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Kultur „101 Dinge, die Sie sich sparen können“
Mehr Welt Kultur „101 Dinge, die Sie sich sparen können“
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18:44 06.01.2013
Von Ronald Meyer-Arlt
Hannover

Die Idee: Pantomime ist die Kunst der Stille. Ohne Worte ausdrücken zu können, wofür andere ganze Bücher schreiben müssen, ist sowohl sehr schwierig zu erlernen als auch wunderschön anzuschauen. Das einzige Problem: Man darf nicht zu gut werden, sonst hilft einem keiner, wenn man auf offener Straße einen Herzinfarkt erleidet. Aber das ist Nebensache. Was wirklich zählt, ist: Ein Pantomime begeistert Groß und Klein. Ich möchte das auch können.

Staunen Sie! Wie er mit seinen bloßen Händen einen imaginären Glaskasten abtastet, um eine Möglichkeit zu finden, daraus zu entfliehen! Damit hält er unserer Gesellschaft einen poetischen Spiegel vor.

Klatschen Sie! Er gießt unsichtbares Wasser aus einer nicht vorhandenen Flasche in ein Glas, das gar nicht da ist. Das alles wirkt so echt, als könnte man jetzt sofort daraus trinken.

Jubeln Sie! Er läuft gegen den Wind. Man hält sich unwillkürlich selbst am Stuhl fest, damit man nicht weggeweht wird.

Rasten Sie völlig aus! Er hat sich einen Zuschauer auf die Bühne geholt und imitiert jede seiner Bewegungen. Eine verrückte Illusion. Als wäre da irgendwo ein Spiegel.

Die Wirklichkeit: Machen wir uns nichts vor. Von jemandem gefragt zu werden, was man denn so mache, und darauf antworten müssen „ich besuche eine Pantomimen-Schule“ rangiert auf einer Coolness-Skala von eins bis zehn ungefähr bei minus unendlich. Weitaus schlimmer als Pantomime zu lernen ist es aber, ein Pantomime zu sein. Bis in die achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts konnte man Künstler wie Marcel Marceau oder Samy Molcho tatsächlich ab und zu im Fernsehen oder bei Auftritten in größeren Hallen bewundern. Seit knappen 30 Jahren ist das TV pantominenfreie Zone. Können Sie sich vorstellen, warum das so ist? Sollen wir es Ihnen gestisch vermitteln? Wie geht noch mal die Handbewegung für „weil es wirklich niemanden interessiert“?

Heutzutage ist die einzige Möglichkeit, als Pantomime vor Publikum aufzutreten, sich als lebende Statue in der Innenstadt anzubiedern und darauf zu hoffen, dass man Geld fürs Herumstehen bekommt, ohne vors Schienbein getreten zu werden. Dagegen wirkt die Entscheidung ein jonglierender Clown zu werden, direkt wohlüberlegt.

Hermann Bräuer, Oliver Nagel, „101 Dinge, die Sie sich sparen können“. DTV. 302 Seiten, 9,90 Euro.

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