Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Gesellschaft Schmutziges Licht gefährdet Pflanzen und Tiere
Mehr OP extra Schueler lesen die OP 2020 Gesellschaft Schmutziges Licht gefährdet Pflanzen und Tiere
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:23 30.04.2020
Beleuchtete Hochhäuser in Doha (Katar) bei Nacht. Unnötige Lichtquellen, zumal in bestimmten Farbtemperaturen, können sich schädlich auf Tier- und Pflanzenwelt auswirken. Quelle: Andreas Gebert/dpa/Archiv
Anzeige
Marburg

Im Zuge des drastischen Klimawandels und der zunehmenden Umweltverschmutzung gibt es noch eine weitere nicht zu unterschätzende Verschmutzung – die Lichtverschmutzung.

Wenn man heutzutage nachts eine kleine Wanderung macht, sieht man leider kaum Sterne. Wenn man nun seinen Blick am Nachthimmel zum Horizont schweifen lässt, wird einem schnell klar warum:

Anzeige

In ein paar Kilometern Entfernung befindet sich die nächst größere Stadt, die man zwar nicht direkt sehen kann, aber trotzdem an der kilometerweit sichtbaren Lichtglocke erkennt.

Diese Lichtglocke – oder auch Lichtsmog genannt – besteht aus überflüssigem Licht, das meist von Industriegebieten und Einkaufzentren in den Himmel abgestrahlt wird. Dieses Licht ist nicht nur für die Astronomen und Astrofotografen, die sich schon auf die entlegensten Winkel der Erde zurückgezogen haben, ein Problem, sondern hat auch weitreichende Folgen für die Tierwelt.

Tiere verwechseln Lampen mit dem Mond

Zum Beispiel für die Zugvögel. Ein großer Teil der Vögel zieht des nachts und orientiert sich an dem Stand des Mondes und der Sterne. Diese Orientierung wird dann durch hohe angeleuchtete Gebäude oder Skybeamer gestört.

Es gibt eine weitere Tiergattung, die noch weit mehr von der zunehmenden Lichtverschmutzung betroffen ist: die Insekten. 90 Prozent aller Insekten sind nachtaktiv. Sie fliegen immer in einen bestimmten Winkel zum Mond und orientieren sich so.

Doch wenn sie an einer Straßenlaterne vorbeifliegen, verwechseln sie das Kunstlicht manchmal mit dem Mond. Sie werden dann völlig orientierungslos und landen schließlich verbrannt oder tot vor Erschöpfung an der Lampe.

Bewegungsmelder können helfen

Dies ist ein Grund für das massenhafte Insektensterben der vergangenen Jahre. Dieses Aussterben führt zu einem Teufelskreis: Wenn Insekten sterben, können diese bestimmte Pflanzen nicht mehr bestäuben. Die Pflanzen wiederum können sich nicht fortpflanzen und sterben ebenfalls aus. Viele Tiere, die von den Pflanzen in einer Form abhängig sind, sterben ebenfalls.

Doch man kann Einiges tun, um diesen Teufelskreis gar nicht erst ins Rollen zu bringen. Man könnte sich in Zukunft genau überlegen, wohin das eingesetzte Licht strahlt und ob es an dieser Stelle vielleicht überflüssig ist und es möglicherweise in der Nacht zu reduzieren oder gleich einen Bewegungsmelder kaufen.

Noch dazu ist es besonders bei Straßenlaternen ein großer Unterschied, welches Farbspektrum man verwendet, so empfindet ein Mensch ein besonders kaltes Licht als sehr grell und ein eher warmes als wohltuend.

Nur Energieeffizienz statt Umwelteffizenz

Dieses Farbempfinden gibt es auch in der Insektenwelt. Diese Tiere werden von sehr bläulichem Licht angelockt (Farbtemperatur 4.000 Kelvin) und halten sich von warmen Lichtquellen eher fern. Die meisten neueren Straßenlaternen sind auf 4.000 Kelvin eingestellt. Dies ist sehr anlockend für viele Insekten und irritiert diese.

Doch nicht nur Straßenlaternen sind sehr kalt, die allermeisten LEDs sind auf eher kalte Farben eingestellt. Dies ist auf die Energieeffizienz zurückzuführen. Die EU hat in den letzten Jahren sehr auf Energieeffizienz geachtet und nicht auf Umwelteffizenz, dies kann man an jedem Industriegebiet sehen.

Dieses sehr billige Licht wird nun verschwenderisch in die Umwelt entsandt und überblendet die sogenannten Schwachlichtsensoren der nachtaktiven Tiere und führt zu Stoffwechsel- und Verhaltensstörungen.

Einige Projekte bilden Gegenpol

Aber nicht nur bei den Tieren führt das ganze Licht zu Problemen, sondern auch in der Pflanzenwelt. Für einen Baum, der direkt neben einer Straßenlaterne steht, scheint der Sommer nie aufzuhören, und er treibt mitten im Winter Blätter aus – und noch dazu nur an den Stellen, die durchgehend von der Straßenbeleuchtung angestrahlt werden, dies soll zu grotesken Anblicken führen.

 Doch es wird auch schon in vielen Gegenden etwas gegen Lichtverschmutzung getan. So entstand zum Beispiel der Sternenpark Rhön oder auch die erste Sternenstadt in Deutschland. Vielleicht kann man doch noch hoffen, dass man auch zukünftig noch den prächtigen Anblick der Milchstraße bestaunen kann.

Von Frederic Lefebvre, Elisabethschule, 8b

Anzeige