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Schüler lesen die OP 2019 Kinder für handgemachte Musik begeistern
Mehr OP extra Schüler lesen die OP 2019 Kinder für handgemachte Musik begeistern
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19:43 11.04.2019
Karl Reissig leitet die Konzertband „Life“ der Musikschule Marburg. Quelle: Matthias Schüßler
Marburg

Seit ungefähr 20 Jahren begeistert die Konzertband „Life“ in Marburg mit bekannten Filmmelodien, geistlicher Musik und hitverdächtigen Lokalklassikern.

Eine Besonderheit ist, dass in der Konzertband alle Generationen zusammenkommen: Schüler, Berufstätige und Rentner musizieren gemeinsam.

„Life“ bietet deshalb auch ein Konzertprogramm für alle Generationen - mit Kinderklassikern wie dem „Sesame Street Theme“, dem „Star Wars Theme“ und Lokalklassikern für ältere Menschen wie dem „Böhmischen Traum“. Was die Konzertband so besonders macht, beantwortet dessen Leiter, Karl Reissig, im Interview.

Was macht die Konzertband „Life“ aus?
Karl Reissig: Wir machen Musik, die zeitgemäß ist, die junge Leute, aber auch ältere mögen. Das ist mir sehr wichtig. Dann die Arbeitsform: Wir treffen uns alle vierzehn Tage, bereiten die Stücke zuhause vor und setzen das in den Proben zusammen.

Freude und Erfahrungen weitergeben

Was macht „Life“ besonders?
Reissig: Die tolle Atmosphäre des Miteinanders. Sie äußert sich dadurch, dass wir Konzertreisen machen, Konzerte geben, dass wir selber in den Proben ruhig und zielorientiert arbeiten, das macht es aus. Auch die Sauberkeit beim Spielen und dass jede Person Unterricht am Instrument bei einem Lehrer hat. Das ist so in vielen Ensembles nicht gegeben.

Aus welcher Motivation heraus haben Sie „Life“ gegründet?
Reissig: Zuerst einmal, um die Freude am Musizieren anderen weiterzugeben. Meine Erfahrung, die ich in Konzerten als Solist, im Quintett oder Orchestermusiker gesammelt habe, anderen weiterzugeben und ihnen die Möglichkeit zu geben, eigene Erfahrungen zu machen. Außerdem ist es für mich als Lehrer wichtig, meinen Trompetenschülerinnen und -schülern zielgerichtet den Einzelunterricht anzuwenden.

Arbeit mit jungen Leuten hält jung

Wo sehen Sie „Life“ in Zukunft und was sind Ihre Ziele?
Reissig: Eine Prognose ist schwierig. Ich möchte, dass „Life“ sich konsolidiert, immer mehr Leute dazukommen, und dass unser Niveau Stück für Stück wächst. Wir planen auch ein paar Konzertreisen, nach Sfax in Tunesien und einen weiteren Besuch in Alaquàs bei Valencia – mit der dortigen Musikschule hatten wir 2017 einen Austausch. Es wäre für mich ein großes Ziel, dass jemand meine Arbeit aus den letzten 20 Jahren aufgreift und auf ein höheres Level hebt, gern mit mir zusammen. Auch nach 40 Jahren mache ich immer noch gern als Hauptberuflicher Musik mit jungen Leuten. Es wird auch für mich im Alter nicht leichter, sondern von der körperlichen und der mentalen Kraft her anstrengender.

Was bedeutet Ihnen die musikalische Arbeit mit Kindern?
Reissig: Ich arbeite auch an der Blista. Man kann Kinder oder auch junge Leute noch begeistern. Das sehe ich dort. Während meiner Ausbildung zum Theologen habe ich den Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendarbeit gelegt, weil ich immer gerne mit jungen Leuten zusammen bin; das hält mich selber jung. Mit 60 Jahren zähle ich mich zwar schon zu den Alten, aber fühle mich manchmal noch wie ein Kind. Der Zugang zu jungen Leuten und das Staunen über das, was sie können, und die Tatsache, dass sie was lernen, ist wichtig für mich und ihnen das auch weiterzugeben.

Viele Kinder sind sehr eingespannt

Was sind die Probleme der musikalischen Arbeit mit Kindern?
Reissig: Es gibt Motivationsprobleme. Kinder in unsrer heutigen Zeit sind leicht abgelenkt durch andere, schnellere Medien. Wenn ich eine CD einlege oder einen Song aus dem Internet herunterlade, dauert das viel kürzer, als wenn ich selber Musik mache. Und das möchte ich wieder zurückholen: die Geduld für handgemachte Musik. Dabei ist das Niveau nicht immer perfekt. Man muss die Möglichkeiten der Kinder sehen, diese annehmen und mit ihnen wachsen.

Was erschwert ihnen die musikalische Arbeit mit Kindern?
Reissig: Es ist schwierig, wenn Schule und Freizeit so belastet sind, dass wenig Zeit für Musik und „Life“ bleibt. Wenn man dann merkt, dass die jungen Leute eigentlich wollen, aber so eingespannt sind, weil die Freizeitaktivitäten immer mehr werden und sie sich auf nichts mehr richtig konzentrieren können. Daher muss man sie an ganz anderer Stelle abholen als früher. Bei manchen Kindern ist die Hemmschwelle durch ADS und ADHS relativ niedrig, sodass man da Probleme hat, mit ihnen zu arbeiten. Das merke ich auch im Einzelunterricht immer wieder. Für mich ist es immer wieder eine Herausforderung, sie an die Konzentration hinzuführen.

von Jonathan Winter, 8c, Gymnasium Philippinum