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Welt Jeden dritten Tag wird eine Frau vom Partner getötet
Mehr Welt Jeden dritten Tag wird eine Frau vom Partner getötet
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15:50 20.11.2018
Ein gestelltes Bild zum Thema häusliche Gewalt: Eine Frau versucht, sich vor den Schlägen eines Mannes zu schützen. Quelle: Maurizio Gambarini/dpa
Berlin

Am vergangenen Wochenende war es wieder geschehen. Diesmal in Jena. Ein 38-Jähriger tötete seine Ex-Partnerin und deren neuen Freund. Danach das gemeinsame Baby und sich selbst. Die Öffentlichkeit ist entsetzt. Vier Tote, ein dramatischer Fall. Doch Gewalt, auch extreme, ist inzwischen Alltag in Partnerschaften oder ehemaligen Beziehungen. Opfer sind zumeist Frauen.

Häufiger als jeden dritten Tag wird, statistisch betrachtet, in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder dem Ex getötet. 2017 starben so insgesamt 147 Frauen, ergab die Kriminalstatistische Auswertung von Partnerschaftsgewalt durch das Bundeskriminalamt. 138.893 Personen wurden Opfer versuchter oder vollendeter Gewalttaten wie Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung, Stalking und Nötigung, Zuhälterei und Zwangsprostitution.

Die Hälfte der Opfer leidet zu Hause

82 Prozent der Opfer sind Frauen und fast die Hälfte von ihnen – 49,1 Prozent – lebte in einem Haushalt mit ihrem Peiniger. Gewalttaten kommen mit 37,9 Prozent besonders häufig in ehemaligen Partnerschaften vor, gefolgt vom „Ehepartner“ (33,2) und „Partner nichtehelicher Lebensgemeinschaften“ (28,6). Mord und Totschlag fielen insbesondere „Ehepartner“ (53 Prozent) zum Opfer, ehemalige Partner waren mehrheitlich von Bedrohung, Stalking, Nötigung (64,8) oder Freiheitsberaubung (39,1) betroffen.

Opfer überwiegend Deutsche

Opfer von Gewalttaten sind mit 71,6 Prozent überwiegend Deutsche, gefolgt von türkischen Staatsangehörigen (4 Prozent) und Polen (3,2). Deutsche Opfer waren vor allem ehemalige Partner der Täter (79,3 Prozent), bei Türken Ehepartner (6,6) und bei polnischen Opfern Partner in nichtehelichen Lebensgemeinschaften. Am häufigsten waren 30- bis 39-Jährige von Gewalt betroffen (31,9 Prozent). Die 40- bis 49-Jährigen stellen fast ein Fünftel (18,5 ) der Opfer.

Auch interessant: Die Kriminalisten halten Partnerschaftsgewalt zum Nachteil von Männern für zunehmend relevant. Als Beleg verweisen sie auf die kontinuierliche Steigerung der Zahl männlicher Opfer von 21.012 im Jahr 2013 auf fast 25.000 im vergangenen Jahr.

Tatverdächtig sind zumeist Männer

Der Blick auf die Täter: 80,6 Prozent der insgesamt 116.043 Tätverdächtigen sind Männer. Die meisten Täter (94,3 Prozent) sind erwachsen und tauchen in der Altersgruppe 30 bis 39 auf (32,1), gefolgt von den 40- bis 49-Jährigen (21,3) – eine Parallele zu den Opfern.

Die meisten männlichen Täter sind –wie die meisten Opfer –deutsche Staatsangehörige (78,7 Prozent). Nach Deutschen wurden als Tatverdächtige am häufigsten türkische Staatsangehörige (5,9) erfasst, gefolgt von polnischen (2,5), syrischen ( 2,0) und italienischen (1,4). Bei den syrischen Tatverdächtigen war der Anteil männlicher Personen (93,5) besonders deutlich ausgeprägt, auch bei den türkischen Tatverdächtigen war er sehr hoch (89,9). Bei den Italienern war er etwas niedriger (85,1), bei Polen (75,4) noch geringer.

Hilfe und Unterstützung

Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) zeigt sich schockiert von diesen Zahlen. „Das ist für ein modernes Land wie Deutschland eine unvorstellbare Größenordnung. Für viele Frauen ist das eigene Zuhause ein gefährlicher Ort – ein Ort, an dem Angst herrscht.“ Darum sei es wichtig, dass betroffene Frauen Hilfe und Unterstützung erhalten.

Letzten Studien zufolge sind die Zahlen der Statistiker nur die Spitze des Eisbergs. Höchstens 20 Prozent der Opfer bringen erlittene Gewalt zur Anzeige und Ermittlungen ins Rollen. Petra Söchting, Leiterin des bundesweiten Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ ( 08000 116 016), sagt, viele Frauen, die sich melden, wollen zunächst nur reden und hoffen, dass es irgendwie aufhört. Sie erhalten von den 80 Beraterinnen Hinweise zur anonymen Spurensicherung und Dokumentation.

Immer mehr melden sich bei Hilfetelefon

Die Kontaktzahlen des Hilfetelefons steigen kontinuierlich, so Söchting. Allein letztes Jahr waren es 38.000, in 60 Prozent der Fälle ging es um häusliche Gewalt, 40 Prozent der Anrufe kamen in der zeit von 18 Uhr bis 8 Uhr. Darum sei das Telefon rund um die Uhr besetzt, in 17 Sprachen. Sogar Gebärdendolmetscher sind an Bord. Wichtig für betroffene Frauen: Ein Anruf beim Hilfetelefon taucht in Verbindungsnachweisen nicht auf.

Giffey verspricht Druck beim Thema Frauenschutz. 6000 Plätze in Frauenhäusern sind bei einem jährlichen Durchlauf von 30.000 Frauen und Kindern nicht genug. „Über den Rechtsanspruch auf Gewaltschutz für Frauen muss geredet werden“, sagt sie. „Dafür brauchen wir einen gesellschaftlichen Konsens. Das wird kein leichter Weg, wir lassen uns aber nicht beirren.“ Zunächst einmal soll ein Runder Tisch von Bund, Ländern und Kommunen abgestimmte Gegenmaßnahmen erarbeiten.

Von Thoralf Cleven / RND

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