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Kultur A’ Mordsgaudi mit LaBrassBanda
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19:40 14.09.2011
Gut drauf: LaBrassBanda. Quelle: Daniel Reinhardt
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Hannover

Das Capitol tobt. Dabei ist noch kein einziger Ton gespielt. Doch weiß das quer durch alle Altersgruppen gemischte Publikum, was gleich kommt: Blechblasmusik der etwas anderen Art. Dann stiefeln die fünf von LaBrassBanda auf die Bühne: barfuß, in Lederhosen und T-Shirts. Ein lässig intoniertes Bläserintro von Posaune und Trompete folgt und wird immer intensiver – bis auch E-Bass, Schlagzeug und Tuba einsteigen und im richtigen Spannungsmoment in ein infernalisch schnelles Tempo aufbrechen. Jetzt tobt das Capitol richtig. Auch wenn die wenigsten erahnen können, wovon Sänger und Trompeter Stefan Dettl im tiefbayerischen Dialektgeknödel singt. Um die „Schickeria“ geht’s wohl. Ist aber auch egal.

LaBrassBanda (man bemerke die Multikultiausrichtung im Bandnamen) könnten auf Südhessisch oder Suaheli singen, sie würden nicht minder begeistert aufgenommen. LaBrassBanda haben dieses gewisse Etwas: Sie haben die Power einer Punkband, den musikalischen Feinschliff von studierten Jazzern und die Gabe, aus Gegensätzen ein harmonisches Ganzes zu schaffen. Und sie sind lustig. „Wir spul’n gern im Ausland“, feixt Dettl. Und meint Hannover. Nein, Hochdeutsch kann er gar nicht reden. Sagt er. Und wird dennoch verstanden. Offensichtlich.

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Dabei ist die Musik der Chiemgauer bewusst international ausgelegt. Dass Bayern nah am Balkan liegt, hört man den verschwurbelten Bläsersätzen gut an. Doch dann bringen sie den Balkan sogar nach Jamaika und spielen einen Reggae, der die Schwulenfeindlichkeit der Rastafariszene persifliert. Dann wieder animieren sie die begeisterten Blasmusikfans mit „bayerischem Techno“ zum Hüpfen. Für Funk mit verzwickter Rhythmik ist hier auch Platz. Und für jede Menge Klamauk wie einen musikalischen Flirt zwischen Trompete und Tuba. Die fünf schaffen es, als bayerische Blaskapelle anzutreten, aber überhaupt nicht als solche wahrgenommen zu werden.

Statt im Musikantenstadl spielen sie lieber auf Rockfestivals wie dem Hurricane. Und im Capitol. Wo die Rituale der Rockmusik von La Ola bis zur Mitsingani­mation bestens funktionieren. Oktoberfeststimmung im September. A’ Mordsgaudi. Und gute Musik.

Bernd Schwope