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Reise & Tourismus Wo Mietwagen und Flugreisen für den Sommer jetzt teurer werden
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15:54 14.06.2021
An den Mund-Nasen-Schutz hat man sich gewöhnt – das gilt auch auf Reisen. Wegen einer hohen Nachfrage nach Urlaubsreisen in Deutschland steigen auch die Preise.
An den Mund-Nasen-Schutz hat man sich gewöhnt – das gilt auch auf Reisen. Wegen einer hohen Nachfrage nach Urlaubsreisen in Deutschland steigen auch die Preise. Quelle: Andres Gutierrez/dpa/dpa-tmn
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Je mehr Corona-Reisebeschränkungen fallen, desto mehr steigt die Nachfrage nach Urlaubsreisen – sowohl in Deutschland als auch ins Ausland. Besonders auf die Sommermonate Juli und August entfielen in den vergangenen sechs Wochen rund 40 Prozent aller neuen Buchungen, berichtet der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Reiseverbands (DRV), Dirk Inger. Und viele Urlauberinnen und Urlauber müssen bei einigen Reiseformen tiefer in die Tasche greifen. Denn während bei Ferienwohnungen und Pauschalreisen die Preise stabil scheinen, zeichnet sich vor allem bei Flugreisen und Mietwagen teils ein deutlicher Kostenanstieg ab.

Grund dafür ist die hohe Nachfrage, die aktuell auf eine noch geringere Flugfrequenz trifft. Zwar ist laut dem Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) das Flugnetz aus der Zeit vor Corona größtenteils wieder hergestellt. Für beispielsweise Griechenland und die Türkei übersteige das Angebot sogar das Niveau von 2019. Beide Länder gehören zu den beliebtesten Reisezielen der Deutschen.

Eine Auswertung des Preisvergleichsportals Check 24 zeigt, dass derzeit die griechischen Inseln besonders begehrt sind. Dabei werden Kreta und Rhodos etwa doppelt so häufig gebucht wie im Vergleichszeitraum 2019. Das könnte auch daran liegen, dass das Land früh die Öffnungstermine angekündigt und damit die Planung für Urlauberinnen und Urlauber erleichtert hatte. Aber auch Mallorca wurde in der ersten Juniwoche 43 Prozent häufiger gewählt und für die Dominikanische Republik gab es in dem Zeitraum rund zwei Drittel mehr Buchungen.

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Flüge an beliebte Ziele 16 Prozent teurer als 2019

Die meisten Ziele werden im Sommer laut BDL aber seltener angeflogen als vor der Pandemie. Die Fluggesellschaften hätten aufgrund der Corona-Pandemie vorsichtiger geplant, so Sebastian Sager, Geschäftsführer Flüge bei Check 24. „Dadurch stehen generell geringere Kapazitäten zur Verfügung als in den Vorjahren“, was wiederum für steigenden Flugpreise sorge. „Gleichzeitig sind Anbieter bei steigender Nachfrage weniger gezwungen, Rabatte zu gewähren.“ Das führe dazu, dass Flugpreise steigen würden.

Laut Check 24 kosteten Hin- und Rückflug für die zehn am häufigsten im Mai gebuchten Ziele im Schnitt 16 Prozent mehr als 2019. Besonders für Flüge in die Niederlande (plus 114 Prozent), in die Schweiz (101 Prozent) und nach Österreich (81 Prozent) zogen demnach die Preise stark an. Aber auch bei Verbindungen zum Beispiel nach Spanien mussten Reisende durchschnittlich 22 Prozent mehr zahlen. Lediglich Flüge in die Türkei (minus 9 Prozent) und nach Italien (minus 2 Prozent) waren zuletzt sogar günstiger zu haben als damals.

Die Preise für Pauschalreisen in beliebte Regionen seien aber noch stabil, heißt es vom Preisvergleichsportal. Im Schnitt zahlen Reisende für einen Urlaub auf Kreta etwa 105 Euro pro Pauschalreisetag und damit genau so viel wie 2019. Lediglich ein Prozent teurer als vor der Pandemie ist derzeit Rhodos, auf Mallorca sind es 4 Prozent. In der Dominikanischen Republik ist das Preisniveau sogar 4 Prozent niedriger als 2019 – bei steigenden Buchungszahlen. Das könnte sich aber noch ändern.

Mietwagen teurer als vor der Pandemie

„Hotels, Fluggesellschaften und Reiseveranstalter haben sich auf den Reisestart vorbereitet und sind aktiv dabei, die Kapazitäten wieder hochzufahren“, sagt Martin Zier, Geschäftsführer Pauschalreise bei Check 24. „Aktuell gibt es noch viele preiswerte Angebote. Aber natürlich sind diese Kapazitäten nicht unendlich. Bleibt die Nachfrage hoch, werden auch die Verfügbarkeiten knapp und die Reisepreise steigen. “

Das zeigt sich auf beliebten Urlaubsinseln bei den Mietwagenpreisen. Dort sind sie aufgrund der hohen Nachfrage im Durchschnitt um etwa ein Viertel (23 Prozent) gestiegen. Auf Ibiza beispielsweise zahlten Reisende im Schnitt pro Tag mehr als dreimal so viel wie 2019. Auf Mallorca kostet der Leihwagen fast 200 Prozent mehr als vor der Pandemie, auf Sizilien ist gut das Doppelte fällig.

Sind Ferienwohnungen in Deutschland teurer geworden?

Bei Ferienwohnungen scheint es besonders an beliebten Urlaubsorten in Deutschland Preissteigerungen zu geben. So sei beispielsweise für die Lübecker Bucht der mediane Preis im Vergleich zum Jahr 2019 um 14 Prozent gestiegen, für Fehmarn sogar um 30 Prozent, berichten die „Lübecker Nachrichten“. Gleichzeitig habe aber auch die Auslastung zugenommen. Anfang Juni bis Ende August 2019 lag diese noch bei rund 58 Prozent in Schleswig-Holstein, aktuell sind es 83 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern stieg die Auslastungsquote von 61 auf 77 Prozent.

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Grundsätzlich kann der Deutsche Ferienhausverband allerdings keine angehobenen Mietpreise aufgrund der Corona-Pandemie bestätigen – trotz des gestiegenen Hygieneaufwands. „Wenn die Vermieter ihre Preise erhöht haben, dann weil sie in Ausstattung oder technische Infrastruktur investiert haben und sich das Ferienobjekt nun in einem anderen Preissegment befindet. Die Mietsteigerungen liegen durchschnittlich bei moderaten 6 Prozent“, sagt Michelle Schwefel, Geschäftsstellenleiterin beim Deutschen Ferienhausverband.

Zudem habe eine Umfrage unter Vermietern von Ferienwohnungen und Ferienhäusern Ende April ergeben, dass 75 Prozent der Vermieter die Mieten gleich gelassen haben. 2 Prozent haben ihre Mieten gesenkt. Und auch zukünftig hätten 72,1 Prozent der Gastgeber keine Preiserhöhung geplant.

Schwefels Erklärung für höhere Preise in den Sommermonaten: „Wir beobachten immer wieder, dass die Ferienhäuser und Ferienwohnungen mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis am schnellsten vergriffen sind und vor allem preisintensivere Objekte kurzfristig zur Verfügung stehen. Dabei kann leicht der Eindruck entstehen, dass die Preise insgesamt gestiegen sind.“

Nachfrage, Flex-Tarife und Corona-Test: Verschiedene Ursachen machen Reisen teurer

Laut Reiseexperte Ulf Sonntag bestimmt vor allem die Nachfrage das Angebot. So müssten Urlauber vor allem in Hochzeiten sowie in besonders beliebten Gebieten höhere Kosten für Reisen erwarten – ganz einfach, weil es dort schneller voll ist. „Wenn nur begrenzte Kapazitäten im Angebot sind und diese stark nachgefragt sind, dann steigen die Preise“, erklärt der Leiter der Marktforschung am Institut für Tourismusforschung in Nordeuropa gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Wer dennoch kurzfristig buchen möchte, sollte relativ flexibel sein, was Termin, Reiseziel und Unterkunft betrifft.

Doch auch dabei müssen Touristinnen und Touristen oftmals draufzahlen. Denn in Zeiten der Pandemie hätten Reiseveranstalter zusätzliche Flex-Tarife geschaffen, damit Verbraucher ihre Pauschalreise flexibel bis kurz vor Anreise kostenlos stornieren oder umbuchen können. Daher sollten für eine Pauschalreise durchschnittlich um die 30 Euro extra pro Person eingerechnet werden, sagt Martin Zier, Geschäftsführer für Pauschalreisen beim Vergleichsportal Check 24.

Außerdem kommen pandemiebedingt zusätzliche Kosten für Corona-Tests hinzu, die bei der Einreise ins Urlaubsland und bei der Rückreise nach Deutschland benötigt werden. Während ein Antigenschnelltest in der Bundesrepublik kostenlos ist, kostet ein solcher Test am Flughafen Mallorca knapp 30 Euro. Wo Urlauberinnen und Urlauber bei der Hinreise sparen, müssen sie also bei der Rückkehr dennoch Geld in die Hand nehmen. Denn für Flugreisende gilt in Deutschland eine Testpflicht vor der Einreise – auch aus Nichtrisikogebieten. Noch höher als bei Schnelltests sind die Kosten für einen negativen PCR-Test, den einige Reiseziele verlangen. Diese sind auch in Deutschland kostenpflichtig.

mit dpa

Von Brigitte Vetter/RND

Der Artikel "Wo Mietwagen und Flugreisen für den Sommer jetzt teurer werden" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.