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Schueler lesen die OP
19:50 12.07.2022
Einsamkeit und Vernachlässigung von Kindern waren während der Hochzeiten der Pandemie Themen.
Einsamkeit und Vernachlässigung von Kindern waren während der Hochzeiten der Pandemie Themen. Quelle: Annette Riedl/dpa/Themenfoto
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Marburg

Während der Corona-Pandemie hatten es vor allem viele Kinder schwer. Sie konnten zeitweise weder in Kindergärten oder Schulen noch Hobbys nachgehen. Auch in den Familien gab es Probleme – den ganzen Tag in einer Wohnung zusammen zu leben, ohne die Möglichkeit, nach draußen zu gehen, konnte viele Probleme verursachen. Daher war laut des Hessischen Statistischen Landesamtes 2020 ein neuer Höchststand an Kindeswohlgefährdungen in Hessen zu verzeichnen.

Kindeswohlgefährdungen entstehen, wenn die psychische und/oder körperliche Sicherheit eines Kindes nicht mehr gewährleistet ist. Von 15.604 Gefährdungseinschätzungen wurden 5.060 Fälle von Kindeswohlgefährdungen festgestellt. Davon wurden 4.061 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen. Gefährdungseinschätzungen werden durchgeführt, um die Sicherheit eines Kindes zu überprüfen. Dies geschieht unter anderem, wenn Nachbarn oder Betreuer Verletzungen oder andere Auffälligkeiten an dem Kind oder Jugendlichen feststellen.

Die häufigsten Gründe für Inobhutnahmen sind Überforderung der Eltern und unbegleitetes Einreisen aus dem Ausland. In vielen Familien kam es zu Misshandlungen oder Vernachlässigung der Kinder. Bevor das Familiengericht entscheidet, ob das Kind zurück zu den Eltern kann oder in eine Pflegefamilie kommt, oder ob der Familie eine Familienhilfe zur Seite gestellt wird, kommen die Kinder oft in Bereitschaftspflegefamilien.

Rund um die Uhr für Kinder da

Dies ist vor allem für kleine Kinder besser als in eine Wohngruppe zu kommen, denn dort hätten sie keine feste Bezugsperson. Bei diesen Familien leben sie dann bis zu einem halben Jahr, in Ausnahmefällen auch länger. Während dieser Zeit ist das Kind Teil der Familie, es isst, lebt und schläft bei ihnen. Es wird auch zu Therapien begleitet.

Bereitschaftspflegefamilien müssen rund um die Uhr erreichbar sein. Wenn ein Kind in Obhut genommen wird, wird kurz zuvor eine Bereitschaftspflegefamilie angerufen und meist schon wenige Stunden später wird das Kind vorbeigebracht. Die leiblichen Eltern haben das Recht, die Kinder ein- bis zweimal in der Woche zu sehen. Dies geschieht meist unter Aufsicht im Jugendamt.

Eine Bereitschaftspflegemutter berichtet: ,,Es gibt einvernehmliche Fälle, wie zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter, die ins Krankenhaus musste, weshalb der vierjährige Sohn für einige Wochen zu uns und dann ohne Probleme zurück zur Mutter ging. Es gibt aber auch schwierigere Fälle, wie ein wenige Tage alter Junge, der gegen den Willen der Mutter in Obhut genommen werden musste. Das Familiengericht entschied dann, dass das Kind, wegen des Suchverhaltens der Mutter, nach knapp 9 Monaten in einer Dauerpflegefamilie untergebracht werden soll.“

Um den hohen Zahlen entgegenzuwirken, muss eine durchgängige Betreuung der Kinder auch außerhalb der Familien sichergestellt werden. Das heißt, dass auch in Zeiten der Pandemie die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit haben müssen, Gleichaltrige zu treffen und fremdbetreut zu werden.

Von Franziska Kräling, 8a, Gymnasium Philippinum

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