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Schüler lesen die OP 2019 Zahl der Schiedsrichter sinkt
Mehr OP extra Schüler lesen die OP 2019 Zahl der Schiedsrichter sinkt
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20:51 10.04.2019
Einer der bekanntesten deutschen Schiedsrichter ist der 42-jährige Dr. Felix Brych. Er leitete schon ein Europa-League-Finale, er war bei Olympia 2012, WM 2014 und der EM 2016 dabei, leitete das CL-Finale 2017 und wurde im selben Jahr als „Weltschiedsrichter“ gekürt. Quelle: Carmen Jaspersen/dpa
Marburg

„Pfiiet!“ Ein schriller Pfiff ertönt und somit wird das Fußball-Pokalfinalspiel angepfiffen. Der Ball wird vom Stürmer der Heimmannschaft zu der Nummer 6 gespielt. Dann ein langer Pass auf den Linksaußen.

Der Verteidiger probiert ihm den Ball wegzunehmen, aber er trifft nur das Schienbein des Gegners und bringt ihn so zu Fall. Das nächste schrille laute „Pfiiet“ ist zu hören.Eigentlich eine klare Sache, denn es war Foul, doch durch die angespannte Stimmung nimmt man doch das ein oder andere „Ey, Schiri“ und „Das war doch nichts“ wahr.

„Krasser Schuss“

Die Nummer 10 der Angreifer legt sich das runde Leder zurecht und nimmt Anlauf. Im Stadion ist es mucksmäuschenstill. Er schießt den Ball, dieser saust durch die Luft und… Toooooooooooor! Die Nummer 10 reißt die Arme in die Luft und ruft laut: „Juhuuu“. Die Mitspieler kommen zu ihm und gratulieren ihm mit „Krasser Schuss“ oder ähnlichen Komplimenten. Die Fans der Heimmannschaft sind auch alle außer sich und jubeln auf den Rängen. Der Schiedsrichter notiert sich das Tor und dann geht das heißumkämpfte Spiel auch schon weiter.

So in etwa sieht der Alltag eines Fußballschiedsrichters aus. Dieses Hobby begeistert schon viele Menschen auf der Welt. Um Schiedsrichter zu werden, muss man einen Lehrgang besuchen, der bis zu einem halben Jahr dauern kann. Dort lernen die Teilnehmer viel Theoretisches wie Regeln, aber manches lernt man auch praktisch wie Handzeichen.

Regel- und Lauftest

Wer dann alle Regeln kennt, kann im Winter oder im Sommer an der landesweiten Prüfung teilnehmen, bei der mindestens 50 von 60 Punkten erreicht werden müssen. Wer das geschafft hat, muss nur noch bei einer Laufprüfung seine Ausdauer unter Beweis stellen. Die Ergebnisse werden dann vom Prüfungsleiter nach Frankfurt zum Verband geschickt.

Innerhalb von etwa einem Monat bekommt der erfolgreiche Prüfling dann seinen Schiedsrichterausweis. Ab dann darf er Spiele pfeifen. Oft fängt ein Neuling in der E-Jugend an und kann sich dann nach oben arbeiten. Pro Spiel in der E-Jugend bekommt ein Schiedsrichter 12 Euro plus Kilometergeld. Das sind nochmal 30 Cent pro gefahrenem Kilometer. Schiedsrichter in höheren Spielklassen bekommen Schiedsrichterassistenten und Funksysteme, die die Leitung des Spiels erleichtern sollen.

Vereine müssen Schiris stellen

Doch es gibt in Deutschland zu wenig Schiedsrichter für die Spiele. Bundesweit sind circa 71.500 Schiedsrichter (Stand 2015) aktiv. Bei etwa 100.000 Spielen pro Wochenende in Deutschland reicht diese Zahl jedoch nicht aus, weshalb viele Schiedsrichter mehrere Spiele pro Woche leiten, oder zum Beispiel die untersten Klassen von Jugend- oder nicht aufstiegsberechtigten Seniorenmannschaften nicht mit offiziellen Schiedsrichtern angesetzt werden können.

Die Zahl der Schiedsrichter sank im Zeitraum 2010 bis 2015 um etwa zehn Prozent. Dabei müssen die meisten Fußballvereine mindestens drei Schiedsrichter stellen, sonst können sie Geldstrafen oder sogar Punktabzüge in der Liga bekommen. Die sinkende Anzahl an Unparteiischen lässt sich wahrscheinlich auf das Image des Schiedsrichters zurückführen, denn Schiedsrichter zu sein ist nicht der angesehenste Job. Er muss Beleidigungen über sich ergehen lassen, und er kann es nie allen recht machen. „Wer dem Druck nicht standhält, soll samstagnachmittags spazieren gehen“, sagte mal Bundesligaschiedsrichter Uwe Kemmling.

von Luis Köllisch, 8a, Gymnasium Philippinum