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Schüler lesen die OP 2019 Ohne Smartphone geht nichts mehr
Mehr OP extra Schüler lesen die OP 2019 Ohne Smartphone geht nichts mehr
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16:13 13.05.2019
Das Smartphone ist heute immer und überall dabei. Das kann negative wie positive Auswirkungen auf den Alltag haben, wie eine Umfrage zeigt. Quelle: Lino Mirgeler/dpa
Marburg

Kinder spielen heute immer seltener miteinander. Ein Grund: das Smartphone. Gestresste Eltern geben ihren Kindern schon im sehr jungen Alter oft das Smartphone in die Hand, um sie abzulenken und ruhigzustellen.

Dies kann laut der Forschung zu einem negativen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes, zu physischer Destabilisierung, innerem Freiheitsverlust, Ängsten, Aggressionen, Konzentrationsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen oder Verlust der Empathiefähigkeit führen.

Das Erlernen dieser Fähigkeiten kann später nur schwer nachgeholt werden. Es prägt Kindheit und Jugend besonders stark und hat Auswirkungen auf das ganze Leben. Das Smartphone ist für viele kaum noch wegzudenken.

Fast alle Jugendlichen online aktiv

Es wird nicht nur für Arbeitszwecke genutzt, sondern ist vor allem ein guter Zeitvertreib, Ablenkung von alltäglichen Problemen und ein einfaches Mittel, um mit so vielen Menschen wie möglich in Kontakt zu bleiben. Der ständige Kontakt mit dem Smartphone und das durchgängige Teilen des eigenen Lebens mit anderen – etwa auf Plattformen wie Instagram oder Snapchat – kann jedoch einen unbewussten Druck und einen ständigen Vergleich mit anderen hervorrufen.

Angst vor Isolation in der Offline-Welt Vor diesem Hintergrund haben wir in der Marburger Innenstadt zur Nutzung des Smartphones eine Straßenumfrage durchgeführt und einen kleinen persönlichen Einblick in die Bedeutung der Smartphones bekommen. Für die Umfrage sprachen wir mit Passanten im Alter zwischen acht und 35 Jahren. Demnach ist jeder Jugendliche auf mindestens einer Social-Media-Plattform aktiv.

Hilft Handy beim Lernen oder lenkt es ab?

Dass man sich in diesen Plattformen verlieren kann, bestätigte ein 16-jähriger Schüler: „Ich bin mir oft gar nicht bewusst, wie viel Zeit ich eigentlich in den sozialen Medien verbringe“, teilte er mit. Offline zu sein könne für viele Jugendliche schon Isolation bedeuten, die Angst, etwas zu verpassen, führe auch schon mal zu Stress.

Bei der Umfrage fiel uns auf, dass Erwachsene das Smartphone eher zu praktischen Zwecken nutzen und es ihnen bei der Arbeit und dem Lernen hilft, zum Beispiel für Recherchen oder Übersetzungen. Jüngere werden durch das Smartphone eher vom Lernen abgelenkt. Kann die Smartphone-Nutzung die schulischen Leistungen auch negativ beeinflussen? Die meisten Befragten beantworteten unsere Frage mit einem klaren „Ja“.

Handy klingelt die ganze Nacht durch

Eine dreizehnjährige Schülerin gab dazu einen interessanten Einblick in ihren Lernalltag: „Wenn ich mein Handy nicht habe, setze ich mich automatisch an die Hausaufgaben“, lautete die ehrliche Antwort. Positiv nannten Jugendliche wie Erwachsene den einfachen Kontakt, welcher durch das Smartphone möglich ist.

Dieser Kontakt kann jedoch auch störend werden, wie die Geschichte eines 32-Jährigen bestätigt: „Mir ist auch schon passiert, dass ich mein Smartphone nachts aus Versehen angelassen habe und mich 28 Leute innerhalb von nur drei Stunden angerufen haben. Es hat die ganze Nacht geklingelt. Irgendwann habe ich das Handy aus Frust gegen die Wand geschmettert – es ist zum Glück auf einem Kissen gelandet, sonst wäre es futsch gewesen. Seitdem schalte ich mein Handy immer abends aus“, berichtet der Mann.

Digitalisierung hat gravierende Konsequenzen

Er meint, man solle keine Hemmungen haben, das Smartphone auch einfach mal auszustellen. Die Befragten erwähnten in unserer Umfrage positive wie auch negative Aspekte der Smartphone-Nutzung. Aber alle sahen in den technischen Möglichkeiten, die uns das Smartphone eröffnet, ein großes Potenzial. „Ich finde es gut, dass junge Leute mit der neuen Technologie schon so früh in Berührung kommen, das ist wichtig, es ist ja unsere Zukunft“, sagte eine überzeugte 19-jährige Studentin.

Für uns ergibt sich aus den eigenen Erfahrungen und der der Passanten folgendes Bild: Die Digitalisierung wird weiter gravierende Konsequenzen auf unser aller Leben haben. Daher ist es wichtig, sich auf sein eigenes Leben zu konzentrieren und sich nicht abhängig zu machen von virtuellen Freunden oder Bekannten. Jeden Moment gibt es nur einmal, und diesen sollte man richtig leben.

von Neela Hellerich und Amelie Klein, Klasse 10, Freie Waldorfschule Marburg