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Eine Wildkatze im Wildpark Hanau.
Eine Wildkatze im Wildpark Hanau. Quelle: Paul Meier
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Hanau

Nur langsam kehren die Wildkatzen nach Hessen zurück. Wer die scheuen Tiere sehen möchte, kann sie eigentlich nur im Wildpark bestaunen. Doch selbst dort kann es schwierig werden, diese scheuen Jäger zu Gesicht zu bekommen.

Die Wildkatze ist nämlich im Gegensatz zur Hauskatze ein sogenannter Kulturflüchter. Das bedeutet, die Tiere halten immer größtmöglichen Abstand zu den Menschen.

Im zweitgrößten Tierpark Hessens, in der „Alten Fasanerie“ in Hanau, leben die Wildkatzen in möglichst naturgetreuen Gehegen. „Wir haben die Tiere auch möglichst nicht gehändelt“, teilt uns Tierpfleger Björn Ludwig mit, der nun schon seit 23 Jahren im Wildpark Hanau arbeitet.

Auf dem Weg zum Wildkatzengehege fällt direkt auf: Die Wildkatzen sind wachsamer geworden. Seit der Schließung des Tierparks sind keine Besucher mehr dort gewesen. Deshalb schauen sie nun nach jedem Geräusch, denn es kann im Moment nur ein Tierpfleger sein, der täglich zweimal zur Fütterung vorbeikommt.

Streit ums Futter

Das Gehege der Wildkatzen ist groß und bietet viele verschiedene Versteckmöglichkeiten, also kein Wunder, dass man die Wildkatzen auch hier kaum sieht. Björn Ludwig erzählt uns aber auch von Schaufütterungen der Wildkatzen für Besucher. So können Besucher die Wildkatzen aus nächster Nähe bestaunen. „Die Wildkatzen interessieren sich eigentlich nur für das Futter, welches die Tiere mit uns in Verbindung bringt, ansonsten würden die uns Tierpfleger auch komplett ignorieren“, sagt Björn Ludwig.

Bei den Wildkatzen kommt es auch regelmäßig vor, dass sie gegeneinander kämpfen. Meistens bei den Fütterungen. Der Tierpfleger erklärt uns, dass von den drei Bewohnern des Wildkatzengeheges zwei Katzen etwas „verfressener“ sind als die dritte Katze. „Die braucht doppelt beziehungsweise dreimal so lange wie die anderen, bis sie gefressen hat.“ Da alle Wildkatzen gleich viel Futter bekommen sollen, wartet der Tierpfleger, bis die langsamere Katze gefressen hat.

„Wenn sie Hunger haben, dann fangen die anderen beiden Wildkatzen oft schon mal an zu kämpfen.“ Die Katzen verletzen sich dabei oft an den Augen. Die Tierpfleger achten bei Fütterungen auch immer genau auf Verletzungen und den Gesundheitszustand der Tiere. Sie beantworten bei Schaufütterungen auch gerne alle Fragen rund um die Wildkatze.

Wildkatze? Hauskatze? Was ist der Unterschied?

Eine der am häufigsten gestellten Fragen ist die nach dem Unterschied zwischen einer Wildkatze und einer Hauskatze. Es ist nicht immer einfach, eine Wildkatze von einer Hauskatze zu unterscheiden. Doch es gibt verschiedene Merkmale einer Wildkatze, die von denen der Hauskatze abweichen.

Die Wildkatzen haben eine leicht andere Fellmusterung. Sie haben meistens ein gräuliches Fell mit verwischten Zeichnungen und einen dunklen Strich am Rücken, während die Fellmusterung von Hauskatzen meist kräftig und durchgezeichnet ist.

Es gibt allerdings auch sogenannte Hybriden. In diesen Fällen vermischen sich die Merkmale von Hauskatze und Wildkatze stark. Mit ihrem kräftigen Körperbau, dem buschigen Schwanz und den wachsamen Augen werden die Wildkatzen in der Regel im Wildpark Hanau durch gute tiermedizinische Betreuung 12 bis 13 Jahre alt. In freier Natur leben sie deutlich kürzer.

„Kira“ kehrt zurück

Ein Erlebnis mit den Wildkatzen blieb Björn Ludwig ganz besonders in Erinnerung: Wildkatze „Kira“ ist vor sechs Jahren unbemerkt über eine Tür aus dem Gehege gelangt. Sie blieb zwei Monate lang verschollen. Ab und zu wurde die Wildkatze von Besuchern zwar noch in der Umgebung gesehen, sie blieb aber trotzdem weiterhin verschwunden. Nur durch Glück konnte der Tierpfleger sie wieder einfangen. Er hatte sich schon Sorgen um die Wildkatze gemacht, denn wie er selber erzählt, ist das Problem, dass sie nie richtig gelernt hat zu jagen.

„Dann habe ich einmal früher Feierabend gemacht und bin nach Hause gefahren und habe dann zufällig im Vorbeifahren unsere Wildkatze Kira entdeckt. Ich bin natürlich gleich aus dem Auto gestiegen und konnte sie gerade noch festhalten und mithilfe meiner Kollegen wieder zurück in ihr Gehege bringen“, schildert Björn Ludwig.

Baldrian lockt Wildkatzen an

Zurzeit wird überall in Deutschland die Anzahl der Wildkatzen in unseren Wäldern erforscht. So soll nachgewiesen werden, dass sich die Wildkatzen in Hessen und Deutschland wieder ansiedeln. Der BUND setzt sich schon seit 2004 für einen sogenannten Waldkorridor ein. Dieser soll helfen, dass sich die Wildkatzen problemlos von einem Waldstück zum nächsten bewegen können und sich in unseren Wäldern neu ansiedeln können.

Es werden außerdem in vielen Wäldern Lockstäbe mit Baldrian aufgestellt, die die Wildkatzen anlocken. Wenn die Wildkatzen sich dann an den verführerisch nach Baldrian riechenden Stäben reiben, hinterlassen sie dort Haarproben. Mit ihnen ist es Forschern möglich, die Bestände der Wildkatzen einzuschätzen und so nachzuweisen, dass die Wildkatzen wieder zurückkehren.

Dank dieser Unterstützung könnte es bald wieder möglich sein, mit sehr viel Glück und Geduld eine Wildkatze nicht nur im Wildpark, sondern auch in unseren Wäldern zu sehen.

Von Paul Meier, Gesamtschule Ebsdorfergrund, Klasse 8G1