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Rund um die Welt Allein auf den Pfaden von Fraser Island
Mehr Reise & Tourismus Rund um die Welt Allein auf den Pfaden von Fraser Island
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13:40 10.11.2020
Es sind die Bäume, deren Blätter die Koalabären verspeisen: Eukalypten am Ufer des Lake Boomanjin. Quelle: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn
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Wegen der Corona-Pandemie gilt in Australien für ausländische Besucher noch immer ein Einreiseverbot. Doch wenn Reisen dorthin wieder möglich sind, wird das Land wohl für viele ein Traumziel geblieben sein. Wer unberührte Natur erleben will, sollte einmal den Tropenwald von Fraser Island zu Fuß durchqueren.

Es ist vollkommen still, das Türkis des Wassers geht in dunkles Blau über. Und dahinter vergoldet die Morgensonne den Sand und die knorrigen Eukalypten.

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Der Lake McKenzie ist die Postkarte, mit der Fraser Island und ganz Queensland für sich werben. Und der Lockruf wirkt: Jedes Jahr strömen eine halbe Million Besucher herbei, um in dem sagenhaften Türkis zu baden, jedenfalls wenn keine Pandemie herrscht.

Wer die Schönheit des Sees ungestört erleben will, muss über Nacht bleiben. Und am besten mehrere Tage über die Insel wandern, durch oft menschenleeren Tropenwald und zu Seen, die für all die Touristen in Geländewagen unerreichbar sind.

Die Tour startet im Dilli Village an der Ostküste. Auf einem sandigen Pfad wandert die Gruppe dieser dreitägigen Tour durch Eukalypten, Banksien und Grasbäume. Guide Graham Middlemiss hat zu fast jeder Pflanze etwas zu erzählen. Der 51-jährige Neuseeländer kennt die Insel gut, er war viele Jahre Chefkoch in einem Resort.

Die einheimischen Butchulla zermahlten die Zapfen der Palmfarne und buken aus dem Mehl Brot. Als die Männer von James Cook davon kosteten, wurden sie krank. Ihre Mägen waren nicht an die Toxine gewöhnt. Der britische Entdecker glaubte, an einer Halbinsel vorbei zu segeln und nannte sie schlicht Great Sandy Peninsula. Die Butchulla, die seit Tausenden Jahren auf der Insel leben, haben einen poetischeren Namen für ihre Insel: K'gari, das Paradies.

Die Einheimischen verabscheuen den Namen Fraser

Bekannt ist die größte Sandinsel der Welt heute aber unter dem Namen von Eliza Fraser. Die Schottin erlitt mit ihrem Mann 1836 vor der Insel Schiffbruch und überlebte sieben Monate bei den Butchulla - angeblich als Sklavin. Ihre erfundene Schauergeschichte verkaufte sich gut. Und sie war der Anfang vom Ende der Butchulla. Holzfäller rückten an, um die Baumriesen zu fällen. 1904 wurden die letzten der einst 4000 Butchulla vertrieben. Heute sind sie zurück, einige arbeiten als Ranger im Nationalpark.

"Die Butchulla hassen den Namen Fraser Island", sagt Graham Middlemiss. Vor Gericht kämpfen sie seit Jahren um Kompensationen. Zumindest der Nationalpark trägt wieder den Namen K'gari. Der Park schützt die sieben Ökosysteme der Insel, von Dünen über Mangroven bis Regenwald, Lebensraum für eine enorme Artenvielfalt.

Giftige Tiere im Unterholz

Im Wald sieht man von all den Tieren natürlich wenig. Nur ein Buntwaran klammert an einem Baumstamm. Aber einigen will man ohnehin nicht begegnen. Zum Beispiel den giftigen Todesottern und Taipanen im Unterholz. Die Schuhe nicht auszuziehen, ist auch kurz vor dem ersten See eine gute Idee. Die Gruppe watet durch ein Delta aus roten Bächen, gefärbt von den Tanninen der Teebäume.

Lake Boomanjin ist der größte Grundwassersee der Welt. "Und einer der wenigen, die von Bächen gespeist werden", sagt Middlemiss. Im Grunde sind die Seen der Insel allesamt große Regenwannen. Ihr Grund ist aus Kaffee-Gestein, einer Mischung aus verrotteten Blättern und Sand, das wie eine Plastikplane den Regen auffängt.

Verschwitzt von der Tropenschwüle würde man jetzt gern in diese Wanne hechten. Aber ein Stück Weg ist noch zu gehen - und der nächste See nicht weit. Lake Benaroon ist deutlich kleiner, aber sein Wasser ist noch klarer. Der Zeltplatz liegt gleich oberhalb des Ufers.

Der Campingplatz ist leer. Nur Wanderer dürften hier übernachten, erklärt Middlemiss, Jeeptouren haben einen eigenen Platz. Die Zelte hat der Fahrer netterweise schon aufgebaut, der Tisch ist gedeckt: vier Sorten Käse, dazu geschnittene Mango, Kiwi, Erdbeeren. Und als Hauptgang Pasta, natürlich mit kaltem Bier. Alles ganz wunderbar. Nur die pausenlos um die Ohren surrenden Moskitos stören das romantische Buschdinner doch arg. Also schnell aufessen und Rückzug ins Zelt.

Der große Vorteil des Busch-Biorhythmus: Mit dem ersten Morgenlicht ist man hellwach. Und steht gleich darauf am glatten, dunklen See. Krokodile gebe es hier sicher nicht, sagte Middlemiss am Vorabend. Richtig entspannen lässt es sich beim Morgenbad trotzdem nicht - wegen der giftigen Fischnattern, die in den Seen leben. "Wenn ein Stock auf dich zuschwimmt, geh lieber aus dem Wasser."

Das Geschäft mit den Ressourcen der Insel

Eigentlich könnte man gleich in Badehose los wandern. Denn hinter dem Lake Benaroon wartet der nächste See, Lake Birrabeen. Die Gruppe wandert entlang des Ufers und steigt dann zwischen hohen Eukalypten auf. Das Blätterdach schließt sich, Schlingpflanzen hängen von den Ästen. Irgendwo kreischt ein Kakadu.

Der Weg führt nun über einen Kamm, ringsum ragen 50 Meter hohe Kauri-Bäume und Neuguinea-Araukarien in den Himmel. Erst als die Unesco die Insel 1992 zum Weltnaturerbe erklärte, stellten die Holzfirmen ihr zerstörerisches Geschäft ein.

Nach einer Lunch-Pause geht es ins Pile Valley. Das Regenwald-Tal ist so außergewöhnlich schön, dass es schon 1935 geschützt wurde. Ein klarer Bach rinnt durch ein weißes Sandbett, darüber wachsen Piccabeen-Palmen und uralte, seltene King Ferns.

Jenseits des Tals wird der Wald schnell wieder lichter. Der Weg führt auf einen Kamm und nach einer Stunde hinab zum fast kreisrunden Basin Lake. "Reines Regenwasser", sagt Middlemiss, noch klarer als in jedem der bisherigen Seen. Am Sandufer wachsen brusthohe, silberne Gräser, rote Libellen schwirren umher, Enten schnattern. Niemand hier.

Viele Backpacker können sich nicht benehmen

Umso ernüchternder ist freilich der Kontrast später am Nachmittag am Lake McKenzie. Der Ferienzirkus ist in vollem Gange. Backpacker trinken trotz des Verbots Bier am Strand.

Am nächsten Tag fällt der Blick über den jadegrünen Lake Wabby. Wie eine Oase in der Sahara ist er mit seinem Uferwald eingebettet in hohe Sanddünen - dahinter liegt gleich das Meer.

Ein letztes Mal baden. Die Schatten großer Fische ziehen vorbei, ein weißer Kakadu segelt über das Wasser hinweg. Von hier könnte man tagelang weiter wandern auf dem Great Walk, der sich insgesamt 96 Kilometer lang durch den Wald windet. Und man wäre noch mehr allein mit der majestätischen Natur. Klingt verlockend.

© dpa-infocom, dpa:201109-99-269760/7

dpa