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Welt Ein spanischer Exportschlager wird deutsch
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16:50 16.03.2018
„Eine Goldmine“: Der katalanische Sekt Freixenet in den typischen beschlagenen Flaschen. Quelle: privat
Madrid

Es ist eine kleine Revolution: Freixenet, der berühmte Sekt aus Spanien, wird deutsch. Das katalanische Unternehmen bestätigte am Freitag den Verkauf von gut der Hälfte seiner Anteile an die Wiesbadener Henkell-Gruppe, die dafür nach einem Bericht der katalanischen Zeitung „La Vanguardia“ rund 220 Millionen Euro bezahlt.

Wer einen Spanier nach einem typisch katalanischen Produkt fragt, wird als erstes „Cava“ zu hören bekommen: Das ist der Sekt aus dem Anbaugebiet Penedès westlich von Barcelona. Und der berühmteste und mit Abstand meistverkaufte Cava ist der von Freixenet aus dem Städtchen Sant Sadurní d’Anoia. Ihren Erfolg verdankt die Marke guter Werbung, vor allem ihrer Idee, den Sekt in Flaschen aus rauchig beschlagenem Glas zu verkaufen. So ist Freixenet im Supermarktregal schon aus der Ferne zu erkennen. Das hat den Cava zu einem der erfolgreichsten Schaumweine der Welt gemacht. In Deutschland ist er die Nummer 2, nach Rotkäppchen.

Freixenet wurde bestraft für die katalanische Herkunft

Aus ausländischer Sicht ist Freixenet ein spanischer Sekt, der auch schon mal mit (andalusischer) Flamenco-Musik beworben wird, aber für die Spanier ist er eben ein katalanisches Produkt, und das ist für die Marke in den vergangenen Jahren zum Problem geworden. Mitte der Nullerjahre fiel es spanischen Nationalisten im Rest des Landes ein, Freixenet dafür zu bestrafen, in Katalonien hergestellt zu werden. Sie riefen zum Cava-Boykott auf, weil damals gerade der katalanische Separatismus zu erstarken begann.

Die Ironie der Geschichte ist, dass sich die Boykotteure mit Freixenet den falschen Gegner gesucht haben. Freixenet-Präsident Bonet ist ein erklärter Gegner aller Abspaltungspläne. „Einige Katalanen fühlen sich nicht als Spanier oder wollen es nicht sein“, sagt er. „Wir sind es aber.“ Solch offenen Worte machten ihn unter manchen Katalanen verhasst, die Freixenet nun ihrerseits boykottierten. Bonet nahm das nicht allzu schwer. „Freixenet macht 80 Prozent seines Geschäfts außerhalb Spaniens“, erklärt er seine Entspanntheit.

Zu viele Vettern und Cousinen mit Mitspracherecht

Die größeren Probleme sind der Marke in den vergangenen Jahren offenbar von innen erwachsen. Freixenet ist in seiner gut 100-jährigen Geschichte bis zum Freitag ein Familienunternehmen geblieben, die Zahl der mitspracheberechtigten Vettern und Cousinen ist im Laufe der Jahrzehnte immer weiter gestiegen, das hat offenbar zu Reibungsverlusten geführt. Deshalb machte sich ein Teil der Verwandtschaft vor ein paar Jahren auf die Suche nach einem Käufer und stieß dabei auf Henkell, einen ähnlich großen Sekthersteller wie Freixenet. Henkell gehört zur Oetker-Gruppe und hat damit einen starken Konzern im Rücken, während sich Freixenet bisher allein durchschlug.

Im vergangenen Geschäftsjahr machten die Katalanen einen Umsatz von 535 Millionen und einen Gewinn von 8,4 Millionen Euro. An Henkells Hand soll es weiter aufwärts gehen. „Freixenet ist eine Goldmine“, sagte vor ein paar Tagen Betriebsratschef Sergio Lozano. Man muss sie nur auszubeuten wissen. Das wollen nun die Deutschen versuchen.

Von Martin Dahms

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