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Gesellschaft Kleine Plagegeister – große Schäden
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19:52 23.06.2020
Ein kleines Tier richtet große Schäden an: der Borkenkäfer. Quelle: Matthias Hiekel/dpa/Archiv
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Marburg

Eine Amsel hüpft durch das trockene Laub. Auf ihrem Rücken spürt sie die Sonne. Die Sonne, die sie eigentlich nicht hätte spüren sollen. Denn unter normalen Umständen wäre hier Schatten, der von hohen Fichten stammen würde.

Doch diese Fichten liegen jetzt, in kleine Stücke geschnitten, am Wegrand und warten darauf, dass sie für wenig Geld verkauft werden. Die Amsel fliegt weiter, landet auf einem Baumstumpf, aus dem halbgetrocknetes Harz quillt. Sie schaut sich um. Kein Wald mehr. Nur noch Sträucher und vereinzelt eine krumme Birke, deren Äste nach unten hängen.

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Und das alles wegen eines kleinen Käfers, der seine Eier unter die Rinde bereits geschwächter Kiefern legt. Der heiße Sommer 2018 und die Borkenkäferplage 2019 waren einfach zu viel für den Wald.

Geschätzte zehn bis fünfzehn Prozent des etwa 46 Hektar großen Interessentenwaldes in Schönbach sind von den Auswirkungen der vielen Borkenkäfer betroffen.

Kühler, regnerischer Sommer könnte helfen

Dort, wo der Borkenkäfer war, stehen jetzt kaum noch Bäume, da die Fichten, die von den Schädlingen befallen wurden, sofort gefällt werden mussten, um die Vermehrung und die Ausbreitung der einzelnen Käfer zu verlangsamen oder gar zu stoppen. Denn von einem Borkenkäferweibchen können über das ganze Jahr verteilt bis zu 100.000 Nachkommen ausgehen.

Normalerweise wäre es für die Fichten kein Problem gewesen, die Käfer mit ihrem Harz zu bekämpfen, doch durch den trockenen Sommer im Vorjahr können die Bäume das benötigte Schutzmittel nicht bilden. Das Einzige, was man hoffen kann, ist, dass es dieses Jahr einen kühlen und regnerischen Sommer gibt, in dem sich die Bäume ein bisschen erholen können.

Die Flächen, die vor zwei Jahren noch mit großen Bäumen bedeckt waren, sind jetzt eingezäunt, um die dort neu angepflanzten Douglasien und Weißtannen vor Rehen zu schützen. Überall am Wegesrand liegt das Holz geernteter Fichten.

Holzmarkt im Keller

Doch was passiert eigentlich mit dem ganzen Holz? „Das Nutzholz wird verkauft. Aber da der Markt in Deutschland so eng ist, weil es so viel Holz gibt, wird fast alles für einen niedrigen Preis nach China verkauft. Und was nicht als Nutzholz genutzt werden kann, wird als Brennholz verbrannt“, sagt ein Waldinteressent, dem auch Teile des betroffenen Waldes gehören.

Diese Plage ist nicht nur schlecht für den Wald, sondern auch ein finanzieller Schaden für die Waldbesitzer. Auf die Frage, ob man etwas gegen den Schädling tun kann, antwortet er: Nein, man könne nur so schnell wie möglich die befallenen Bäume entfernen. Jetzt bleibt nur noch die Frage offen: „Wird es diesen Sommer genauso schlimm?“

Von Emma Lauer, 8d, Elisabethschule

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