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Hund Schröder ist ein echter Tausendsassa.
Hund Schröder ist ein echter Tausendsassa. Quelle: Andrea Kraft
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Dreihausen

Schröder ist der bekannte Hund aus Dreihausen in Ebsdorfergrund, jedoch ist er kein gewöhnlicher Hund. Neben Dogdancing, Turnierhundesport und Skateboard fahren hat er noch viele andere Tricks auf Lager, die er mit seinem Frauchen eingeübt hat.

Der mittlerweile zwölf Jahre alte, schwarz-weiße Border Collie ist vielen bekannt. Aber wie sein Frauchen heißt, wissen die wenigsten: Andrea Kraft. Sie hatte vorher schon vier Hunde, hat Erfahrung und wurde im Jahre 2009 zur Schröders Frauchen. Damals war er erst zwölf Wochen alt und kam von einem Züchter aus Brandenburg.

Seinen Namen hat Schröder kurioserweise einer Katze zu verdanken. Diese heißt „Schröder“ und löst den Fall in einer Kriminalgeschichte. Dies begeisterte Schröders Herrchen Gottfried Kammer, Andrea Krafts damaligen Lebensgefährten, so sehr, dass er beschloss, sollte er mal einen Hund bekommen, dann sollte dieser Schröder heißen. Gesagt – getan.

Von Anfang an ging er mit Schröder zu einer Hundeschule in Betziesdorf. Dort wurde Schröder auf Turnierhundesport trainiert. Dabei werden in einem Vierkampf Hürdenlauf, Slalom und andere Hindernisse geprüft, woraus dann ein Ergebnis ermittelt wird. Darin war Schröder so erfolgreich, dass sie jahrelang, jedes Wochenende zu Turnieren gefahren sind und viele Preise abgesahnt haben.

Die mit dem Hund tanzt

Durch die Ernennung zum Kreismeister in Wetzlar qualifizierte er sich zum Beispiel für die Landesmeisterschaften in Mainflingen. Nach einiger Zeit wollte Andrea aber auch etwas machen, da der Turnierhundesport aus gesundheitlichen Gründen für sie nicht infrage kam. Also recherchierte sie und stieß auf das Dogdancing.

Das ist eine Sportart, bei der man wortwörtlich mit dem Hund tanzt. Dafür werden viele aufwendige Tricks aneinandergereiht, so dass es aussieht wie ein Tanz. Ursprünglich kommt die Sportart aus den USA. Mensch und Tier machen rhythmische Bewegungen zu Musik, was auf grundlegendem Hundegehorsam basiert und hohe Anforderungen an Mensch und Tier stellt.

Um ihre Recherche in die Tat umzusetzen, ging Andrea mit Schröder ebenfalls einmal pro Woche zu einer anderen Hundeschule nach Biebertal. Dort erlernten sie und ihr Hund dann den Dogdance, wofür sie zu Übungszwecken auch gerne mal ihre ganze Wohnzimmer-Einrichtung umstellte.

Hunde-Karriere geht weiter

Nach fünf bis sechs Jahren gingen sie in eine andere Hundeschule, um den Umgang mit älteren Menschen und dem Hund zu üben. Schröder sollte lernen, sich unter anderem an Rollstühle, Krücken, Lärm, ungewohnte Bewegungs- oder Verhaltensmuster zu gewöhnen und ruhig zu bleiben. Er wurde zum Senioren-Besuchshund ausgebildet.

Daraufhin gingen sie immer wieder in Alten- und Pflegeheime und hatten sogar einen Auftritt bei der Bürgerhilfe. Bei solch einem Besuch streicheln die Senioren Schröder, oder Andrea führt bei kleinen Auftritten ein paar Kunststücke vor. Gerade für an Demenz erkrankte, alte Menschen sind Tiere Abwechslung und Segen, denn die Vierbeiner können Gefühle der Nähe und Freude wecken. Schröder wedelt dann freudig mit dem Schwanz, als wisse er, dass es etwas ganz Besonderes sei, dass die älteren Menschen so freudig reagieren.

Andrea Kraft mit ihrem Schröder. Quelle: Andrea Kraft

Einmal hatte eine Frau, die in Marburg im Haus Tabor wohnte, eine verkrampfte Hand, weshalb das eigentlich nur gut gemeinte Streicheln auf Schröder wie eine einhauende Faust wirkte. Doch nach einiger Zeit entkrampfte sich die Faust, wahrscheinlich durch das warme Fell von Schröder. „Das war eines meiner schönsten und emotionalsten Erlebnisse“, schildert Andrea, auch wenn sie traurigerweise am Abend einen Anruf von der Pflegerin bekam, dass die Hand der Frau ohne Schröder wieder verkrampfte.

Schröder kann zwischen 20 bis 30 Tricks, doch einer der aufwendigsten war das Ringwurfspiel. „Ich habe schon gedacht, dass er es gar nicht mehr hinbekommt, aber eines Morgens konnte er es auf einmal“, sagt Andrea. Bei diesem Trick wirft sie Ringe durch die Gegend, die Schröder dann einsammelt und auf einem dafür vorgesehenen Docht stapelt. Ein anderer aufwendiger Trick ist, dass sie ihm kleine Joghurtfläschchen gibt, die er dann in ein Getränkekörbchen einsortiert.

Ein Leben lang eng verbunden

Früher konnte er sogar Skateboard fahren oder Fußball spielen, doch das klappt aufgrund seines Alters heute nicht mehr, denn laut Andrea ist er „berentet“. Aber andere Tricks, wie zum Beispiel auf Kommando die Tür schließen, rückwärts gehen, eine Rolle machen und noch vieles mehr funktionieren noch immer. Heute wiederholen sie immer wieder die alten Tricks, denn manchmal vergisst Schröder sie auch – oder Andrea selbst vergisst, was ihr Hund so alles kann.

Hinter so einem Talent steckt natürlich viel Arbeit und Zeit, doch die hat sich Andrea von Anfang an genommen. Für sie und auch Schröders Herrchen war von Beginn an ein verantwortungsbewusster Umgang mit dem Thema Hundehaltung wichtig. Schröder wurde sogar darauf trainiert, keine Leine zu benutzen, was ihm seine noch immer starke Halswirbelsäule dankt, auch wenn er inzwischen an Arthrose leidet.

„Zwischen uns ist eine unsichtbare Leine“, sagt Andrea, „aber manchmal ist das gar nicht so einfach, vor allem mit anderen, fremden Hunden.“ So viel Zeit in Schröder investiert zu haben, hat Andrea bis heute nicht bereut. Denn für sie dreht sich alles um ihren Hund, mit dem sie auch ohne Leine eng verbunden ist.

Von Luisa Grün, Gesamtschule Ebsdorfergrund, Klasse 8G1