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Schueler lesen die OP
20:06 18.07.2022
Der Ringlokschuppen Marburg während der Renovierung.
Der Ringlokschuppen Marburg während der Renovierung. Quelle: Johannes Germano
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Marburg

Den meisten von uns ist das Industriedenkmal Waggonhalle in der Nähe des Marburger Bahnhofs geläufig. Drei der vier Gebäude wurden bereits vor Jahren umgebaut. Der Ringlokschuppen war das letzte sanierungsbedürftige Gebäude.

Lange Zeit überlegte man, wie man das Werkstattgebäude vor dem Verfall schützen könne, bis die Stadt Marburg schließlich das Gebäude 2017 zum Kauf ausschreiben ließ. Der Unternehmer Gunter Schneider und der Architekt Bernward Paulick überzeugten mit ihrem Architekturkonzept einer dreigeteilten Nutzung und gewannen die Ausschreibung.

Tolle Idee auf dem Beamer

Der Eventbereich ist bestuhlt, bietet Platz für bis zu 1.000 Leute und ist eine Alternative für öffentliche sowie private Feiern, da es in Marburg nicht viele Event- und Konzerthallen gibt. Hinzu kommt der allgemein zugängliche Gastronomiebereich mit Restaurant, Deli, Café und einer Bar, wo sehr auf Nachhaltigkeit gesetzt wird. „Wir wollen ein besonderes Gastro haben. Welches naturnäher funktioniert‘‘, sagte Gunter Schneider.

Der dritte Teil ist ein Bereich für Start-up-Unternehmen und Coworking. Hier kann man Ideen in separaten Räumen austauschen und mit Hilfe eines Beamers auf einer sogenannten Pitching-Bühne vorstellen. „Wenn man eine tolle Idee hat, dann wirft man sie hier ein‘‘, erklärte er. Nördlich des Lokschuppens soll noch ein Hotel mit rund 80 Zimmern entstehen.

Zum Thema Innenausbau erzählte der Bauherr Gunter Schneider, dass sogar verschiedene Teile für den neuen Lokschuppen extra angefertigt werden mussten. Weil es zum Beispiel den großen Grill mit einem Durchmesser von 3 Meter für das Restaurant, so wie er ihn haben wollte, auf dem Markt nirgends zu kaufen gab, musste dieser in eigener Regie entwickelt und in einem seiner Unternehmen als Unikat gebaut werden. Weitere Einzelanfertigungen sind mehr als 1.500 Leuchten, die Loren auf den Schienen und Teile der Drehscheibe.

Historisches Flair bleibt erhalten

Abgesehen davon, dass der Ringlokschuppen unter Denkmalschutz steht, hatte es für Gunter Schneider und Bernward Paulick höchste Priorität, durch den maximalen Erhalt die Struktur beizubehalten. „Es geht immer darum, die Wahrnehmung des Ganzen aufrechtzuerhalten“, so Schneider. So wurden die im Innenbereich durch Kohlestaub verfärbten und an einigen Stellen maroden Backsteinwände nur so weit restauriert, dass es den Aufenthalt der Besucher nicht gefährdet. Vielfach wurden sogar Graffiti an den Wänden erhalten. „Da wollten wir nicht den Spirit des Gebäudes rausnehmen. Denn wenn die Oberfläche abgestrahlt wird, hast du im Endeffekt nur noch ein beliebiges Gebäude“, erzählte er.

Die alten Eisenbahnschienen im Boden kann man sowohl draußen als auch drinnen bestaunen und die alte Wärtergrube wurde zu einer Art Chilllounge umfunktioniert. Auch ein Zeitzeuge wie die alte Drehscheibe, die nunmehr unter anderem als drehbare Konzertbühne dient, ist durch aufwendige Instandsetzung erhalten geblieben. „Die Drehscheibe kann sich auch per Knopfdruck drehen lassen, aber es ist natürlich interessanter, wenn man es gemeinsam mit der Hand probiert.“

Auch der Lokschuppen war von den bekannten Lieferkettenproblemen betroffen. Hinzu kam eine verzögerte Baugenehmigung, sodass der Zeitdruck nochmal erhöht wurde. Doch Mitte Mai dieses Jahres konnte die Eröffnung endlich stattfinden.

Von Johannes Germano, 8a, Gymnasium Philippinum