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Schüler lesen die OP 2019 Opfer berichtet über Cybermobbing
Mehr OP extra Schüler lesen die OP 2019 Opfer berichtet über Cybermobbing
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18:57 12.04.2019
Fiese Sprüche via Messenger: Solche Nachrichten können beim Empfänger zu seelischen Problemen führen. Privatfoto Quelle: privat
Marburg

„Du bist hässlich!“, diese Worte bekommt die Schülerin, die anonym bleiben will, über Socialmedia zu hören. Obwohl fast ein Drittel der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren sich bereits mit Cybermobbing beschäftigt hat, gehören Dienste wie Instagram, Twitter, Tellonym, Whatsapp zum Alltag der Jugendlichen.

Cybermobbing, auch Cyberbullying genannt, ist das Beleidigen, Drohen, Bloßstellen oder Erpressen anderer Leute für einen gewissen Zeitraum durch digitale Geräte, dies kann durch E-Mail, SMS, Anrufen und vor allem durch Socialmedia erfolgen. Da die Schülerin selbst und viele weitere Jugendliche diese Apps fast täglich nutzten, um mit Freunden zu kommunizieren, können verheerende Folgen passieren.

Anonyme Plattform macht es Tätern leicht

„Über Tellonym wurde ich schon oft wegen meiner Figur beleidigt, sie machen es meistens über Tellonym, da es erstens anonym ist und zweitens sie sich nicht trauen es mir ins Gesicht zu sagen“, sagte uns die Schülerin.

Tellonym ist eine Plattform, auf welcher man seine Meinungen und Fragen äußern kann, dabei aber seine Identität nicht preisgibt, also anonym bleibt. Deswegen ist Cybermobbing auf dieser Plattform sehr verbreitet. Auch wenn die Sozialen Netzwerke bereits Maßnahmen dagegen ergriffen haben und Cybermobbing sich seit 2013 reduziert hat, ist es nichtsdestotrotz ein großes Thema. In Schulen werden Versammlungen veranstaltet, in denen über Cybermobbing informiert wird.

Manche Opfer bekommen Depressionen

Die Motive der Täter sind meistens Neid, Entlastung, Wut, Langeweile, Rache oder Versagensängste. Oft sind sie sich den Folgen ihrer Taten unbewusst.  „Mich haben die Äußerung über meine Figur am Anfang sehr gestört, ich hab mich natürlich deswegen für meinen Körper geschämt. Je länger ich mich damit beschäftigt habe, umso schlimmer fühlte ich mich auch“, sagt die betroffene Schülerin. 

Anders als beim normalen Mobbing, das in den meisten Fällen in der Schule, im Job oder in der Familie stattfindet, können Täter beim Cybermobbing zu jeder Zeit ihre Opfer belästigen, ohne direkten Kontakt. Viele ihrer Opfer verlieren nach den Stunden, Tagen, Monaten oder vielleicht sogar Jahren ihr Selbstbewusstsein, ihr Minderwertigkeitsgefühl dagegen und Scham für ihren Körper, Aussehen oder Persönlichkeit werden verstärkt.

Cybermobbing kann außerdem noch zu Depressionen, Schlafstörung und Angstzuständen führen, die das Opfer sozial isolieren können. Die verletzenden Worte der Täter bereiten manchen Betroffenen so viel Angst, dass sie das Haus nicht mehr verlassen. Im schlimmsten Fall führt es zum Suizid.

Experten raten: Hilfe holen

Das Cybermobbing kann einige Opfer sogar noch in der Zukunft verfolgen, denn nicht alle Arbeitgeber tolerieren es, wenn sie unangemessene Bilder oder Verleumdungen ihrer Mitarbeiter im Netz finden.

Was kann man dagegen tun? Viele der betroffenen Jugendlichen versuchen, mit ihrer Situation alleine zurechtzukommen, da sie sich meistens schämen. Doch dieses hilft nur bei sehr seltenen Fällen. Darum raten Experten den Opfern, sich immer bei jemand Vertrautem Hilfe zu holen. Es gibt auch Hotlines und Einrichtungen, die man kontaktieren kann.

Gemeinsam fällt es leichter, eine Lösung zu finden, die Täter aufzuhalten. „Und irgendwann wurde mir klar, dass es meine Entscheidung ist, ob mir mein Körper gefällt oder nicht. Und bei solchen Sachen hatte ich auch viele Leute, die hinter mir standen“, erzählt die betroffene Schülerin.

von Adama Sow und Sarah Krempeck, 8c, Gymnasium Philippinum