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Weihnachtliches Was gibt's da eigentlich für Veganer?
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Weihnachten in Marburg und Umgebung
20:57 22.12.2019
So ein Bummel durch eine vorweihnachtliche Budenstadt ist reizvoll, aber eine kulinarische Herausforderung - wenn man Veganer ist. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Es riecht verdammt lecker. Mmh, bei diesem köstlichen Geruch von exotischen Gewürzen, gebrannten Mandeln und Glühwein bekomme ich direkt Appetit. Ich bin auf dem Weihnachtsmarkt an der Elisabethkirche. Überall sehe ich Stände mit Crêpes, Lebkuchen und Bratwürstchen, und überall Menschen, die sich Glühwein und gebrannte Mandeln gönnen. Alle lassen es sich schmecken.

Klar, kann ich nur zu gut verstehen. Ich würde ja auch gerne zugreifen. Aber für mich ist das nicht so einfach – ich bin Veganerin, zumindest heute für diesen Test. Also sind viele der Köstlichkeiten hier tabu für mich.

Glühwein ist Tabu

Glühwein kann ich schon mal streichen. Viele Weine und Säfte werden in der Herstellung mit Gelatine geklärt und sind deswegen nicht einmal vegetarisch. Welchen aber darf ich trinken? Eine echte Hilfe sind die meisten Verkäufer nicht. Sie zucken einfach mit den Schultern. Immer wieder höre ich: keinen blassen Schimmer, danach hat bisher noch niemand gefragt. Deswegen kaufe ich hier besser erst einmal nichts. Sicher ist sicher.

Aber meine vorweihnachtliche Stimmung trübt sich langsam ein. Wenigstens etwas zum Sattwerden muss es hier für eine Veganerin doch geben. Kartoffeln, Obst oder Gemüse. Aber überall ernte ich nur verständnisloses Kopfschütteln.

Die meisten Stände haben zwar eine Liste mit Allergenen und Zusatzstoffen, die ich mir ansehen kann, aber nichts, was ich als Veganerin essen darf. In fast allen Produkten sind Milchpulver, Butter oder Gelatine enthalten. Auch auf gebrannte Mandeln muss ich verzichten, denn die enthalten Milch.

Ich denke schon ans Aufgeben, als ich endlich einen Stand entdecke, der auch für mich etwas im Sortiment hat: Früchte mit Schokoladenüberzug, die tatsächlich keine tierischen Produkte enthalten. Der Obstspieß ist ganz okay, satt aber bin ich nicht.

Als meine Runde fast beendet ist, stoße ich auf einen Stand mit „Tornadokartoffeln“, also spiralförmig geschnittene, frittierte Kartoffeln auf einem Spieß. Neben den Kartoffeln gibt es dort auch Maiskolben und frittierten Blumenkohl. Yeah! Genau das, was ich jetzt brauche.

Der Inhaber Sascha Hein erklärt, bis auf die Soßen seien alle Produkte vegan. Das Angebot kommt auch bei anderen Besuchern des Weihnachtsmarktes gut an. Etwa bei Roswitha und Reinhard Braden. Sie isst zum ersten Mal vegan und ist begeistert: „So was habe ich vorher noch nie gesehen, das ist auch toll für die Kinder. Ich mag ja sowieso Gemüse, und immer nur Bratwurst muss ja nicht sein.“

Natürlich gibt es einige Klassiker wie Pommes, Maronen und Zuckerwatte, die meistens ganz ohne tierische Produkte auskommen. Wer aber etwas Abwechslungsreicheres essen möchte und dabei auf der sicheren Seite bleiben will, sollte trotzdem nachfragen, ob sich nicht vielleicht doch Butter oder andere tierische Zutaten in den Gerichten verstecken.

Auch bei Wein und Punsch ist Vorsicht geboten. Erlaubte Alternative: ein Tee oder Kaffee. Richtig satt geworden bin ich heute leider trotzdem nicht. Deswegen freue ich mich jetzt umso mehr auf zu Hause und einen schönen großen Gemüseburger.

von Noa Pötter