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Gesellschaft „Man muss einfach dranbleiben“
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Schueler lesen die OP
Fußballnationalspieler Luca Waldschmidt wurde von Viertklässlern aus Schweinsberg interviewt.
Fußballnationalspieler Luca Waldschmidt wurde von Viertklässlern aus Schweinsberg interviewt. Quelle: Robert Michael/dpa/Archiv
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Schweinsberg

Die Gelegenheit, an ein Interview mit einem Fußballnationalspieler zu kommen, ist gar nicht so einfach, aber die Kinder der vierten Klasse der Grundschule Kunterbunt in Schweinsberg hatten diese Möglichkeit. Denn ihre Deutschlehrerin ist die Patentante von Luca Waldschmidt.

Der 25-Jährige ist zwar nicht bei der laufenden Europameisterschaft dabei, war aber bereits 2019 in der U-21-EM deutscher Torschützenkönig und ist zurzeit unter Vertrag bei Benfica Lissabon. Er macht momentan Urlaub in Deutschland und war gleich bereit für ein Interview. Wegen der Covid-19-Pandemie konnten die Kinder ihn nicht persönlich treffen, sondern sie interviewten ihn über ein Videokonferenzsystem.

Klasse 4: Hallo Luca, vielen Dank, dass du dir Zeit für unser Interview nimmst. Wir machen gerade ein Projekt mit der Oberhessischen Presse und sollen dafür einen Zeitungsbericht schreiben. Da kamen wir auf die Idee mit dem Interview mit dir. Du spielst ja schon lange Fußball. Hast du als Kind bereits Fußball gespielt? Und wie bist du zum Fußball gekommen?

Luca Waldschmidt: Erst mal Dankeschön an euch. Ich freue mich, dass ihr mir Fragen stellt und mit mir sprechen wollt. Zum Fußball bin ich schon ziemlich früh gekommen. Mit vier Jahren habe ich das erste Mal am Training teilgenommen. Aber zu Hause habe ich schon früher mit allen möglichen Gegenständen oder Softbällen rumgeschossen. Zum Geburtstag oder an Weihnachten wollte ich immer nur einen Fußball geschenkt bekommen. Ich glaube, meine Liebe zum Fußball wurde mir schon in die Wiege gelegt, denn mein Papa hat auch Fußball gespielt. Das hängt alles ein bisschen zusammen.

Ich wollte immer gewinnen und besser werden

Es gibt viele Jungs, die sehr gut Fußball spielen. Warum und wie hast du es geschafft, Profifußballer zu werden?

Waldschmidt: Ja, tatsächlich, es gibt sehr viele. Ich denke, man muss einfach dranbleiben – das ist ja mit allem so. Gefühlt war ich jeden Tag nach der Schule auf dem Sportplatz und habe Fußball mit meinen Freunden gespielt. Wir hatten auch immer Training. Ich muss sagen, für mich war immer das Wichtigste, dass ich Spaß am Fußballspielen habe. Als ich in eurem Alter war, ging es gar nicht darum, Profi zu werden, sondern einfach nur Fußball zu spielen. Das hat mich abgelenkt nach der Schule. Ich wollte immer gewinnen und immer besser werden und mich mit den Besten messen. Dann ging alles seinen Weg. Irgendwann bin ich in Frankfurt gelandet und war den Profis einen Schritt näher. Ich habe natürlich auch Gas gegeben.

Aber man muss auf dem Weg auch auf vieles verzichten. Meine Freunde waren zum Beispiel am Wochenende auf Geburtstagsfeiern, auf die ich nicht immer mitkonnte. Aber das gehört eben dazu, um dann irgendwann Profi zu werden. Immer ein bisschen mehr zu machen als alle anderen, auch zu verzichten und der Versuchung zu widerstehen, nicht immer zur Schokolade zu greifen.

Du bist schon früh ins Internat nach Frankfurt gegangen. Wie war das für dich?

Waldschmidt: Das war schon keine einfache Entscheidung. Ich bin vorher ein Jahr immer mit dem Auto hin und her gefahren. Dann bin ich komplett dort ins Internat gezogen – weg von meiner Familie. Das war schon ein Schritt, über den ich lange nachgedacht habe. Am Ende war es der richtige Schritt, weil es sonst auch mit dem Lernen für die Schule nicht mehr so geklappt hätte. Die Schule stand immer an oberster Stelle, weil ich sie immer ordentlich zu Ende machen wollte. Da hatte ich auch ein bisschen Druck von der Mama – die ist auch Lehrerin. Außerdem schaut auch der Verein, dass die Noten stimmen. Wir hatten im Internat auch Unterstützung, wenn wir Hilfe brauchten, weil ja Mama und Papa nicht da waren, um mir schulisch zu helfen.

In der freien Zeit gerne bei der Familie

Uns interessiert natürlich, wie so ein Leben eines Fußballprofis aussieht. Außer Fußballspielen – was machst du noch?

Waldschmidt: Ich lese gerne, spiele ab und zu Playstation oder ich gehe spazieren. Wenn ich zu Hause in Deutschland bin, unternehme ich gerne etwas mit meinen Freunden.

Kannst du uns erzählen, wie so dein Tagesablauf an einem normalen Tag ist?

Waldschmidt: Ja, klar. Ich stehe so um 7.30 Uhr auf, frühstücke und fahre zum Training. Gegen 14 Uhr bin ich wieder zu Hause und esse zu Mittag. Dann ist es unterschiedlich. Manchmal haben wir nachmittags noch eine Trainingseinheit, und dann komme ich erst abends wieder nach Hause zum Abendessen. Danach passiert nichts Spektakuläres mehr. Ich schaue nur noch ein bisschen Fernsehen. Manchmal ist nachmittags kein Training. Dann lese ich, spiele Playstation oder manchmal gehe ich in die Stadt.

Wie viel Urlaub hast du? Wo verbringst du deinen Urlaub?

Waldschmidt: Ich habe gerade vier Wochen Urlaub, weil Sommerpause ist. Im Winter haben wir auch kurz frei. Gerade bin ich zu Hause bei meiner Familie in Deutschland. Ich werde noch mal eine Woche wegfahren, aber ich weiß noch nicht, wohin. Die restliche Zeit bleibe ich dann bei meiner Familie.

Manchmal ein bisschen Heimweh

Wie bereitest du dich auf ein Spiel vor?

Waldschmidt: Ich muss sagen, das ist immer unterschiedlich. Meistens höre ich vorher Musik.

Hast du einen Glücksbringer?

Waldschmidt: Nein, ich habe keinen speziellen Glücksbinger, den ich extra mit zum Spiel nehme.

Du lebst jetzt seit fast einem Jahr in Portugal. Wann vermisst du deine Familie am meisten?

Waldschmidt: Da gibt es keinen bestimmten Zeitraum. Manchmal, wenn man abends nach Hause kommt, denkt man, dass es schön wäre, wenn die Familie oder Freunde da wären.

Warum hast du dir die Rückennummer 10 ausgesucht?

Waldschmidt: Ich mag die 10, und ich glaube, die steht mir auch ganz gut.

Zu welchen Mannschaftskollegen hast du den meisten Kontakt?

Waldschmidt: Mit meinen deutschsprachigen Kollegen, weil ich mich mit denen gut verständigen kann: Julian Weigl kennt ihr vielleicht, Haris Seferovic, Odisseas Vlachodimos – griechischer Name, aber er ist Deutscher.

Lieber Pancakes als Mathe

So, nun starten wir eine Schnellfragerunde. Was magst du an dir am meisten?

Waldschmidt: Ich behandle alle Menschen gleich und mit Respekt.

Wohnst du in einer Villa?

Waldschmidt: Nee. Ich wohne in einem ganz normalen Haus.

Welches Handy hast du?

Waldschmidt: iPhone 12 – glaube ich.

Welches Auto fährst du?

Waldschmidt: Eine Mercedes-A-Klasse.

Hast du Geschwister?

Waldschmidt: Ja, eine kleinere Schwester. Sie ist drei Jahre jünger als ich.

Hast du Haustiere?

Waldschmidt: Meine Eltern haben einen Labrador. Er heißt Sami.

Was ist dein Lieblingsessen?

Waldschmidt: Das ist schwierig zu sagen. In letzter Zeit esse ich ganz gerne Pancakes mit Obst und Ahornsirup.

Hast du eine Freundin?

Waldschmidt: Ja.

Wie heißt die?

Waldschmidt: Das verrate ich euch nicht!

Wie gut warst du in der Schule?

Waldschmidt: Immer ein gutes Mittelmaß – so zwischen 2- und 3-.

Musikgeschmack der Umgebung färbt ab

Was war deine schlechteste Note? In welchem Fach?

Waldschmidt: Meine schlechteste Note war auch die schlechteste Note, die es gibt. Ich glaube, das war in meinem letzten Schuljahr in Mathe.

Hast du TikTok oder Snapchat?

Waldschmidt: Snapchat habe ich, TikTok nicht.

Wer ist dein Lieblingssänger?

Waldschmidt: Wow, da muss ich überlegen. Schwierig zu sagen. Spontan fällt mir Nicky Jam ein. Dadurch, dass ich in Portugal wohne, gefallen mir die spanischen und portugiesischen Songs auch ganz gut.

Spielst du Fifa? Welche Playstation hast du?

Waldschmidt: Ja. Auf der Playstation 5.

Wer ist dein bester Freund?

Waldschmidt: Meinen besten Freund, den werdet ihr nicht kennen, der wohnt bei mir hier zu Hause. Wir waren schon zusammen im Kindergarten und in der Schule.

Welche Sprachen sprichst du?

Waldschmidt: Englisch, Deutsch und mittlerweile auch ein bisschen Portugiesisch.

Wer ist dein Vorbild im Fußball?

Waldschmidt: Vorbild ist schwer zu sagen. Mein Lieblingsspieler ist aber auf jeden Fall Antoine Griezmann.

Hauptsache Ball am Fuß

Welche anderen berühmten Menschen hast du schon getroffen?

Waldschmidt: Die ganzen Jungs von der Nationalmannschaft: Manuel Neuer, Kimmich, Gnabry, Sané, Toni Kroos.

Wie viele Spiele hast du bisher gemacht und wie viele Tore geschossen?

Waldschmidt: Oh, sehr gute Frage. Darüber habe ich noch nie nachgedacht. In der Bundesliga habe ich um die 100 Spiele gemacht. Und jetzt in Portugal etwas über 30 Spiele. Insgesamt müssten es so um die 30 Tore sein.

Was war dein schönstes Tor?

Waldschmidt: Mein schönstes Tor war auch bei der EM der U21 gegen Österreich.

War es nicht das Tor beim Hamburger SV? Da hast du in der letzten Minute das Tor zum Klassenerhalt geschossen.

Waldschmidt: Das war das emotionalste, aber das schönste war das gegen Österreich.

Welches System bevorzugst du? 4-4-2 oder 5-3-2?

Waldschmidt: Eigentlich ist es mir egal – ich bin froh, wenn ich auf dem Platz bin und einfach den Ball am Fuß habe.

Was war dein Lieblingsspiel und warum?

Waldschmidt: Mein Lieblingsspiel war bei der EM der U21 im Halbfinale gegen Rumänien. Wir waren 1:0 in Führung, dann waren die 2:1 in Führung. Das Stadion war voll, die Fans waren in guter Stimmung. Wir haben das Spiel dann noch gedreht und 4:2 gewonnen.

Traum von der Champions League

Welche Verletzungen hattest du?

Waldschmidt: Ich hatte ab und zu mal eine Fußverletzung, weil ich umgeknickt war. Das ist euch bestimmt auch schon mal passiert. Aber nichts so Schlimmes. Mit 18 hatte ich ein bisschen Probleme im Hüftbereich.

Warst du schon einmal schuld an einer Verletzung anderer?

Waldschmidt: Nein, ich glaube nicht.

Gab es peinliche Momente im Spiel?

Waldschmidt: Nee, peinliche Momente gab es nicht. Klar gibt es unangenehme Momente, wenn viele Zuschauer da sind und man hat eine große Chance und man macht das Tor nicht. Dann hört man die Zuschauer stöhnen. Das ist nicht immer angenehm.

Bekommt man die Reaktionen der Zuschauer mit?

Waldschmidt: Es kommt auf die Gemütslage an. Wenn du drei Fehler in Folge machst, dann hörst du die Zuschauer außen mehr. Oder auch wenn du drei gute Aktionen in Folge hast, hörst du es auch. Man hört natürlich die Geräuschkulisse die ganze Zeit, aber meistens blendet man das aus und nimmt das nicht so wirklich wahr, weil man sehr konzentriert ist.

Was wäre dein Traumverein?

Waldschmidt: Schwierig zu sagen. Es gibt so viele gute Vereine. Mein Traum ist auf jeden Fall, in der Champions League zu spielen.

Der Spaß am Kicken ist das Wichtigste

Macht es vom Gefühl her einen Unterschied, ob du für deinen Verein spielst oder für die Nationalmannschaft?

Waldschmidt: Vom Gefühl her ein bisschen. Die Spiele für die Nationalmannschaft sind eben was Besonderes. Zum einen, weil die Spiele nicht jede Woche stattfinden, und zum anderen, weil man sein Land vertritt. Wenn die Nationalhymne vor dem Spiel kommt, dann ist das schon etwas Besonderes.

Was würdest du einem Kind raten, das auch Fußballprofi werden möchte?

Waldschmidt: Für mich ist das Wichtigste, dass man immer Spaß dabei hat, zu spielen, dass man viel spielt und in jungem Alter nicht so verbissen ist und daran denkt „Ich muss Profi werden“. Das wäre der falsche Ansatz. Man sollte einfach froh sein, dass man spielen darf und man gut ist. Klar braucht man auch den Anspruch, dass man immer besser werden will. Das Wichtigste ist aber, dass ihr immer Spaß dabei habt bei dem, was ihr macht. Dann kann das auch erfolgreich werden.

Wenn wir in die Zukunft schauen – was machst du in zehn Jahren oder in 20 Jahren?

Waldschmidt: In zehn Jahren spiele ich vielleicht noch Fußball. Es ist eine gute Frage. Was ich genau machen werde, weiß ich noch nicht. Dann bin ich ja auch schon ein bisschen älter. Dann werde ich eine Familie haben, Kinder haben.

Im Internet steht, du willst Lehrer werden. Stimmt das?

Waldschmidt: Ja, aber gerade würde ich meinen Job nicht tauschen wollen. Wenn ich kein Fußballer geworden wäre, dann wäre Lehrer sicher eine Option für mich gewesen. Das wäre auf jeden Fall spannend.

Welches Fach würdest du dann unterrichten?

Waldschmidt: Sport – das steht natürlich fest. Und als zweites Fach würde ich etwas Richtung Wirtschaft machen. Das lag mir auch in der Schule ganz gut.

Vielen Dank, dass du dir heute Zeit für unser Interview genommen hast.

Waldschmidt: Ja, sehr gerne. Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht und ihr konntet ein paar Infos bekommen, die ihr haben wolltet. Mir hat es auf jeden Fall auch Spaß gemacht mit euch.

Von Klasse 4 der Grundschule Kunterbunt Schweinsberg