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Kultur „Addams Family“: Lob des Andersseins
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16:24 23.10.2019
Seltsame Familie: Gomez Addams (v.l.), Wednesday Addams, Morticia Addams, Onkel Fester und Pugsley Addams. Quelle: -/Universal Pictures UPI/dpa

Die pinkfarbene Haarspange, die Teenagertochter Wednesday aus der Schule mit nach Hause bringt, ist eine regelrechte Provokation. Kommt das schmückende Utensil doch aus einer Welt, die dieser Familie fremd ist: die der Normalität.

Cartoonist Charles Addams stellte 1938 im Magazin „The New Yorker“ zum ersten Mal die exzentrische Großfamilie vor, in der das Sonderbare und Makabre zum verwandtschaftlichen Standard gehört. Über ein Dreivierteljahrhundert wurde die liebenswerte Andersartigkeit der Addams Family in TV-Serien, Zeichentrickfilmen, zwei abendfüllenden Spielfilmen und einem Musical immer wieder neu zum Leben erweckt.

Nun bringt das Regieduo Greg Tiernan und Conrad Vernon („Shrek 2“, „Sausage Party“) den traditionsreichen Stoff ins Format eines digitalen Animationsfilmes.

Hoch oben auf einem nebeligen Berg haben die Addams in einer ehemaligen Irrenanstalt Quartier bezogen. Hier können die Familienangehörigen ihren bizarren Vorlieben nachgehen: Mutter Morticia quetscht den Kopf des freudvoll jauchzenden Gatten mit der Schraubzwinge ein. Sohnemann Pugsley spielt mit seiner Sprengstoffsammlung. Tochter Wednesday denkt sich immer neue Tricks aus, um ihren Bruder lebendig zu begraben. Jeder hat halt seine Lieblingshobbys.

Das makabre Familienidyll wird in dem Moment empfindlich gestört, als unten im Tal eine blitzblanke Vorstadtsiedlung hochgezogen wird. Assimilation nennt sich das Vorzeigestädtchen, in dem die Kinder fröhlich seltsame Texte nach dem Motto singen: Wer braucht schon Persönlichkeit, seid einfach wie die Allgemeinheit.

Ganz nah an den Originalcartoons

Hier herrscht die Wohndesignerin Margaux Needler, die in einer TV-Show ihre pastellfarbenen Immobilien vertickt. Der heruntergekommene Altbau und die seltsamen Bewohner sind der Projektentwicklerin selbstredend ein Dorn im Auge. Aber eine Familie wie die Addams lässt sich nicht so einfach weggentrifizieren.

Mit dem Konflikt zwischen Mainstream und Individualismus nehmen die Regisseure Tiernan und Vernon das Grundmotiv der Comicvorlage auf, das bis heute sicherlich nichts an Aktualität eingebüßt hat. Auch in der optischen Gestaltung der Figuren halten sich die Computerdesigner eng an die Originalcartoons, wobei die mit präzisem Strich gezeichneten Charaktere als plastische Pixelwesen deutlich an Charme verlieren.

Der eigentliche Star des Films ist Teenagertochter Wednesday, deren knochentrockener Humor die besten Pointen generiert. Der Plot hingegen stolpert etwas unkonzentriert vor sich hin und findet zwischen hektischen Actionszenen und netten Skurrilitäten keinen wirklich tragfähigen Erzählrhythmus.

„Addams Family“, Regie: Greg Tiernan und Conrad Vernon, 87 Minuten, FSK 6

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Von Martin Schwickert/RND

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