Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Weihnachtliches Echte Tanne sorgt für reines Gewissen
Mehr OP extra Weihnachten Weihnachtliches Echte Tanne sorgt für reines Gewissen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Weihnachten in Marburg und Umgebung
19:10 12.12.2019
Eine Familie trägt ihren frisch geschlagenen Weihnachtsbaum aus einer Kultur bei Speckswinkel nach Hause.  Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Ausfälle in Weihnachtsbaumkulturen infolge von Trockenheit gab es vor allem in den dies- und letztjährigen Neuanpflanzungen. Viele Betreiber von Weihnachtsbaumkulturen, auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf, berichten von abgestorbenen jungen Pflanzen, braunen und zu kurzen Trieben. Diese Schäden betreffen Bäume, die erst in acht Jahren verkauft werden.

Die Neuansaat im vergangenen Jahr litt bereits an Spätfrösten, die zu braunen Spitzen führte. Die Trockenheit verursachte hellere Nadelfarbe. Darüber hinaus haben ältere Weihnachtsbäume, wie schon 2018 innere Nadeln abgeworfen, um ihre Verdunstung zu verringern.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) ist zuversichtlich, dass der Markt in diesem Jahr trotzdem ausreichend bedient werden kann. Und die Gemeinschaft prognostiziert: „Kommen jetzt normale Jahre mit ausreichend Niederschlägen, wird es erst in acht Jahren knapp.

Bleibt es weiterhin zu trocken, werden die Schäden eher zu minderen Qualitäten führen und Nachpflanzungen werden fast unmöglich.“
Wenn in der Vergangenheit der Markt aus heimischen Beständen nicht ausreichend bedient werden konnte, wurden vorzugsweise Bäume aus Dänemark importiert. Das ist aktuell unwahrscheinlich.

Zu viel Chemie in großen Kulturen

Denn bei den Nachbarn im Norden tritt seit 2014 eine Baumkahlung – das Abwerfen der inneren Nadeln – oder eine Gelbfärbung der Nadeln auf. Die SDW versichert, den „Weihnachtsbaum mit dem reinsten Gewissen“ gebe es entweder direkt aus dem Wald oder von Plantagen aus der Region, und der sei mit Zertifikaten wie FSC, PEFC, Naturland oder Bioland ausgezeichnet, die umweltfreundlicheren Anbau garantierten.

Die SDW kritisiert: Zu oft werde auf Weihnachtsbaumplantagen noch mit Dünge-, Unkrautvernichtungs- und Schädlingsbekämpfungsmitteln gearbeitet. Und sie stellt fest, dass die Zahl der zertifizierten Plantagen zunehme. Eine natürliche Unkrautbekämpfung erfolgt mit Wildkrautbürste oder Mulcher mit Feinaustastung oder durch Schafe.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) fordert Verbraucher auf, beim Handel giftfreie Bäumchen zu verlangen und damit die Nachfrage zu erhöhen. Als gute Alternative sieht der Nabu Weihnachtsbäume aus Durchforstungen oder von forstlichen Sonderstandorten wie Hochspannungstrassen an.

Diese Bäume seien in der Regel unbehandelt und müssten sowieso gefällt werden. Auch der kurze Transportweg wirke sich positiv auf die Ökobilanz der Bäume aus und sie könnten ohne schlechtes Gewissen gekauft werden, heißt es seitens des Umweltschutzverbandes.

von Hartmut Berge

     

Ökologische Bilanz

Ein Hektar Weihnachtsbaumkultur bindet in zehn Jahren 145 Tonnen Kohlendioxid (CO2), 300 Tonnen Staubpartikel und sorgt für 100 Tonnen Sauerstoff (BVWE). Ein Plastikbaum hat wegen des Energieeinsatzes bei der Produktion, des Transportes und der Entsorgung eine wesentlich schlechtere Ökobilanz und endet irgendwann als Plastikmüll. Darüber hinaus: Vier von fünf Plastiktannen werden aus Fernost importiert.

Das WDR-Wissensmagazin Quarks hat mehrere Studien zu dem Thema ausgewertet und kommt zum Ergebnis, dass durch ein natürlichen Baum etwa 3,1 Kilogramm Kohlendioxid produziert, während bei einer Plastiktanne 48,3 Kilogramm CO2 zusammenkommen.