibt es Dörfer, Städte, Industriegebiete, einen eigenen Ferrari-Park in Glutrot - und die Welt der Sternenkrieger, für „Star Wars“-Fan Lange ein besonderes Anliegen. Umso schlimmer, dass der rot-schwarze Feuerschädel von Sith-Bösewicht Darth Maul beim Transport kaputtgegangen ist und er den Kopf (in Originalgröße) noch einmal neu aufbauen musste.

Ein Gang durch die Ausstellung aktiviert augenblicklich das Kopfkino. Wer nicht mit Lego gespielt hat, kannte wenigstens einen, der Lego hatte oder einen kannte, der Lego hatte. Da Sammel-Nerd Lange - Jahrgang 1963, erster Stein mit sieben Jahren („er war gelb und ist hier irgendwo verbaut“) - Modelle aus allen Lego-Epochen hat, findet jeder die Lego-Welt seiner Zeit wieder. Ob es nun vor den Lego-Männchen war, die 1974 ins Sortiment kamen, oder danach, als es immer technischer wurde und Lego sich auch immer weiter von dem Noppenstein-System entfernte wie bei der - allerdings sehr absatzstarken - Bionicle-Serie, die im „Transformers“-Zeitalter etwas kinderkompatibler ist als eine Tankstelle mit Waschanlage. Erstaunlich noppenlos sind die ersten Modelle der 1932 gegründeten dänischen Firma - sie sind aus Holz. Aber auch damals galt schon das Motto „Spiel gut!“. Leg godt. Lego.

Als dann das Lego-System kam, der „Achter“, wie Legoisten das backsteinartige Grundklötzchen nennen, und seine vielen genoppten Kollegen, entstanden viele Baupläne zunächst in der eigenen kindlichen Phantasie und wurden mit dem bunten, gern eimerweise angesammelten Plastiksteinfundus umgesetzt. Die selbst entworfenen Kreationen sahen ein wenig seltsam aus, waren aber ganz individuelle Kindskopfgeburten.

Als die Modelle komplexer wurden, war der Bauplan immer exakter und unausweichlicher vorgegeben. Schließlich fiel in die bis dahin autarke Lego-Welt das reale Leben ein - mit Spaceshuttles, Schumi-Flitzern und Kinohelden, die im Sinne der Detailtreue wenig Spielraum ließen. Immerhin wurden die Wege kürzer: Den Eiffelturm trennt in Christian Langes Lego-Universum nur ein Fußballstadion von der Tower Bridge. So gestaltet Lego auch die reale Welt neu.

Lange ist übrigens Architekt in der kleinen hübschen Stadt Celle. Ein Schelm, der Buntes dabei denkt.

Imre Grimm 29.05.2012
Simon Benne 28.05.2012
Kultur Regina Spektor - Matrjoschka am Klavier
Hannah Suppa 28.05.2012