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Coronavirus Corona prägt den Klinikalltag
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Eine Pflegehelferin im Gang einer Klinikstation. Die Pandemie belastet das Pflegepersonal zusätzlich.
Eine Pflegehelferin im Gang einer Klinikstation. Die Pandemie belastet das Pflegepersonal zusätzlich. Quelle: Christoph Soeder/Themenfoto
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Marburg

Jule, eine examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, die in einem Krankenhaus arbeitet, wurde von unseren Schüler-Reporterinnen zur Situation in ihrem Beruf während der Corona-Pandemie befragt.

Johanna Beitz/Mailin Siegel: Wie läuft Ihr Berufsalltag während Corona ab? Und hat sich dieser zu vorher stark verändert?

Antwort: Bei uns auf der Station, wo hauptsächlich über 60-Jährige liegen, die sich von zum Beispiel einem Schlaganfall erholen müssen, gab es noch keinen Corona-Fall, aber sobald jemand Symptome wie zum Beispiel Halskratzen oder Ähnliches hat, kommen die Ärzte, um einen sogenannten PCR-Test zu machen. Die Betroffenen werden isoliert und man darf das Zimmer nur noch mit Schutzkittel, Haube, Schuhüberziehern, Handschuhen und natürlich mit FFP2-Maske betreten.

Müssen Sie durchgehend Masken tragen?

Antwort: Ja, sobald wir das Krankenhaus betreten, müssen wir den kompletten Arbeitstag über eine FFP2-Maske tragen. Alle 90 Minuten sollen die Masken gewechselt werden und wir sollen eine Pause machen, diese aber nur alleine. Das ist aber nicht immer so einfach, weil die Patienten nicht nur gepflegt werden müssen, sondern wir auch Aufnahmen und Entlassungen vorbereiten und jeden Morgen auf Visite gehen müssen, wo uns gesagt wird, was wir bei den Patienten zum Beispiel beachten müssen oder wie wir sie behandeln müssen. Wir achten aber darauf, dass wir einfach aus hygienischen Gründen die Masken nach den 90 Minuten so schnell wie es geht wechseln. Pro Schicht habe ich dann ungefähr zwei bis drei unterschiedliche Masken auf.

Erhöhtes Risiko für Pflegepersonal

Was halten Sie vom Maskentragen?

Antwort: Ich finde es notwendig und wichtig, da es ein guter Schutz ist und wir Patienten haben, die unter anderem zur Risikogruppe gehören. Dennoch finde ich es natürlich nicht so gut, denn je länger der Dienst geht, desto unkonzentrierter und müder werde ich.

Haben Sie Angst, sich bei der Arbeit anzustecken?

Antwort: Ich hatte mich tatsächlich angesteckt. Das war aber, weil ich auf unserer Corona-Station aushelfen musste, da dort alle bis auf drei Mitarbeiter schon infiziert gewesen sind und dementsprechend hatten die totalen Personalmangel. Als man mich dann gefragt hat, ob ich da aushelfen kann, habe ich natürlich zugestimmt, denn man will auch die Kollegen unterstützen und dabei habe ich mich dann leider infiziert. Letztendlich war es schon komisch zu hören, dass ich positiv bin und dann zehn Tage in Quarantäne musste. Auch als ich raus konnte aus der Quarantäne ging es mir immer noch nicht wirklich gut und ich hatte danach dann noch eine Mandelentzündung. Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich jetzt wieder gesund bin. Mir ist aber bewusst, dass das Risiko in meinem Beruf da ist, von daher habe ich jetzt nicht so die große Angst davor, mich zu infizieren.

Gefahr durch schlampige Schnelltests

Werden Sie getestet? Wenn ja, wie oft und was ist Ihre Meinung dazu?

Antwort: Einmal die Woche müssen wir einen Schnelltest machen, also einen, bei dem einem ein Abstrich-Stäbchen in die Nase geschoben wird und auch relativ weit, also so, dass es auch ein bisschen weh tut. Jeder hat dann seinen Tag, bei mir ist es zum Beispiel der Donnerstag, an dem ich getestet werde und dann weiß man innerhalb von einer Viertelstunde, was Sache ist. Ich denke schon, dass diese Tests wichtig sind, aber wenn man diesen Schnelltest nicht so zuverlässig macht, weil man zum Beispiel seinem Kollegen nicht weh tun möchte und das Stäbchen dann nicht ganz so weit rein macht, dann können diese eben verfälscht werden. Von der Zuverlässigkeit her bin ich mir da noch sehr unschlüssig, aber die Tests zu machen ist auf jeden Fall wichtig. Gerade in der Zeit, die wir haben, muss man sich einfach absichern.

Ein bisschen Angst vor der Impfung

Wollen Sie sich impfen lassen, beziehungsweise wurden Sie schon geimpft?

Antwort: Als bei uns die Frage aufkam, mussten wir auf einem Zettel ankreuzen, ob wir uns impfen lassen wollen oder nicht. Ich war da erst mal völlig unentschlossen und hatte vor diesem Impfthema tatsächlich ein bisschen mehr Angst als davor, Corona zu bekommen. Dieser Impfstoff ist noch gar nicht so richtig erforscht und man weiß überhaupt nicht, was für Langzeitfolgen der Impfstoff haben kann, weil es eben noch ein völlig neuer Impfstoff ist. Ich habe mich dann trotzdem dazu entschlossen, mich impfen zu lassen. Zum einen wegen meines Berufs, weil es für mich besser ist, wenn ich weiß, dass ich geimpft bin, weil ich mit kranken und alten Menschen arbeite. Zum anderen aber auch einfach, weil das meiner Meinung nach mit die einzige Lösung ist, wie wir das Virus bekämpfen können. Dadurch, dass ich allerdings Corona hatte, muss ich noch ein halbes Jahr warten, bis ich mich impfen lassen kann.

Von Johanna Beitz und Mailin Siegel, Gesamtschule Niederwalgern, Klasse 8.1