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Weihnachtliches Das erste Weihnachten ohne Drogen
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Weihnachten in Marburg und Umgebung
16:31 23.12.2019
Ioana Radu feiert auf Hof Fleckenbühl das erste Mal seit sieben Jahren Weihnachten ohne Drogen. Sie vermisst ihren Freund und hadert mit der Kontaktsperre. Foto:  Quelle: Katja Peters
Schönstadt

Ioana Radu aus Saarbrücken war nie ein Junky. Dennoch haben Drogen sieben Jahre lang ihr Leben bestimmt. Täglich konsumierte sie Cannabis und später auch die sogenannten „magic mushrooms“, psychoaktive Pilze. Sie sagt selbst über sich, sie sei eine Grenzgängerin, wäre nie total abgerutscht. Aber sie sei schon immer ein suchender Mensch gewesen. Nach Geborgenheit, nach Ruhe.

Als Ioana Radu vier Jahre alt war, 1989, flüchtete sie mit ihrer Mutter von Rumänien nach Österreich. 1993 ging es nach Deutschland. Das Familienleben war geprägt von Streit und Gewalt des Vaters gegenüber der Mutter und der älteren Schwester. Sie hat sich das ­Leben genommen.
Die Eltern trennten sich.

Job geschmissen

Ioana wächst mit ihrer überforderten Mutter im Saarland auf. Sie erträgt Schläge und die Tatsache, dass sie nie ein gewolltes Kind war. Trotzdem wurde das Weihnachtsfest immer „aufgebauscht“, wie sie es beschreibt.

Der jahrelange Konsum, aber vor allem die Gewalterfahrung bei der Besetzung des Hambacher Forsts im Herbst 2018 haben Spuren bei Ioana hinterlassen. „Ich war traumatisiert, wollte mich mit den Pilzen ausklinken, was auch ein paar Monate gut ging“, erinnert sie sich. Anfang des Jahres hatte sie dann einen schlechten Trip, bekam Panikattacken: „Du denkst, du stirbst.“

Sie schmiss ihren Job als Integrationshelferin, verließ die Wohnung nicht mehr, suchte im Internet nach Suizid-Möglichkeiten. Und sie erinnerte sich an eine Dokumentation der Fleckenbühler. Nun lebt sie schon vier Monate auf dem Hof. Die Kontaktsperre zu ihrem Freund belastet sie sehr. Trotzdem kann sie die Ruhe auf dem Hof genießen, gerade jetzt zur Weihnachtszeit. „Bisschen Kerzen, bisschen Deko und gemütlich beieinander sitzen, genau so mag ich es.“

von Katja Peters