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Schüler lesen die OP 2019 Die Zeitungsbranche im Wandel
Mehr OP extra Schüler lesen die OP 2019 Die Zeitungsbranche im Wandel
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17:00 13.06.2019
Die Oberhessische Presse gibt es, neben der klassischen Papierform, auch als E-Paper und als Online-Ausgabe. Quelle: Thorsten Richter/Archiv
Marburg

Egal ob im Kiosk, im Supermarkt, im Bahnhof oder Zuhause: Überall hängen oder liegen Zeitungen.

Wir müssen nicht lange suchen, bis wir eine entdeckt haben. Doch immer weniger Menschen kaufen sie.

Ist die gedruckte Zeitung vom Aussterben bedroht?

Höchstens mal kurz drübergeschaut

Wie jeden Morgen wacht der 80-jährige Herbert Wagner auf und geht müde die Treppe zum Briefkasten herunter. Denn wie viele ältere Menschen im Landkreis holt er sich interessiert die Oberhessische Presse (OP). Doch was ist, wenn man zur Jugend schaut?

„Also wir haben zwar eine Zeitung zuhause, aber wirklich lesen tu ich sie nicht. Mal kurz drüberschauen, das war's“, antwortet eine Schülerin des Gymnasium Philippinum. Diese und ähnliche Aussagen bekommt man zu hören, wenn man die Klasse 8a des Philippinums zum „Zeitunglesen“ befragt.

Viele der Schüler merken noch an, dass sie zwar zuhause eine Tageszeitung hätten, da ihre Eltern sie bestellen, aber dass es die Schüler selbst nicht wirklich reize, die Zeitung zu lesen. „Manchmal schaue ich vor der Schule auf mein Handy, um dort online mal die aktuellen News durchzustöbern“, sagen einige Schüler.

Internet ist schneller und kostenlos

Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könnten, zukünftig eine gedruckte Zeitung ganz klassisch bei sich auf dem Frühstückstisch liegen zu haben, werden von den meisten Schülern sofort die Köpfe geschüttelt. Manche überlegen zwar, aber der Großteil verneint die Frage.

Die Schüler untermauern ihre Aussage damit, dass man inzwischen fast jede Nachricht schnell und aktuell im Internet finde und man dafür kein Geld ausgeben müsse. Der Preis vieler Zeitungen stieg aufgrund der geringeren Abnahme durch zurückgehende Käuferzahlen an.

Im Zuge eines Schulprojektes lesen die Schüler mehrere Wochen lang die OP. Sie lesen die OP, wie es viele tun: ganz klassisch, in Druckformat, so dass man die Zeitung rascheln hören kann.

Verlage versuchen sich anzupassen

Doch wird es die Zeitung noch weiterhin im klassischen Druckformat geben? Eine Redakteurin der OP, die im während des Projektes die Klasse 8a besucht, antwortet auf diese Frage: „Es wird nach wie vor viele Leser geben, die etwas in der Hand haben und nicht schon beim Frühstück in einen Bildschirm schauen wollen. Von daher glaube ich, dass es die gedruckte Version noch lange geben wird. Vielleicht wird die Auflage langfristig gesehen kleiner werden!“

Die Zeitung wurde etwa 1650 erfunden und hat sich bis heute, trotz großer Konkurrenz von Fernsehen und Radio, auf dem Markt gehalten. Jedoch steht das Internet, was die heutige Jugend sehr prägt, seit nun fast 20 Jahren im Wettbewerb mit der Zeitung.

Etwa 56 Millionen Menschen in Deutschland lesen sogar noch Zeitung, davon aber wiederum rund 11 Millionen online. Fast jede große Zeitungsagentur hat einen E-Reader, also veröffentlicht Artikel via Internet, wie auch zum Beispiel die OP. So möchte man mit der großen Konkurrenz mithalten.

Professor prophezeit Print-Ende

Statistisch gesehen lesen primär ältere Menschen (50+) eine gedruckte Zeitung. Laut Aussage von Professor Klaus Meier vom Lehrstuhl für Journalistik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt könnte die letzte gedruckte Zeitung 2033 erscheinen, falls dieser Trend anhalte.

Das bedeutet, dass es die Zeitung in ein paar Jahren nicht mehr in dieser großen Auflage gedruckt geben würde, da das Internet eine aktuelle und kostenlose Information ermöglicht.

Der Konsument selbst bemerkt es vielleicht nicht so, aber die Zeitung durchlebt einen Wandel und tut alles, um am Leben zu bleiben. Diese Entwicklung ist zum Beispiel vergleichbar mit den Veränderungen in Bezug auf die Mobilität von Menschen: Die Kutsche im 17. Jahrhundert galt als primäres Fortbewegungsmittel für mehrere Personen. Heute werden die Menschen von Autos, Bussen und Zügen von A nach B transportiert.

Und wer weiß: In 50 Jahren möchten wir vielleicht wieder eine „retro-stylisch“ gedruckte Zeitung in den Händen halten – getreu dem Motto: zurück zu den Wurzeln!

von Luisa Helena Wagner, Klasse 8b, Gymnasium Philippinum, Marburg