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Heidi Lorch-Zinnkann Chefin des ambulanten Pflegedienstes in Wermertshausen.
Heidi Lorch-Zinnkann Chefin des ambulanten Pflegedienstes in Wermertshausen. Quelle: privat
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Wermertshausen

Im Alter stellt sich früher oder später jedem die Frage, ob man zu Hause oder im Altersheim seinen Lebensabend verbringen kann beziehungsweise will.

Entscheidet man sich dafür, in seinem eigenen Heim zu bleiben, stellt sich einem gleich die nächste Frage: Wer pflegt und unterstützt mich, wenn ich nicht mehr kann?

Da nicht jeder Angehörige oder Freunde hat, die die Pflege übernehmen können oder wollen, kommt für viele nur der ambulante Pflegedienst infrage. Wir blicken heute in den Alltag eines ambulanten Pflegedienstes in Wermertshausen.

Früh am Morgen beginnt dort der Dienst. Die Mitarbeiter laden noch schnell etwas ins Auto ein, lesen sich noch ein paar wichtige Unterlagen durch und fahren los. Bei einem Patienten müssen nur die Kompressionsstrümpfe angezogen werden, beim nächsten werden nicht nur diese angezogen, sondern es wird unter anderem auch noch Frühstück gemacht und geduscht.

Ambulanter Dienst hat weniger Zeitdruck

„Die Pflege ist für jeden unserer Patienten individuell angepasst, denn der eine Patient braucht mehr Pflege und der andere eher weniger“, berichtet Heidi Lorch-Zinnkann, Chefin der ambulanten Pflege in Wermertshausen. Aber was genau ist anders bei der ambulanten Pflege im Vergleich zum Altenpflegeheim? Heidi Lorch-Zinnkann erklärt das so:

„Im Altenpflegeheim ist es meistens so, dass sich gerade eine Schwester einer Arbeit widmet, zum Beispiel Computerarbeit und dann von einem Patienten gerufen wird. Sie geht dann also zu dem Patienten und kümmert sich um ihn, aber wenn sie dann zurückkommt, hat sie wieder vergessen, was sie gerade machen wollte. Bei uns in der ambulanten Pflege ist es so, dass wir zu einem Patienten kommen und nicht diesen Zeitdruck haben. Wir kümmern uns dann individuell um diesen einen Patienten und bauen auch eine ganz andere Bindung auf. Es entstehen auch feste Bindungen zwischen den Mitarbeitern und den Patienten. Wir können unsere Arbeit auch den Patienten anpassen, weil wir der Gast in dessen Hause sind. Wenn der Patient also sagt, dass er heute zuerst essen und dann duschen möchte, akzeptieren wir das und es wird so gemacht, wie es der Patient will.“

Geld spielt dabei auch eine Rolle, im ambulanten Pflegedienst werden nur die Leistungen bezahlt, die auch ausgeführt werden. Dies sei ein großer Vorteil und auch ein großer Unterschied zum Altenpflegeheim. Aber nicht nur das Geld, sondern auch die individuell angepasste Pflege sind sehr wichtig für die Patienten.

Pflege ist Multitasking

Was man unter Pflege versteht ist ganz unterschiedlich. Im ambulanten Pflegedienst gibt es klare Leistungen, die erfüllt werden müssen: Von Verbänden anlegen und wechseln bis hin zur Hauswirtschaft. Dafür sind die Leistungen in sogenannten Leistungsmodulen zusammengefasst und in die Leistungen der Krankenkasse sowie die Leistungen der Pflegeversicherung untergliedert.

Man könnte daher auch die Mitarbeiter nicht nur Pfleger und Pflegerinnen nennen, sondern als Multitasking-Pflegerinnen und -Pfleger beschreiben. Man denkt, dass die Mitarbeiter immer unter Zeitdruck stehen würden, dies stellt sich jedoch komplett anders dar. „Meine Mitarbeiter können sich bei dem Patienten alle Zeit der Welt lassen. Wenn man schon gestresst zu den Patienten kommt, stresst die Arbeit nicht nur einen selber, sondern auch die Patienten“, sagt die Chefin.

„Die Patienten sind uns sehr dankbar“

Wenn der Mitarbeiter alle notwendigen Sachen gepackt und aufgefüllt hat, geht es zum ersten Patienten. Dort werden dann in der Reihenfolge, die der Patient bestimmt, die Leistungen, die gebucht wurden, erfüllt. Nach jedem Patienten wird digital bestätigt, welche Leistungen getätigt wurden. Das ist später relevant für die Abrechnung. Weiter geht es mit den nächsten Patienten.

Am Ende des Tages kommen die Mitarbeiter dann nochmal ins Büro, um notwendige Büroarbeiten zu erledigen, etwa bestimmte Dokumente auszufüllen, neue Materialien einzuladen oder geben den anderen Mitarbeitern Infos zu den Patienten. Dadurch, dass der Tagesablauf ungefähr geplant wird, haben die Mitarbeiter auch einen gut strukturierten Arbeitsablauf.

Wie ist denn die Arbeit zwischen Patienten und Mitarbeitern? „Die Patienten sind uns sehr dankbar, dass wir ihnen helfen, sie unterstützten und ihnen Gesellschaft leisten. Dadurch ist die ambulante Pflege ein sehr dankbares aber auch verantwortungsvolles Arbeitsfeld. Es kommen gute Verhältnisse zustande und man unterhält sich oft. Aber die ambulante Pflege ist immer noch sehr verantwortungsbewusst, weil sehr viele Sachen, die wir machen müssen, nicht gerade leicht sind und auch nicht schnell erledigt sind. Man muss sich dafür Zeit nehmen und es richtig machen“, berichtet Heidi Lorch-Zinnkann weiter.

Corona-Tests bieten Sicherheit

So wie uns alle betrifft Corona auch den ambulante Pflegedienst sehr stark. Am Anfang waren die Patienten ängstlich, mit der Zeit sind sie dann aber immer besser mit der neuen Situation klargekommen. Seit Oktober 2020 gilt, dass die Mitarbeiter sich jede Woche testen lassen müssen, den Patienten werden auch wöchentliche Tests angeboten.

Aber was ist, wenn Angehörige die Patienten besuchen wollen? „Wir bieten den Patienten an, die Angehörigen, die sie besuchen wollen auch zu testen. Das geht nicht nur schnell, sondern ist auch stressfrei und sicher für die Patienten.“ Die ambulante Krankenpflege in Wermertshausen komme sehr gut klar mit Corona.

Als Fazit kann man festhalten, dass die Krankenpflege mehr ist als mit alten Leuten zusammenzuarbeiten. Sie umfasst sehr viele Themenfelder und ist sehr umfangreich. In drei Worten beschrieben ist die ambulante Pflege individuell, familiär und selbstbestimmend. Sie ist generell ein wichtiges Thema und doch so wenig beachtet. „Ich wünsche mir, dass die ambulante Pflege populärer wird, auch bei den jungen Leuten“, fügt Heidi Lorch-Zinnkann zum Abschluss hinzu.

Von Luisa Hedrich, Gesamtschule Ebsdorfergrund, Klasse 8G1