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Schueler lesen die OP
14:37 14.07.2022
Geflüchtete warten an der ukrainisch-polnischen Grenze auf ihre Einreise nach Polen. Ein ehemaliger Lehrer aus Stadtallendorf hat dort geholfen.
Geflüchtete warten an der ukrainisch-polnischen Grenze auf ihre Einreise nach Polen. Ein ehemaliger Lehrer aus Stadtallendorf hat dort geholfen. Quelle: Kay Nietfeld/dpa
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Stadtallendorf

Herr Runge erzählt, was ihn dazu bewogen hatte, zu helfen. Er will den Schülerinnen und Schülern von sich selbst und seinen Erfahrungen berichten, damit sie sich ein Bild machen können und selbst entscheiden, ob und wie sie helfen wollen oder können.

„Das Leiden ist groß“, platzt es aus ihm heraus. Als er die Klasse betrat, wurde es mucksmäuschenstill. In der achten Klasse konnte man eine Stecknadel fallen hören. Alle schauten ihn, den großen Mann mit seiner freundlichen Stimme, mit wachen Augen an, um jede Bewegung seiner Lippen sehen zu können. Als er anfing zu erzählen, was er auf seiner Hilfsaktion gesehen und erlebt hatte, hörten ihm alle Schüler aufmerksam zu und waren sehr berührt.

„Ich habe eine Frau getroffen, die seit sechs Tagen mit ihren zwei kleinen Kindern auf der Flucht in der Ukraine war. Sie trug eine Tasche auf ihrem Rücken, die ich kaum heben konnte.” Das festigte sich bei den Schülern und Schülerinnen im Kopf. „Wir organisierten aus Spenden den Hilfstransport und fuhren durch Polen, bis wir an der ukrainischen Grenze ankamen.“ Niemand kann sich vorstellen, wie viele Menschen auf der Flucht sind, und was es für sie bedeutet.

Manche wollen gar nicht helfen

„Erstaunt hat mich”, sagt Herr Runge mit eindringlicher Stimme, „dass es tatsächlich Helfer und Helferinnen gibt, die anderes im Sinn haben.“ Die Schüler und Schülerinnen schauen sich an. Ein Fragezeichen schwebt in der Luft, dann erklärt Herr Runge, was er beobachten musste, aber kaum fassen konnte. Nicht jeder Helfer hilft auch.

„Es gibt leider auch eine Menge Betrüger unter ihnen, was für die Hilfesuchenden doppelt so schlimm ist. Wem können sie vertrauen? Aber auch in Deutschland gibt es Menschen, die die Situation der Frauen, die flüchten, ausnutzen wollen.“

Auch anderes erstaunt: Nicht alles, was in die Hilfspakete gepackt wird, ist brauchbar. Manche entsorgen auf diese Art ihren Müll. Die beste Hilfe kommt aus Familien, die selbst Kinder haben. Abschließend richtet er einen Appell an alle Zuhörenden: „Denkt daran, was für euch gut wäre, dann liegt ihr goldrichtig.“

Als die Schüler in die Pause gehen, schleichen sie nachdenklich über den Hof.

Von A. Al Dayat und E. Kayadelen, G8a, Georg-Büchner-Schule Stadtallendorf