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Reise & Tourismus Ferien auf dem Bauernof: Warum Kühe glücklich machen
Mehr Reise & Tourismus Ferien auf dem Bauernof: Warum Kühe glücklich machen
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17:04 25.09.2019
Idylle mit Ohrmarkenzange: Das Landleben ist für Städter oft reizvoll. Jedenfalls für eine Woche. Quelle: Emil - stock.adobe.com

Für Bauern war der Sommer 2019 durchwachsen. Es gab Licht und Schatten. Sehr viel Licht, sehr wenig Schatten. Sehr zufrieden war man mit der Pfirsichernte in Eckernförde: Sechs Pfirsiche – das sind sechs mehr als 2018. Und Freude herrschte auch auf den Heringsdorfer Ananasplantagen.

Mehr Touristen als Kühe

Aber sonst: unterdurchschnittlich. Wir haben deshalb mit der Familie eine private Solidaraktion gestartet. Wir haben Geld aufs Land gebracht. Dahinter verbirgt sich eine traditionsreiche Hilfsaktion von Städtern für Landwirte. Sie nennt sich „Ferien auf dem Bauernhof“. Zehn Millionen Deutsche mögen einer Umfrage zufolge Ferien auf dem Bauernhof. Bei 266.000 Bauernhöfen ergibt das ein durchschnittliches theoretisches Touristenaufkommen von knapp 40 Urlaubern pro Bauernhof und Jahr. Mancher Bauer hat im Sommer also mehr Touristen als Kühe zu versorgen. Es ist natürlich paradox, dass in Zeiten von Flugscham, Fernreisephobie und Plastiktütenparanoia ausgerechnet der Besuch pupsender Kühe als ökologische Alternative zum Malediven-Trip gilt. Aber der Mensch ist eben gern rational in seinem Denken und irrational in seinem Tun.

Beim Komfort hat sich im Bereich „Urlaub auf dem Bauernhof“ eine Menge getan. Landwirte verzichten bei der Unterbringung von Städtern heutzutage weitgehend auf eingestreute Boxen und die frühzeitige Trennung von Eltern und Kindern. Auch wird das Futter nicht mehr trögeweise kredenzt und mit landestypischen Antibiotika angereichert. Stattdessen hat der Tourist heute viel Freilauf und darf selbst entscheiden, ob er tagsüber auf die Weide will oder lieber im Stall an der Schubbermaschine bleibt.

Zickezacke, zickezacke - Heu, Heu, Heu! Zehn Millionen Deutsche können sich vorstellen, mal Urlaub auf dem Bauernhof zu machen. Quelle: imago images / Westend61

Die verheerende Wirkung von körperwarmer Kuhmilch

Wir waren eine Woche da. So ein Bauernhof ist nicht mein natürliches Umfeld. Mein Körper ist durch städtisches Siechtum und Schlemmerei so weit von seinen urzeitlichen Wurzeln entfremdet, dass ein Schluck körperwarme Kuhmilch auf mich verheerender wirkt als zwei Liter lauwarme Cherry-Cola. Aber was tut man nicht alles, um seinen Kindern mal zu zeigen, wo die Milch wohnt? Da stiefelt der als Naturbursche verkleidete Städter in nagelneuen Gummistiefeln und Funktionskleidung mit Wolfstatzenlogo durch den Kuhstall und macht halbgare Scherze zur Hebung der Laune („Wie viele Ostfriesen braucht man, um eine Kuh zu melken? Acht! Vier halten das Euter fest, die anderen heben die Kuh hoch und runter. Hahahahaha!“). Da freut sich auch der Bauer. Da ist man doch gleich prima integriert.

Ich verstehe nicht viel von Landwirtschaft. Aber ich war gern da. Gewisse Dinge sähen die Kinder doch sonst nie. Einen Tierarzt zum Beispiel, der bis zur Achselhöhle in Milchvieh steckt. Der war da so tief drin – das sah aus, als stecke nicht der rechte Arm in der Kuh, sondern als gucke der linke raus.

Eheschließung per Ohrmarkenzange

Oder eine frische Nachgeburt. Man bekommt gleich ein ganz anderes Verhältnis zur Frischetheke bei Rewe. Kühe kalben ja inzwischen ganz ohne Arzt und Hebamme. Da kommt der Bauer morgens in den Stall, und wenn er mehr Tiere vorfindet als gestern Abend, dann brummt er kurz und holt die Ohrmarkenzange. Früher wurden hier auf die gleiche Weise auch Ehen geschlossen: einfach per Ohrmarke.

Am tollsten fand ich die Maschine, mit der sich die Kühe die Wampe massieren lassen. Wie ein Massagesessel im Einkaufszentrum, nur müssen die Kühe nicht vorher 2 Euro einwerfen. Sie müssen eigentlich gar nichts tun, solange sie 1000 Liter Milch am Tag geben. Moderne Kühe schaffen das locker. Die Agrarwissenschaft ist kurz davor, Hybridkühe zu züchten, die fettarmen, laktosefreien Latte macchiato im Pappbecher produzieren. Müssen sie vorher halt ein paar Kaffeebohnen knabbern.

Likör aus glücklichen Eiern

Am vierten Tag ist eine Ziege ausgebüxt. Meine Tochter ist noch klein und kommentierte den Vorgang mit den Worten: „Der Hase ist weg.“ Es war also höchste Zeit, mal auf einen Bauernhof zu fahren. Am fünften Tag trank ich selbst gemachten Eierlikör aus glücklichen Eiern. Wie lautet die alte Bauernregel: „Jodelt im Stall ein betrunk‘ner Tourist, ändert sich‘s Wetter oder es bleibt, wie es ist.“

Das Problem ist: Jetzt wollen die Kinder auch ein Tier. Also: zu Hause. Gut, warum nicht? Kinder sind im Umgang mit Tieren ganz zauberhaft. Leider ist das bei Tieren und Kindern wie in einer Ehe von Lothar Matthäus: Nach ungefähr vier Minuten ist die Leidenschaft verpufft. Ich fragte die Kinder, welches Tier es denn sein soll. „Können wir ein Nashorn haben?“ – „Nein. Wo soll das denn wohnen?“ – „Im Carport!“ – „Das wird es nicht wollen.“ – „Einen Schwan?“ – „Nein, ein Schwan braucht einen See.“ – „Wieso denn? Vertrocknet der sonst?“ – „Nein, aber er kann besser schwimmen als laufen.“ – „Du könntest ihn doch tragen!“ Die Aussicht, jahrelang mit einem Schwan auf dem Arm zum Einkaufen und Arbeiten zu fahren, drückte mich emotional nieder. Aber immerhin hat niemand eine Schildkröte vorgeschlagen. Schildkröten gehen nicht: Erstens werden sie eine Million Jahre alt. Und zweitens leide ich an Schildkrötenüberfunktion. Was ist der Sinn eines Haustiers, dass aussieht wie ein mobiler Suppenteller?

Nashorn oder Katze?

Wir hatten dann ein paar Tage lang Gastmeerschweinchen zur Probe – mit dem Ergebnis, dass das Zimmer meines Sohnes roch wie eine vor Jahren fluchtartig verlassene Zooküche. Also: Katze. Katzen sind in Ordnung. Sie bellen nicht. Sie können selbst laufen. Sie riechen nicht. Und das Beste: Sie sind kein Nashorn.

Katzen sind mutig genug, genau das Leben zu führen, von dem Menschen heimlich träumen: dösen, flanieren und essen – das alles im tiefen Bewusstsein, bedingungslos geliebt zu werden. Im Gegenzug ist kein Augenblick der Muße mit einer Katze auf dem Schoß jemals vertane Zeit. Beim Nashorn bin ich mir da nicht so sicher.

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Von Imre Grimm/RND

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