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14:41 14.07.2022
Drüsiges Springkraut.
Drüsiges Springkraut. Quelle: Weigel
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Ebsdorfergrund

Die meisten Wanderer oder Radfahrer werden sie schon bemerkt haben: Die bis zu zwei Meter hohe, rot blühende Pflanze ist an Ohm und Lahn oder auch an Waldrändern und Wanderwegen etwa um Homberg/Ohm oder Kirchhain seit Jahren nicht wegzudenken.

Seit einigen Jahren besiedelt sie auch die kleineren Bachläufe. Das Drüsige oder Indische Springkraut, auch Himalaya-Balsamine genannt, gehört zu der Familie der Balsaminengewächse. Die Bezeichnung als „Drüsiges“ Springkraut rührt von den Drüsen an Blattgrund und Blattstiel.

Die Verbreitung wird auch durch Kinder begünstigt, die durch eine Berührung des Samens den Schleudermechanismus auslösen, wodurch die Samen bis zu sieben Meter weit geschleudert werden. Dieser namensgebende Mechanismus kann auch schon durch einen Regentropfen ausgelöst werden.

Ufer der Ohm von dieser Pflanze dominiert

Das Drüsige Springkraut stellt geringe Bodenansprüche und kann bei ausreichender Wasserversorgung in kürzester Zeit eine Höhe von zwei Metern erreichen und somit umliegende Pflanzen überwuchern. Es produziert mehr Nektar als vergleichbare heimische Pflanzen, hat einen starken Duft und eine lange Blütezeit von Juni bis Oktober. Dies macht es zu einer beliebten Pflanze bei Bienen und anderen Insekten. Durch die späte Blütezeit ist es zudem eine der einzigen Futterquellen in der blütearmen Zeit im Hochsommer und wird deshalb auch von Imkern geschätzt.

Jede Pflanze produziert etwa 1.600 bis 4.300 Samen, deren hohe Keimfähigkeit bis zu fünf Jahre erhalten bleibt. Auch etwa durch Stürme abgerissene Pflanzenteile können an den Sprossknoten schnell wieder neue Wurzeln bilden. Bei dieser Vitalität verwundert es nicht, dass besonders die Ufer der Ohm von dieser Pflanze dominiert werden. Sie bilden sogenannte „unduldsame Reinbestände“.

Aus dem Himalaya nach Europa

Die Passantin Frauke Hofmann, die ich auf das Thema ansprach, äußert ihre Bedenken: „Ich bedaure, dass die Bachläufe so eintönig bewuchert sind. Ich sehe auch gerne die traditionellen, einheimischen Pflanzengesellschaften mit Mädesüß, Baldrian, Schafgarbe und Rainfarn. Ich würde mir wünschen, dass das Springkraut wenigstens in den kleineren Zuläufen der Ohm bekämpft würde.“

Das Drüsige Springkraut gehört zu den gebietsfremden Arten, die sich schnell und unkontrolliert ausbreiten und nachteilige Folgen für die Ökosysteme und deren biologische Vielfalt haben. Dadurch droht es, die einheimische Vegetation von ihren natürlichen Standorten zu verdrängen; allerdings wird die Notwendigkeit einer Bekämpfung von naturschutzfachlicher Seite in Zweifel gezogen, da die Art als späte Bienenweide für Honigbienen geeignet ist.

Der ursprüngliche Verbreitungsraum der Pflanze lag im Himalaya. Im Jahr 1839 wurde sie erstmals als Zierpflanze nach England eingeführt. Zehn Jahre danach kam das Springkraut bereits in freier Natur vor, in den achtziger und neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts verbreitete es sich in Frankreich und an den Küstenregionen von den Niederlanden und Deutschland.

Bald auch am Oberrhein abwärts von Basel. Heute ist es nahezu auf dem gesamten europäischen Kontinent und auch in Nordamerika verbreitet. Seit 2017 steht das Drüsige Springkraut auf der Liste der invasiven gebietsfremden Arten von unionsweiter Bedeutung.

Heimische Pflanzen werden verdrängt

Hierin werden Arten aufgeführt, wie etwa der Waschbär, die sich, absichtlich oder unabsichtlich eingeführt, unter erheblichen nachteiligen Auswirkungen für die Umwelt in der freien Natur verbreitet haben.

Das Drüsige Springkraut wird oft bekämpft, da es die einheimischen Pflanzen verdrängt. Es lässt sich verhältnismäßig einfach bekämpfen, da es einjährig ist und die Verbreitung zumeist über die Samen erfolgt. Bis zur Bildung der ersten Blüten verhindert ein tiefer Schnitt die Bildung und Verteilung von Samen.

Das Springkraut lässt sich aufgrund der nicht tief reichenden Wurzeln auch gut ausreißen. Diese Maßnahme muss vor der Samenreife durchgeführt werden. Da es an den Sprossknoten leicht zur Wiederbewurzelung kommt, sollten ausgerissene oder gemähte Pflanzen abgeräumt und kompostiert oder zum Trocknen ausgelegt werden.

Die bearbeiteten Flächen müssen jedoch in den folgenden Jahren kontrolliert werden, denn der Samenvorrat im Boden kann insgesamt fünf Jahre keimfähig bleiben. In einigen Regionen befällt auch die Schwarze Bohnenlaus die Pflanze und ist somit ein natürlicher Feind.

Von Veronika Rohr, 8G2, Gesamtschule Ebsdorfergrund