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Weihnachtliches Thomas Edlund beschreibt schwedisches Smörgåsbord
Mehr OP extra Weihnachten Weihnachtliches Thomas Edlund beschreibt schwedisches Smörgåsbord
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Weihnachten in Marburg und Umgebung
09:08 05.12.2019
Thomas Edlund beschreibt ein klassisches Weihnachtsessen in Schweden. Quelle: Silke Pfeifer-Sternke
Marburg.

Heiligabend verbindet der Schwede Thomas Edlund vor allem mit einem vollen Magen. Essen mit der Familie nimmt am 24. Dezember viel Raum ein. „Wir essen quasi 12 Stunden“, sagt Edlund. Zum Frühstück kommt Blutwurst auf den Tisch. Dann geht es mit der Familie zum Gottesdienst.

Zu Hause stehen schon die frisch gebackenen Plätzchen. Und zwischendurch – bis das große­ Büfett gegen 16.30 Uhr aufgebaut wird –, bedienen sich die Schweden am Bonbon-Tisch. Es gibt Knäck, ein schwedisches Karamellbonbon, das ist zur Weihnachtszeit sehr beliebt. Das mache man selbst und ge­nascht werde immer dann, wenn man zwischen den Mahlzeiten Lust auf etwas Süßes­ ­habe, sagt Edlund.

Bevor die Bescherung gegen 21 Uhr beginnt, bleibt ausreichend Gelegenheit, sich am reichhaltigen Büfett zu bedienen. Serviert wird an den Festtagen ­traditionell das typisch schwedische Smörgåsbord. „Smörgås“ bedeutet übersetzt „ belegtes Butterbrot und „bord“ ist die Bezeichnung für Tisch. Das Büfett besteht aus verschiedenen kalten und warmen Speisen, jeder Gast bedient sich nach Belieben.

Traditionell wird als Vorspeise mit Fisch begonnen. Es gebe eine Vielzahl an Varianten, wie eingelegter Hering und geräucherter Lachs zum Festessen zubereitet werde, sagt Edlund. Als Hauptgericht gibt es Wurst, Winterschinken, Köttbullar (schwedische Fleischbällchen), Würstchen, Lammkeule und Rippchen. Dazu werde Grünkohl oder Sauerkraut gegessen.

Als Klassiker unter den Weihnachtsspeisen bezeichnet Edlund Lutenfisk. Es ist ein in einer Lauge aus Buchen- oder Birkenasche gewässerter Trockenfisch, in der Regel Kabeljau.  Bei dem Smörgåsbord bestehe das Büfett bis zu 75 Prozent aus Fisch. Bei einem großen Büfett  kommen laut Edlund bis zu 28 Heringssorten und 10 Lachssorten auf den Tisch.

Lachs und Hering: serviert in verschiedenen Variationen

Aber auch Sülzen und verschieden gefüllte Eier zählen zum Menü. Mehr und mehr haben sich in den vergangenen Jahren auch Krustentiere wie Garnelen auf dem Büfett-Tisch durchgesetzt. Wer dann noch Platz im Magen hat, kann sich nach dem Büfett an dem warmen Milchreis laben – natürlich mit Zucker und Zimt.

„Meistens reicht das Festtagsessen noch für die zwei Feiertage“, sagt Edlund. In seiner Wahlheimat Marburg feiert er Heiligabend mit seinen Eltern, Smörgåsbord gibt es auch – aber nicht so üppig wie in Schweden, schließlich muss er an den beiden Feiertagen wieder im Edlunds am Herd stehen. Auch dort bietet er das traditionelle Festessen in abgespeckter Version an, nur mit weniger Fischvariationen.

„Das kommt hier nicht so gut an“, sagt er. Seit 2007 ist Deutschland sein Lebensmittelpunkt, nachdem er 2003/2004 einen „Ausflug“ nach Marburg gemacht hatte. Es gefiel ihm so gut, dass er während des Stadtfestes seinen Urlaub in Marburg verbracht hat. Aber: Er ist geblieben. Zunächst stand er als Aushilfe und später als Koch in der Gaststätte „Sonne“ am Herd, jetzt führt er seinen eigenen Betrieb – genau gegenüber.

Seiner Heimat Schweden ist er treu geblieben. Aus dem einstigen Eiscafé ist ein gastronomischer Betrieb mit schwedischem Flair geworden. Ein Großteil der Möbel stammt aus dem nordischen Land. Auf ­einer Auktionsplattform hatte  Edlund eine Firma gefunden, die Möbel restauriert. Er war 2009 dort zum „Einkaufen“, später noch einmal. In seinem Betrieb umgibt ihn täglich ein Stück Heimat – auch während der Feiertage, wenn er das klassische Smörgåsbord zubereitet.

Her geht's zum Rezept von Thomas Edlund für eingelegte Heringe auf schwedische Art