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Welt Hunger und Dreck: Migranten leben in Marokko im Elend
Mehr Welt Hunger und Dreck: Migranten leben in Marokko im Elend
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14:51 10.12.2018
Ein Migrant aus der Sub-Sahara wäscht sich im Lager Ouled Ziane in Casablanca, Marokko. Hier leben Hunderte von Migranten in einem Lager, das von Hunger, Elend und unhygienischen Bedingungen geprägt ist, die meisten von ihnen wollen nach Europa. Quelle: dpa/AP/Mosa'ab Elshamy
Casablanca

Während in Marrakesch Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt über Maßnahmen zur Bewältigung von Migration diskutieren, kämpfen in einem Lager in Casablanca im Westen Marokkos Hunderte Migranten mit Hunger, Ungeziefer, Dreck und Kälte. Sie kommen aus Ländern südlich der Sahara und träumen von einem Leben in Europa – wie Hunderttausende andere, deren Schicksal die Konferenz in Marrakesch mit dem ersten Migrationspakt der Vereinten Nationen angehen will.

Marokko ist gleichzeitig Herkunfts-, Transit- und Aufnahmeland von Migranten, die vor Armut und Verfolgung fliehen. Damit verkörpert es das Dilemma der Konferenzteilnehmer von Marrakesch. Der 34-seitige „Globale Pakt für eine sichere, geordnete und reguläre Migration“ wurde am Montag offiziell angenommen - die USA und einige europäische Länder lehnen das Abkommen jedoch ab.

Im Lager breiten sich Krankheiten aus

Im Camp Oulad Ziane auf einem Fußballfeld nahe eines belebten Busbahnhofs in Casablanca sammeln sich gleichzeitig immer mehr Migranten in Zelten oder Unterständen aus Plastik und Holz. In dem provisorischen Lager breiten sich Läuse und Atemwegserkrankungen aus, es mangelt an Nahrung, Heizung und sanitären Anlagen.

Wegen des härteren Durchgreifens von Italien und Malta im östlichen Mittelmeer wollen die Migranten hier übers westliche Mittelmeer nach Spanien gelangen. Viele haben bereits gescheiterte Fluchtversuche hinter sich und suchen sich Arbeit in Casablanca in der Hoffnung, irgendwann noch einmal Schlepper bezahlen zu können.

Ein Migrant aus der Sub-Sahara zeigt seine Verletzungen, die er sich beim Versuch, den Zaun von Ceuta zu erklimmen, zugezogen hat, im Lager Ouled Ziane in Casablanca. Quelle: Mosa'ab Elshamy/AP/dpa

Von Polizisten geschlagen, bis die Knochen brechen

Manche kamen ins Camp, nachdem sie im Norden Marokkos vergeblich versucht hatten, über die Grenzzäune in die spanische Exklave Ceuta zu gelangen. „Ich bin nur hier, um mich zu erholen, ich komme und gehe“, sagt der 19-jährige Guineer Ibrahim Bah, der vor einigen Tagen mit offenen Wunden an Handgelenken, Armen und Rücken ankam. „Marokkanische Truppen haben uns erwischt und geschlagen. Sie brachen einem meiner Freunde die Arme, legten uns Handschellen an und pferchten uns in einen Bus. Dieses Mal setzten sie uns in Casablanca ab, aber normalerweise fahren sie uns weit in den Süden.“

Zur Behandlung von Migranten oder zum Lager in Casablanca wollte die marokkanische Regierung nicht Stellung nehmen. Sie beschreibt die Migrationspolitik des Landes jedoch als „beispielhaft“. Das bezieht sich vor allem auf 2014 begonnene Reformen, die größtenteils von der Europäischen Union finanziert werden und einen Verbleib der Migranten in Marokko zum Ziel haben.

In drei Monaten kamen mehr als 6500 Menschen

Fast 24.000 Migranten erhielten seit 2014 Aufenthaltsgenehmigungen in Marokko, weitere rund 25.000 Anträge sind in Bearbeitung. Dennoch wurden nach Angaben der Anti-Rassismus-Organisation Gadem zwischen Juli und September 2018 mehr als 6500 Migranten und Flüchtlinge aus Ländern südlich der Sahara festgenommen und in Bussen nach Südmarokko oder Richtung Algerien gebracht.

Andere Migranten im Oulad Ziane-Camp haben 100 Stunden Fußmarsch aus Tiznit hinter sich, einer Stadt ganz im Süden Marokkos. Dorthin hatten die Behörden sie deportiert. „Die gefährliche Reise ist nie vorbei“, sagt der 22-jährige Jiane Jbrahima aus dem Senegal. „Wir leben in ständiger Angst. Wenn du auf der Straße läufst, wirst du verhaftet. Wenn du in die Moschee gehst, wirst du verhaftet. Wir fühlen uns wie Kriminelle.“

Migranten aus der Sub-Sahara sitzen in einem Zelt, das sie im Ouled Ziane Camp teilen. Quelle: Mosa'ab Elshamy/AP/dpa

Verhaftete werden nie einem Richter vorgestellt

Jbrahima lebte fünf Jahre im nordmarokkanischen Tanger, bevor er das erlebte, was Amnesty International als „großangelegte Razzia“ der marokkanischen Behörden „gegen Tausende Migranten, Asylsuchende und Flüchtlinge aus Subsahara-Afrika“ beschreibt.

Migranten im Norden werden manchmal mehrere Tage in zwei Polizeistationen in Tanger festgehalten, bevor sie mit Bussen in den Süden zurückgebracht werden. Diese Festnahmen sind nach Einschätzung von Gadem „völlig willkürlich und rechtlich unbegründet“, da „niemand zu irgend einem Zeitpunkt einem Richter vorgestellt wurde“.

EU bezahlt Marokko, damit Migranten nicht nach Europa kommen

Nach Ansicht der in Marokko arbeitenden spanischen Aktivistin Helena Maleno würde die von der EU unterstützte marokkanische Regularisierungspolitik funktionieren, wenn sie echten Wandel brächte - wie etwa Arbeit und Gesundheitsversorgung für die Migranten: „Die Initiative ist an sich gut, doch sie ändert wenig an der harten Realität der Migranten, vor allem weil sie nicht darauf abzielt, ihnen zu helfen, sondern der EU zu gefallen und Migranten von Europa fernzuhalten.“

Die wachsende Flut von Migranten auf der Spanien-Route machte Marokko zum wichtigsten Anlaufpunkt für Subsahara-Migranten, was an der Grenze des nordafrikanischen Königreiches zunehmenden Druck aufbaut. In diesem Sommer einigte sich die EU darauf, Marokko 275 Millionen Dollar (241 Millionen Euro) zur Verfügung zu stellen. Damit sollten die Ströme illegaler Migranten gestoppt und das Land gedrängt werden, „Migranten gewaltsamer daran zu hindern, nach Europa zu gelangen“, betont Maleno. 2018 verhinderte Marokko nach Angaben von Regierungssprecher Mustapha El Khelfi 68 000 illegale Migrationsversuche.

Wazzizi, ein Migrant aus Guinea, vor dem Zelt, in dem er im Lager Ouled Ziane lebt. Quelle: Mosa'ab Elshamy/AP/dpa

„Sie denken, dass wir Idioten sind.“

Wegen Gerüchten über eine bevorstehende Abschiebungskampagne verbringen die Menschen in Casablanca den Großteil ihrer Zeit in ihren zerlumpten Zelten. Viele rauchen Cannabis, manche sprechen über die seelischen Narben jahrelanger Unsicherheit. „Ich höre Radio und in den Nachrichten sagen sie, dass wir es hier gut hätten. Ich frage mich, ob sie nicht wissen, was los ist, oder einfach denken, dass wir Idioten sind“, sagt der 22-jährige Mohamed Rafiou Barry aus Guinea.

„Auch in 40 Jahren werde ich nie vergessen, wie ich von einem Bus in den anderen gebracht, geschlagen wurde und aus dem Müll gegessen habe. Sowas vergisst man nicht.“

Von RND/AP

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