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Weihnachtliches So schmeckt Weihnachten in Eritrea
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Weihnachten in Marburg und Umgebung
20:39 15.12.2019
Aman Asghedom zeigt das landestypische Sauerteigbrot Injera, mit dem das würzige Festtagsessen mit den Händen gegessen wird. Quelle: Silke Pfeifer-Sternke
Marburg

Aman Asghedom (41) kam als Vierjähriger nach Deutschland. Seit zehn Jahren lebt er in Niederweimar. Seine Mutter hat dafür gesorgt, dass die Familie als orthodoxe Christen, ähnlich wie im Heimatland das Weihnachtsfest feiern.

Während in Eritrea am 7. Januar gefeiert wurde, hat sich die Familie den Sitten in Deutschland angepasst und das Festessen kommt am 24. Dezember auf den Tisch. Doch noch etwas ist anders in dem Land am Horn von Afrika: Es werden nicht wie hierzulande Geschenke ausgetauscht.

Wichtiger sei, dass die Familie zusammenkommt, sagt Asghedom. Die Kinder werden neu eingekleidet, denn am Feiertag wird traditionell ein ­Familienfoto geschossen. An dem höchsten christlichen Feiertag herrscht deshalb auch bei allen­ Fotografen im Land Hochbetrieb. Zuvor gehen die Eritreer in die Kirche – zumeist zwischen fünf und neun Uhr.

Zur Mittagszeit wird gemeinsam gegessen, traditionell mit den Händen von einer großen Platte. Bei Familie Asghedom gibt es Hähnchen in einer scharfen Soße mit gekochten Eiern. Die Schärfe entsteht durch die Gewürzmischung Berbere. Darin ist unter anderem Chilipfeffer, Knoblauch und Koriander. Dazu gibt es als Beilagen Linsen, Kichererbsen und Kartoffeln.

Hähnchen in zwölf Teilen

Das Essen wird mit Injera, dem landestypischen Sauerteigbrot, gegessen. Injera bedeutet „von der Hand in den Mund“. Mit dem Fladenbrot wird das Essen aufgenommen. Das Brot „schmeckt leicht säuerlich und ist etwas schwammig“, sagt ­Asghedom.

Das Besondere an der Zubereitung des Hähnchens ist, dass es in zwölf Teile zerlegt wird. Es müssen auch zwölf Eier sein, sagt er. Dass gemeinsam von der großen Platte gegessen wird, solle dazu dienen, dass kein Neid entsteht. Jeder könne sehen, was der andere isst. Und vor allem sollen alle gemeinsam am Tisch sitzen.

„Wenn jemand zu spät kommt, kann es sein, dass das Beste schon weg ist“, erklärte der 41-Jährige. Am Nachmittag des Feiertags kommt in vielen Häusern in der ehemaligen italienischen Kolonie Panettone, eine Mailänder Kuchenspezialität, auf den Tisch. Für ­Asghedom, der seit 2007 das afrikanische Restaurant „Dromedar“ in Marburg betreibt, ist die Weihnachtsspezialität der Italiener ein Muss.

Hier geht's zum Rezept.

von Silke Pfeifer-Sternke