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Kultur Aladdin und Arielle – Therapie mit Trickfiguren
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00:00 22.06.2017
Ventil Disney: Über filmische Situationen fand der Autist Owen Suskind Zugang zur Wirklichkeit. Quelle: Foto: NFP
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Hannover

Wer an die Macht der Bilder glaubt, wird durch diesen Film bestätigt – und zwar auf überraschende Weise. Im Mittelpunkt der Dokumentation „Life, Animated“, der für den diesjährigen Oscar nominiert war, steht ein junger Mann: Owen Suskind, zur Zeit der Dreharbeiten 23 Jahre alt. Roger Ross Williams’ Doku basiert auf einem Buch, das Owens Vater, ein amerikanischer Journalist, verfasst hat.

Die Eltern kämpfen immer noch mit den Tränen

Bis zu seinem dritten Lebensjahr war Owen ein ganz normaler Junge, wie auch Super-8-Aufnahmen zeigen, in denen man den Kleinen beim Spiel mit seinem Vater sieht. Dann traten bei Owen Veränderungen auf. Er hatte plötzlich motorische Probleme, hörte auf zu sprechen, selbst „Mama“ konnte er nicht mehr sagen. Nach einer Odyssee von Arzt zu Arzt wurde bei ihm Autismus diagnostiziert. Was das genau bei einem Kind bedeutet, wird von Ärzten und Therapeuten erklärt. Aber auch Owens Eltern kommen zu Wort, die heute noch mit den Tränen kämpfen, wenn sie sich an den Ausbruch der Krankheit bei ihrem Sohn erinnern.

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Die unglaubliche Macht der Geschichten

Eines jedoch konnte der Autismus Owen nicht nehmen: seine Liebe zu Disney-Filmen, die er ständig allein oder mit seinem älteren Bruder auf Video schaute und immer noch schaut. Wie sehr er dabei in die Welt von Aladdin, Arielle und Co. versank, welche unglaubliche Macht diese Geschichten auf ihn ausübten und vor allem, welche Möglichkeiten sich darin verbargen, wurde deutlich, als der scheinbar sprachlose Kleine begann, Sätze aus den Filmen nachzusprechen. Ja, er entwickelte tatsächlich die Fähigkeit, sich über filmische Situationen die reale Welt ein Stück weit anzueignen und schließlich über das Ventil Disney mit anderen Menschen, wenn auch anfangs sehr eingeschränkt, zu kommunizieren.

Diese unglaublicher Entwicklung beschreibt dieser Film anschaulich. Der Zuschauer kommt aus dem Staunen angesichts dieser zufällig entdeckten Therapie gar nicht mehr heraus. Verdeutlicht werden Owens Fortschritte durch Animationsszenen, die fantasievoll Ereignisse im Leben Owens visualisieren. Aber natürlich gibt es bei alldem auch Probleme, weil das wahre Leben nicht so harmonisch sauber verläuft wie ein Disney-Film - Sex beispielsweise bleibt außen vor. Diese Dinge muss der heute recht selbstständig lebende Owen auf anderen Wegen vertraut machen. Er ist, wie der Schluss zeigt, auf dem besten Weg dazu.

Von Ernst Corinth / RND

Der Artikel "Aladdin und Arielle – Therapie mit Trickfiguren" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

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