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Weihnachtliches Die Hoffnung auf Frieden und Liebe bleibt
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Weihnachten in Marburg und Umgebung
12:00 18.12.2019
Die Pfarrerinnen Katharina Scholl (links) und Anna Scholz posieren am Weihnachtsmarkt an der Elisabethkirche mit einem überdimensionalen Weihnachtsmann. Quelle: Manfred Hitzeroth
Marburg

„Die Adventszeit lässt uns hoffen, dass heil werden kann, was beschädigt ist. Wir sind sensibel für Sehnsüchte und haben ein Bedürfnis nach Heimeligkeit“, sagt Katharine Scholl (36), die Pfarrerin an der Hessischen Stipendiatenanstalt. Das gelte besonders in einer Zeit, in der vieles aus dem Ruder laufe.

Anna Scholz (37) ist seit ­November neue Pfarrerin in der Marburger Elisabethkirche, Apropos Weihnachtsgefühle: Noch genau erinnert sich Anna Scholz an die weihnachtlichen Rituale in ihrer Familie, als sie selber ein Kind war. Damals habe das Christkind und nicht der Weihnachtsmann die Geschenke gebracht, berichtet sie.

Selbst wenn die Erwachsenen nicht mehr an das Christkind oder an den Weihnachtsmann glauben, bieten die Gottesdienste an Weihnachten ihnen alle Jahre wieder etwas ­Besonderes. „Es ist immer wieder eine Herausforderung, die Weihnachtsgeschichte neu zu erzählen“, meint Anna Scholz. Frieden und Liebe: das sind die Schlüsselbegriffe, die sie mit Weihnachten verbindet.

Pfarrerinnen kennen sich seit der Studienzeit

Als „Neue“ im Pfarrerteam der Elisabethkirche muss sie dieses Jahr noch keine Predigt an Heiligabend oder den Feiertagen halten. Aber sie hat schon einige vorweihnachtliche Gottesdienste mitgestaltet und weiß um die Bedeutung der Worte, die damit verbunden sind.

Die beiden Pfarrerinnen kennen sich bereits seit der ­Studienzeit und waren zuletzt gemeinsam Doktorandinnen der Hans-von-Soden-Stiftung in Marburg. Dabei haben sie festgestellt, dass sie besonders in Sachen kirchlicher Öffentlichkeit eine Wellenlänge haben.

Es geht dabei vor allem darum, die Kirche im Zeichen nachlassender Kirchenbindung mit viel Lebensfreude und Engagement im öffentlichen Raum zu repräsentieren und auf die Menschen auch außerhalb von Kirchen und Gemeinderäumen zuzugehen.

"lebende Weihnachtslieder-Jukebox"

Besonders viel Spaß hat die Pfarrerin der Stipendiatenanstalt derzeit mit ihren Studierenden bei ihren Adventsaktionen. So ist ihre Gruppe regelmäßig an besonderen Orten in der Stadt unterwegs. So gab es am Dienstag vergangener Woche einen morgendlichen Termin mit einer Andacht am Tresen einer Studentenkneipe am Marktplatz. Anhand der Bibelstelle „Erhebet Eure Häupter, wenn Erlösung naht“ ging es dabei im Gespräch um die Bedeutung von Trost.

Gemeinsam haben die beiden Pfarrerinnen sich übrigens eine spektakuläre Aktion ausgedacht, die am vierten Advent über die Bühne geht. Am Sonntag, 22. Dezember, werden zehn Pfarrerinnen und Pfarrer in ­Talaren beim Adventsmarkt am Marburger Marktplatz als „lebende Weihnachtslieder-Jukebox“ agieren. Dabei haben sie nach Knopfdruck und Geldeinwurf in einen Hut theoretisch vier verschiedene Weihnachtslieder im Repertoire.

Das sind allerdings einmal nicht die „Alltime“-Klassiker wie „O du fröhliche“ oder „O Tannenbaum“, sondern eher etwas unbekanntere Lieder wie „Tochter Zion“ oder „Macht hoch die Tür“. Der Erlös, der durch die Jukebox zusammenkommt, soll jedenfalls der Tagesanlaufstätte für Obdachlose zugutekommen.

von Manfred Hitzeroth