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Welt Boris Becker will diplomatische Immunität
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14:29 15.06.2018
Tennislegende und Diplomat: Boris Becker (50). Quelle: dpa
London

Insolvenzverfahren, Trennung, Streit mit Oliver Pocher: Für den Ex-Tennisstar Boris Becker läuft es derzeit nicht gerade rund. Zumindest den finanziellen Problemen hat die Tennislegende nun den Kampf angesagt: Er beruft sich dabei auf diplomatische Immunität. Das bestätigte sein Anwalt am Freitag.

Becker war im April von der Zentralafrikanischen Republik zum Sonderattaché für Sport und kulturelle Angelegenheiten in der Europäischen Union ernannt worden. Diesen Posten will der 50-Jährige nun offenbar nutzen, um dem in Großbritannien andauernden Insolvenzverfahren entgegenzuwirken.

Insolvenzverfahren gegen sei „ungerechtfertigt und unrechtmäßig“

„Ich habe diplomatische Immunität geltend gemacht, um diese Farce zu einem Ende zu bringen, damit ich endlich anfangen kann, mein Leben wieder aufzubauen“, rechtfertigt Becker den Schritt in einer Stellungnahme. Das gegen ihn eröffnete Insolvenzverfahren gegen sei „ungerechtfertigt und unrechtmäßig“.

Deshalb haben Beckers Anwälte in London einen Antrag beim High Court in London gestellt, das Insolvenzverfahren gegen ihn wegen der diplomatischen Immunität ihres Mandaten bis auf Weiteres zu stoppen. Das geht aus einer Pressemitteilung der Londoner Kanzlei Sal & H hervor.

Becker bestreitet Pleite

Becker könne ohne die Zustimmung der Zentralafrikanischen Republik keinem rechtlichen Verfahren unterworfen werden, so die Anwälte. Außerdem bedürfe es dafür der Zustimmung des britischen Außenministers Boris Johnson und seines zentralafrikanischen Amtskollegen. Ob die Argumentation der Becker-Anwälte vor dem Gericht in London verfängt, ist unklar.

Im Juni vergangenen Jahres war Becker von einem Londoner Gericht für zahlungsunfähig erklärt worden – er hatte angeblich Schulden nicht bezahlt. Der 50-Jährige hat dies stets bestritten.

„Zugegebenermaßen ungewöhnlich“

Beckers deutscher Anwalt Christian-Oliver Moser teilte mit, der Schritt sei „zugegebenermaßen ungewöhnlich“. „Es ist aber nicht so, dass Herr Becker das diplomatische Amt übernommen hat, um auf diese Weise das Insolvenzthema zu lösen. Er ist nach wie vor inhaltlich davon überzeugt.“

Ein „Haufen anonymer und unverantwortlicher Banker und Bürokraten“ habe ihm ein „vollkommen unnötiges“ Insolvenzverfahren aufgezwungen, teilt Becker in seiner Stellungnahme mit. Er habe dadurch „eine Menge Schaden“ erlitten, „sowohl finanziell als auch professionell“, schreibt die Tennislegende.

Becker will zum Gegenschlag ausholen

Und Becker will auch zum Gegenschlag ausholen: „Ich werde diejenigen verfolgen, die diesen Prozess erzwungen haben und sie öffentlich verantwortlich machen für ihre Taten.“ Auf seine Ernennung zum Sport- und Kulturattaché sei er „immens stolz“, so Becker.

Als Sportattaché soll der dreimalige Wimbledonsieger mit seinem Namen helfen, für die Zentralafrikanische Republik Investoren zu werben. „Ich werde in meiner neuen Funktion alles daran setzen, die Zentralafrikanische Republik, die noch eine Vielzahl von wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Problemen zu bewältigen hat, auf ihrem mit dem Präsidenten Touadéra begonnenen Weg zu unterstützen“, sagte Becker im April über seinen neuen Posten.

Zentralafrikanische Republik eines der ärmsten Länder der Welt

Der Krisenstaat Zentralafrikanische Republik gilt einem umfassenden UN-Index zufolge als das ärmste Land der Welt. In dem Land war 2013 ein Bürgerkrieg ausgebrochen, in dem sich Milizen der christlichen Mehrheit und der muslimischen Minderheit gegenüberstanden.

In Folge einer französischen Militärintervention und später einer UN-Friedensmission stabilisierte sich die Lage etwas. Trotz der Präsenz von mehr als 12 000 Blauhelmsoldaten kommt es jedoch immer wieder zu neuen Kämpfen. Nach UN-Angaben sind rund 1,1 Millionen Menschen auf der Flucht - fast ein Viertel der Bevölkerung. Jeder zweite Zentralafrikaner ist UN-Angaben zufolge auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Von RND/iro/dpa

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