Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Schüler lesen die OP 2019 Umfrage: Jeder dritte Schüler wurde gemobbt
Mehr OP extra Schüler lesen die OP 2019 Umfrage: Jeder dritte Schüler wurde gemobbt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:40 09.04.2019
Durch die Etablierung der Smartphones erfährt Mobbing eine zusätzliche Dimension. Quelle: Thorsten Richter/Themenfoto
Marburg

Im Februar dieses Jahres startete ein 16-jährigen Schüler aus der Freien Waldorfschule eine Befragung unter Schülern der Universitätstadt. Demnach hat jeder dritte teilnehmende Schüler bereits Erfahrung mit Mobbing gemacht.

Die Umfrage erfasste, ob man von Mobbing betroffen war und sich Hilfe suchte. Beim Thema Mobbing wurde nicht zwischen psychischen oder physischen Angriffen unterschieden. Das besorgniserregende Resultat ist, dass jedes zweite Opfer sich nicht traute, Hilfe zu suchen.

„Viele Schüler sind mit ihren Sorgen und Ängsten auf sich alleingestellt. Dies führe zu immensen Druck“, erklärte hierzu eine Kinder- und Jugend-Psychotherapeutin aus Marburg. Die von Mobbing betroffenen Kinder und Jugendlichen benötigten aber intensive Unterstützung. Besonders während ihrer Entwicklungsphase im Alter zwischen 12 und 16 Jahren könne eine solche Erfahrung im Leben prägend sein.

Sozialpädagogen fordern Lehrerschulung

Die Schulen arbeiten bereits intensiv an dieses Problem, jedoch ist weiterhin Verbesserungspotenzial vorhanden. Bereits mit dem Eintritt in die Sekundarstufe werden Schulklassen im während eines Aktionstages von „Schulsozialarbeitern“ besucht, welche auch für die Fragen und Hilfestellungen zur Verfügung stehen, gerade weil so viele Schüler mit Mobbing-Erlebnissen keine Unterstützung suchen.

Dies kann auch daran liegen, dass sie nicht wissen, wo sie Hilfe überhaupt finden können. „Wir müssen endlich alle Lehrer dafür schulen, Symptome besser und schneller zu erkennen“, fordern Sozialpädagogen aus dem Landkreis. Handlungsbedarf sehen sie aber auch bei Eltern. Es müssten auch besondere Schulungen für Eltern stattfinden, um sie zu sensibilisieren und somit als Teil eines ‚Frühwarnsystems’ werden zu lassen.

Selbstbewusstsein der Schüler leidet

Als ein besonderes Problem stellt sich das Cyber-Mobbing dar. Durch die Einführung und Etablierung der Smartphones hat sich die Lage verschärft. Beschimpfungen, Drohungen, Verleumdungen und Hetze sind häufig in den sozialen Netzwerken zu bemerken. Bis vor wenigen Jahren war diese Art von Mobbing noch nicht existent, aber nach Beobachtungen von Sozialtherapeuten ist das Ausmaß mittlerweile gravierend.

Das Selbstbewusstsein der betroffenen Schüler leide stark unter einem Mobbingangriff. Viele Schüler trauen sich nicht mehr in die Schule, verlieren den Bezug zu der Klassengemeinschaft und können auch depressiv werden. Selbst Jahre nach einer Mobbingattacke ist eine Depression möglich. Außerdem können auch körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Herz-Kreislauf-Probleme auftreten.

Drei Schritte sollen Opfern helfen

Ursachen von Mobbing sind vielfältig. Um gemobbt zu werden, braucht man kein bestimmtes Handicap, sondern bereits kleinste Unterscheidungen im Aussehen und Verhalten eines Jugendlichen genügen. Es spielen außerdem Faktoren wie Neid, Rache und Macht eine große Rolle.

Eine mögliche Strategie, Mobbingangriffe zu befrieden, ist unter anderem der so genannte „No Blame Approach“. Es handelt sich hierbei um eine klar strukturierte Methode in drei zeitlich aufeinander folgenden Schritten. In aller Kürze bedeutet dies: Im ersten Schritt wird mit dem von Mobbing betroffenen Schüler gesprochen, damit dieser Vertrauen für die weitere Vorgehensweise gewinnt und Zuversicht bekommt.

Schwerpunkt liegt auf Prävention

Nun folgt die Bildung einer Unterstützungsgruppe. Das sind alle Schüler, die eine konstruktive Lösung in der problematischen Situation spielen können. Im dritten Schritt folgen die Einzel-Nachgespräche mit jedem Jugendlichen, einschließlich des Mobbing-Betroffenen. Es geht darum festzustellen, wie sich die Situation entwickelt hat, und um die Herstellung von Verbindlichkeit, die verhindern soll, dass diejenigen, die gemobbt haben, ihre Aktivitäten wieder aufnehmen.

In den letzten Jahren wurde viel unternommen und einiges verbessert. Ein Schwerpunkt wurde auf Prävention gelegt. Jugendliche müssen ermutigt werden, Hilfe zu suchen und sie müssen wissen, an wen sie sich wenden können. Die von dem 16-jährigen Schüler durchgeführte Umfrage gibt einen weiteren Einblick in die Notwendigkeit, Mobbing konsequent auf allen Ebenen zu begegnen, damit sich das Leid der betroffenen Schüler nicht festsetzt und Mobbing immer häufiger schon präventiv verhindert werden kann.

von Talha Ahmad, 10. Klasse, Freie Waldorfschule Marburg